Bielefelder Stiftung pflegt Kopfweiden in Salzkotten und erhält so Lebensraum für Steinkäuze
Baumschnitt für den Artenschutz

Salzkotten-Thüle -

Die Bielefelder „Stiftung Pro Artenvielfalt“ startet ein Schutzprojekt für den bedrohten Steinkauz im Paderborner Land. Nach dem Auftakt am vergangenen Wochenende geht es am Samstag, 12. Dezember, in Thüle weiter.

Dienstag, 08.12.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 16:48 Uhr
Der Steinkauz steht auf der Liste der gefährdeten Arten. Im Paderborner Land allerdings ist der Bestand noch stabil. Damit das so bleibt, plant die Bielefelder Stiftung Pro Artenvielfalt unter anderem auch Thüle Pflegemaßnahmen an Kopfweiden, die der kleinen Eule als Lebensraum dienen. Foto: H. Glader

Dort wird ein Baumpflegeunternehmen im Auftrag der Stiftung Kopfweiden beschneiden. Denn diese Bäume, die früher wirtschaftlich genutzt wurden und das Landschaftsbild in den lippischen Flussauen und im Paderborner Land prägten, sind heute selten geworden. Und der Pflegeschnitt, der notwendig ist, um sie gesund zu erhalten, wird häufig nicht mehr vorgenommen. Dabei sind Kopfweiden die bevorzugten Nist-und Brutplätze für die kleine Tag-Eule und bieten auch vielen anderen Arten einen Lebensraum.

Hunderte Kopfweiden will die Stiftung in diesem Winter im Paderborner Land schneiden lassen. Alle paar Jahre benötigen die Weichholz-Bäume einen fachgerechten Schnitt.

Einen festen Platz hat der Steinkauz zurzeit nur noch auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten. „Mit unserem Steinkauz-Schutzprojekt im Paderborner Land kümmern wir uns um den Lebensraum dieser kleinen Tag-Eule, von der es deutschlandweit nur noch etwa 6000 Brutpaare gibt“, erläutert Roland Tischbier, Vorstandsvorsitzender und Gründer der „Stiftung Pro Artenvielfalt“ mit Sitz in Bielefeld. In vielen Bundesländern gebe es schon gar keine Steinkäuze mehr. Dagegen gehörten die Grünland-Niederungsbereiche des nördlichen Teils des Kreises Paderborn mit etwa 300 Brutpaaren auch heute noch zu den gut besiedelten Verbreitungsgebieten in Nordrhein-Westfalen und hätten damit für diese Eulenart überregionale Bedeutung, erläutert Tischbier.

Steinkäuze nisten bevorzugt in Baumhöhlen oder in den Nischen alter Gemäuer. Die alten höhlenreichen Obstbäume aber verschwinden ebenso wie die alten Gebäude. Die Bielefelder Stiftung macht sich daher auch dafür stark, nicht mehr benötigte Trafo-Türme für den Artenschutz zu nutzen.

Auch Kopfweiden werden heute nicht mehr wirtschaftlich genutzt und daher oft nicht mehr regelmäßig beschnitten. Die immer länger und schwerer werdenden Äste brechen unter ihrer eigenen Last, im Sturm und unter Eis- und Schnee bis hinein in den Stamm. Damit gehen immer mehr Kopfweiden verloren.

.„Wir packen es in diesem Winter nach Jahren der Kopfbaum-Pflegepause erneut an und werden bis Ende Februar mit einem qualifizierten Baumpflegeunternehmen die im Sommer ausgesuchten Bäume – mit Zustimmung der Landeigentümer – fachmännisch auf den Kopf setzen“, versichert Roland Tischbier. Schneiteln heißt dieser Pflegeschnitt im Fachjargon.

Finanziert wird die Pflege von insgesamt 726 Kopfweiden auch durch Fördermittel des Landes NRW und der EU. Weitere 106 Kopfweiden und neue Steinkauz-Nistkästen finanziert die Stiftung zu 100 Prozent aus Spenden. Neben den vom Land bewilligten Fördermitteln besteht für das aktuelle Projekt damit ein zusätzlicher Finanzbedarf von bis zu 14.000 Euro.

Kopfweiden sind Relikte einer Zeit, als es in der Region noch Korbflechter gab. Fast jeder Hof mit Grünland hatte Kopfweiden und pflegte diese, um die schnell wachsenden Äste als Zaun-und Flechtmaterial oder als Brennstoff zu nutzen.

Der regelmäßige Schnitt der Weidenruten führte in den Weichholz-Bäumen zu einem Nährstoff-Stau der die typischen Weidenköpfe ausbildet. Und da weiches Holz schneller fault, entstanden so über die Jahrzehnte im lebenden Weidenbaum tiefe Höhlungen und Spalten. Diese knorrigen Charakterköpfe prägten das ostwestfälische Landschaftsbild.

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