Patient aus Salzkotten sieht Gesundheit gefährdet – Paderborner St.-Vincenz-Krankenhaus widerspricht vehement
Streit über Schutzmaske im Krankenhaus eskaliert

Paderborn (WB). „Ich bin das erste und letzte Mal im Vincenz-Krankenhaus gewesen“, sagt Hajo Schnieder. Die Art und Weise, wie er Mitte September in dem Paderborner Krankenhaus behandelt wurde, hält er für mangelhaft und gesundheitsgefährdend. Corona-Schutzmaßnahmen seien ignoriert worden, behauptet der ­Diplom-Kaufmann aus Salzkotten. Das Krankenhaus hält seine Vorwürfe für abwegig und wirft ihm im Gegenzug respektloses Ver­halten vor. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich bei ihren Vorgesetzten über den Patienten beschwert.

Samstag, 24.10.2020, 05:22 Uhr aktualisiert: 24.10.2020, 09:46 Uhr
23.000 Patienten werden im Vincenz-Krankenhaus pro Jahr stationär aufgenommen. Im Eingangsbereich werden die Besucher auf­gefordert, ihre Hände zu desinfizieren. Vor dem Betreten des Krankenhauses wird die Körpertemperatur gescannt.

Ultraschalluntersuchung

Ein Notarzt habe ihn am 14. September in die Kardiologie des St.-Vincenz-Krankenhauses gebracht, wo ihm noch am selben Tag ein Stent eingesetzt worden sei, erzählt Hajo Schnieder. Der 69-Jährige kam demnach auf die Privatstation E5 und wurde am Morgen des 15. September zur Ul­traschalluntersuchung des Herzens gefahren. Der Senior berichtet: „Im Vorraum zu den Untersuchungsräumen standen an der linken Wand hintereinander, Bett an Bett, ca. sechs bis acht Betten mit Patienten, die genau wie ich alle einen Mundschutz trugen. Der Raum war damit voll. Die Breite dieses Vorraums entspricht der Breite von ca. zwei Krankenhausbetten.“

Die Lüftung sei nicht eingeschaltet gewesen, „was am Stillstand der Deckenventilatoren zu sehen war“. Hajo Schnieder weiter: „Mein Bett war das letzte in diesem Vorraum, dahinter war die Tür zu einem Krankenhausflur. Dann wurde ein weiteres Krankenhausbett mit einem Patienten ohne Mund-Nasen-Schutz hereingefahren und neben mir platziert; der Abstand meines Kopfes zu dem dieses Patienten betrug ca. 80 Zentimeter.“

Bei einer Krankenhausmitarbeiterin habe er sich über den fehlenden Mindestabstand und die fehlende Schutzmaske beschwert, erzählt der Risikopatient weiter. Sie habe aber nichts unternommen und ihm gesagt, er könne die Beschwerde auf einem Zettel in seinem Zimmer formulieren. „Ich bin dann aus meinem Bett aufgestanden, weil ich das erhöhte Risiko nicht weiter hinnehmen wollte“, berichtet Hajo Schnieder. Als er an der Tür zum Krankenhausflur gewesen sei, habe eine Ärztin dafür gesorgt, dass er mit seinem Bett erst auf den Krankenhausflur und danach in ihr Untersuchungs­zimmer geschoben worden sei, um dort die Ultraschallunter­suchung vorzunehmen. Unmittelbar davor will er gesehen haben, dass der besagte Patient jetzt eine Schutzmaske aufhatte.

„Ohne Grundlage“

Über die Schilderungen des Patienten ist der Hauptgeschäftsführer der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH, Dr. Josef Düllings, „äußerst überrascht“. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt er: „Sie entbehren – aus unserer Sicht – jeder Grundlage.“ So ließen die bau­lichen Gegebenheiten in dem erwähnten Funktionstrakt die von dem Patienten beschriebene Platzierung der Betten gar nicht zu. Düllings: „Die Patientenbetten lassen sich hier ausschließlich hintereinander aufstellen, was einen selbstverständlichen Mindestabstand von zwei Meter von Bett zu Bett mit sich bringt.“

Deckenventilatoren gebe es im St.-Vincenz-Krankenhaus gar nicht. „Dies wäre nach modernen Hygienestandards auch nicht hilfreich, denn entsprechende Ventilatoren-Systeme haben sich an anderer Stelle zu Corona-Zeiten bereits als schädlich erwiesen“, erläutert der Düllings. Und ob die im Vincenz-Krankenhaus eingebauten modernen Belüftungssysteme ein- oder ausgeschaltet seien, könnten Patienten aus ihrer Perspektive nicht erkennen.

„Darüber hinaus hat es in dem relevanten Zeitraum des Aufenthalts des Patienten keinen einzigen COVID-19-Fall oder Verdachtsfall in der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH gegeben. Dies können wir mit Sicherheit sagen, weil alle stationären Patienten am ersten Tag ihres Aufenthalts auf das Corona-Virus getestet werden“, betont Düllings. „Selbstverständlich“ würden die vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgegebenen Corona-Schutzmaßnahmen trotzdem von allen Mitarbeitern beachtet. In wenigen Ausnahmefällen gebe es aufgrund bestimmter Erkrankungen einen medizinischen Grund dafür, dass einzelne Patienten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können. „In solchen Fällen schützen sich die Mitarbeiter durch das Tragen einer sogenannten FFP2-Maske und achten noch einmal mehr auf die Wahrung eines Mindestabstands zu anderen Patienten“, sagt der Hauptgeschäftsführer, der seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich lobt. Sie hätten in den vergangenen Monaten Enormes geleistet.

Dass ein Patient, der eine „medizinisch erstklassige Versorgung“ erhalten habe, „derart auffällig“ werde, sei höchst ungewöhnlich. „Tatsächlich haben wir unsere Krankenpflegeschüler zu deren Schutz nach kurzer Zeit von der Versorgung des Patienten abgezogen“, schildert Düllings.

Corona-Stab eingerichtet

Der größtmögliche Schutz der Patienten, Besucher und Mitarbeiter vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus genieße „allerhöchste Priorität“, sagt Düllings und er ergänzt: „In Abstimmung mit unserem Krankenhaus-Hygieniker und unseren Hygienefachkräften beraten wir im Corona-Stab regelmäßig über die nötigen Hygiene-Maßnahmen und Verhaltens­regeln zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter. Dabei richten wir uns streng nach den Vorgaben des RKI und der zuständigen Behörden und stimmen uns auch mit den anderen Paderborner Krankenhäusern eng ab.“ Die stationär aufgenommenen Patienten werden laut der Klinik bis zum Ergebnis des Coronatests in separaten Bereichen versorgt, um sie nicht mit den bereits negativ Getesteten zu durchmischen. Patienten, die innerhalb des Krankenhauses transportiert oder dort untersucht werden, müssten einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Seit kurzem werden alle Patienten im Vincenz außerdem aufgefordert, bei der Visite oder bei bestimmten pflegerischen Tätigkeiten einen Mundschutz zu tragen. Es ist eine Reaktion auf die steigenden Corona-Fallzahlen. In besonderen Risikobereichen des Krankenhauses, wie der zentralen Notaufnahme oder der Intensivstation, tragen die Mitarbeiter nach Angaben des Krankenhauses eine spezielle FFP2-Maske.

Auch im Krankenhaus gelte der Mindestabstand. Dieser sei aber bei einigen Untersuchungen nicht einzuhalten, und in solchen Fällen schützten sich Patienten und Ärzte durch einen Mund-Nasen-Schutz oder spezielle FFP2-Maske. Für Besuche gelten im Vincenz folgende Regeln: Pro Tag darf ein Patient zwischen 14 und 18 Uhr einen Besucher empfangen. Ausnahmen gebe es für Schwerstkranke, Patienten der Kinderklinik und in der Geburtshilfe.

Risikogebiet besucht?

Alle Besucher würden registriert und zu ihrem Gesundheitszustand befragt, betont das Krankenhaus. Die Körpertemperatur werde gemessen, ergänzt durch die Frage, ob sich die Person zuletzt in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Die Besucher erhalten zudem einen Mund-Nasen-Schutz. Wer keine Angaben zur Person machen will und sich weigert, eine Maske zu tragen, müsse wieder gehen. „Schon ein einziger unbemerkter Corona-Fall in unserem Krankenhaus kann dazu führen, dass wir eine Vielzahl an Mitarbeitern in Quarantäne schicken müssen und so die Leistungsfähigkeit unseres Krankenhauses gefährden“, betont der Ärztliche Direktor Dr. Martin Baur.

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