Seit Monaten kein Einkommen – Kosten laufen weiter – Zirkusfamilie bangt um Existenz
Circus Avalon braucht Hilfe

Salzkotten -

Ein strahlend lachender Zirkusclown grüßt Passanten von einem Plakat am Zaun der Hederkampfbahn in Salzkotten. Zum Lachen zumute ist Mike Köllner aber schon lange nicht mehr.

Samstag, 06.02.2021, 05:32 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 14:38 Uhr
Mike Köllner mit seiner Lebenspartnerin Natalie Trumpf, den Kindern Gino (8) und Milano (11/vorn) sowie Seniorchef Julius Trumpf hoffen auf Unterstützung. Der Circus Avalon ist seit zwölf Monaten ohne Einkommen. Foto: Jörn Hannemann

„Pure Verzweiflung und schiere Angst um die Existenz“ – das spüren der 38-Jährige und seine Familie jeden weiteren Tag, an dem der Circus Avalon in Salzkotten festsitzt.

Ihre vorerst letzte Vorstellung hat die Zirkusfamilie im Januar 2020 geben können, seitdem geht aufgrund der Pandemie nichts mehr. Nach der Saison 2019 bezog die fünfköpfige Familie gemeinsam mit einem Cousin und dem Seniorchef Julius Trumpf das Winterquartier an der Hederkampfbahn. Seit zwölf Monaten sind Mike Köllner und seine Partnerin Natalie Trumpf nun schon ohne Auftritt und ohne Einkommen. Die Kosten des Paderborner Familienzirkus‘ aber laufen weiter. „Wir stecken in großen Schwierigkeiten und wissen nicht, wie wir diese Kosten decken können. Die Versicherungen für die Zugfahrzeuge und alle Anhänger sowie für die Tiere müssen bezahlt werden. Alle Fahrzeuge müssen zum TÜV. Und seit zehn Monaten konnten wir die Raten für das Zirkuszelt nicht bezahlen“, sagt Köllner, „wir haben große Angst, alles, was wir uns aufgebaut haben, durch Corona zu verlieren.“ Mit 19 Jahren hat sich Mike Köllner selbstständig gemacht. Mit der Unterstützung des Jobcenters allein könne er seinen Betrieb jedoch nicht länger finanzieren.

Ganz offen sagt Mike Köllner, dass der Circus Avalon Hilfe braucht. Und zwar am dringendsten Geld. „Ja, wir schämen uns deswegen, aber der Zirkus ist unser Leben. Wir wollen auf keinen Fall aufgeben“, sagt Köllner. Froh ist der Familienvater, dass der Zirkus auf dem inzwischen städtischen Gelände zunächst bleiben kann. Bürgermeister Ulrich Berger sieht darin keine Probleme. Standgebühren fordere die Stadt nicht, lediglich Strom und Wasser würden abgerechnet.

„Einige Bauern bringen uns Stroh und Futter für die Tiere. Auch die Anwohner hier sind alle total freundlich zu uns und helfen uns mit Kleidung und Lebensmitteln aus“, ist Köllner dankbar. Er glaubt fest daran, dass es irgendwann auch wieder weitergeht. Doch sollte er Raten und Versicherungen nicht bezahlen können, verliert er seine Existenzgrundlage.

Ralf Huppertz, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmer, bestätigt die schwierige Situation in der Branche. „Insbesondere die kleinen Familienzirkusse sind auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Es gibt zwar theoretisch staatliche Unterstützung, aber die ist praktisch nicht beantragbar“, sagt Huppertz. So hätten die meisten Unternehmen keinen Steuerberater. Daher seien sie auf Spenden angewiesen. „Oder man kann einfach eine Rechnung übernehmen“, schlägt Huppertz vor. Der Verbandsvorsitzende glaubt, dass gerade die Familienzirkusse eine Chance haben, weiter zu existieren.

Die Zeit des erzwungenen Stillstandes nutzt die Avalon-Zirkusfamilie für Reparaturarbeiten und die Pflege der Requisiten. Das Zelt ist aufgebaut, darin sind derzeit eine Werkstatt und der Stall untergebracht. Mit der Schule auf Distanz haben die Zirkuskinder keine Probleme. Sie sind ein solches Arbeiten seit langem aus der Zirkusschule gewohnt. Dennoch würden sie lieber heute als morgen wieder unter der Zirkuskuppel auftreten. Seine Kinder hätten sogar angeboten, ihr Spielzeug zu verkaufen, um zu helfen. An Weihnachten habe er die Kinder vertrösten müssen, das Christkind käme erst im Sommer. „Unser ganzes Herz und unser ganzes Leben stecken in diesem Zirkus“, hofft Mike Köllner auf Unterstützung. Wer helfen möchte, kann sich bei ihm unter 01747313849 melden.

Eine, die schon geholfen hat, ist die Salzkottenerin Carmen Schrewe. „Die Leute sind wirklich in Not, das tut mir in der Seele weh. Und wir sehen es direkt vor unserer Haustür“, sagt sie. Carmen Schrewe war der Familie behilflich, ein Konto für Spenden einzurichten. Die Sparkasse Paderborn stellt diese kostenloses zur Verfügung. IBAN: DE07 4765 0130 3010 6231 59

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