Saatguternte in luftiger Höhe – Spitzahorn segelt in riesige Netze
Im Propellerflug zur Baumschule

Salzkotten-Niederntudorf (WB). Im Niederntudorfer klopft es. Doch es ist nicht der Specht, der hier sein Nest baut. Denn der könnte nicht aus den Baumwipfeln herab rufen „Vorsicht da unten“, oder „Etwas weiter rechts“. Wer da klopft und ruft, ist Kristian Roß – seines Zeichens Baumkletterer. Der 55-Jährige und seine drei Kollegen haben derzeit alle Hände voll zu tun. Denn es ist Erntezeit im Tudorfer Wald.

Freitag, 06.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 16:46 Uhr
Ein 300 Quadratmeter großes, feinmaschiges Netz zwischen den Bäumen verhindert, dass das Saatgut des Spitzahorns einfach davonfliegt. Mit Hilfe der Netze am Boden lassen sich die Propeller nach ihrer Landung gut einsammeln. Foto: Oliver Schwabe

„S’Klettererteam“ – so nennt sich die kleine Gruppe aus Süddeutschland – hat einen Märchenwald in die Landschaft gezaubert. So scheint es jedenfalls. Am Waldboden wogen weiße Netze wie Wolken; zwischen den Bäumen bläht sich in der Herbstsonne ein riesiges Segel auf, als wolle es mit den Bäumen davonfliegen.

Stadtförster Waldemar Makowka ist da pragmatischer und hält es lieber mit den Fakten. Im städtischen Wald bei Tudorf wird das Samengut des Spitzahorns geerntet. In einem Bestand von 30 ausgewählten Bäumen werden zehn voll hängende Exemplare abgeerntet. Ihre Samen dürfen laut Forstvermehrungsgutgesetz an Baumschulen weiterverkauft werden. Vor 30 Jahren war hierfür die Zulassung erteilt worden. Bei der Ernte ist jetzt echte Handarbeit gefragt.

Spitzahorn-Ernte im Niederntudorfer Wald

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  • Spitzahorn-Ernte im Niederntudorfer Wald
Foto: Oliver Schwabe
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Kristian Roß erklimmt sonst eigentlich hohe Berge. Doch ebenso geschickt hangelt er sich mit Seilen gesichert an dem etwa 35 Meter langen Stamm des Spitzahorns hinauf. Mit einer langen Stange ausgerüstet erreicht er den Baumwipfel und klopft hier kräftig auf die Äste. Schon segelt das Saatgut in Massen propellerartig hinab. Und darin liegt auch schon die Tücke. „Der Wind bläst uns alles weg. Da wäre es mühselig, das Saatgut wieder einzusammeln“, sagt Roß. S’Klettererteam aus dem Schwarzwald hat daher das 300 Quadratmeter große Netzsegel in die Höhe gezogen. Es fängt die Ahornpropeller auf und leitet sie in die Netze am Boden.

Tolle Aussichten hoch oben in den Wipfeln

Roß ist zufrieden: „Gesundes und keimfähiges Saatgut bei einem hohen Reinheitsgrad.“ Mit Reinheitsgrad meint er, dass wenig Laub mit hinuntergekommen ist, so dass beim Aussieben später weniger Arbeit anfällt. Rund 2500 Qua­dratmeter Netze haben die Baumkletterer unter den Bäumen ausgelegt. Nach dem Abklopfen der Äste ziehen sie diese samt Saatgut wieder zusammen. „Wir haben eine tollen Job. Den ganzen Tag an der frischen Luft“, sagt Lenja Haas, die beim Einsammeln hilft. Sie klettert noch nicht die Stämme hoch, bereitet sich aber derzeit darauf vor. Eine besondere Ausbildung für die Arbeit der Baumkletterer gebe es nicht. Kletterscheine sollte man aber haben. Lenja Haas freut sich schon auf die schönen Aussichten hoch oben in den Baumwipfeln.

„Das Ernten mit dem großen Segel hat bei uns im Wald Premiere“, sagt Stadtförster Waldemar Makowka und packt hier und da mit an. Bisher sei nur mit ausgelegten Netzen, Klopfen und speziellen Rüttelmaschinen das Saatgut gesichert worden. So geht es natürlich besser und schneller. Und das ist auch nötig. Denn dem Kletterteam bleibt nur ein Zeitfenster von etwa vier Wochen, um deutschlandweit seine Aufträge abzuarbeiten. Das Team versteht sich nicht nur aufs Abklopfen der Äste, sondern auch aufs Zapfenpflücken und auf Baumpflege. Kristian Roß lobt den Baumbestand im Tudorfer Wald, der sei schon etwas Besonderes. „Solch schönen Ahorn sieht man selten. Das ist schon ein Spitzenbestand in NRW“, sagt der Baden Württemberger. Und auch die Ernte falle in diesem Jahr besonders gut aus.

Etwa 50 Kilo Rohsaatgut liefert ein Baum, weiß Salzkottens Stadtförster. Theoretisch können pro Kilo 8000 Bäume angezogen werden. Viel verdienen ließe sich mit dem Verkauf des Saatgutes aber nicht. „Der Hauptgedanke dahinter ist, die Qualität zu erhalten. Ahorn ist ein tolles, warmtöniges Holz. Mangels Masse ist es auf dem Markt kaum vorhanden“, sagt Waldemar Makowka. Drei Tage hat S’Klettererteam für die Ernte in Tudorf eingeplant. Dann wartet schon der nächste Auftrag.

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