Nach fast drei Jahren neuer Preis auf der Linie SK1
Was lange währt

Salzkotten (WB). Gleich am 1. Oktober hat sich Rainer Wester eine Fahrkarte gekauft, um zu schauen, ob es wirklich wahr geworden ist. Tatsächlich verlangte der Fahrer zwischen Salzkotten und Wewelsburg anstatt 5,40 Euro nur noch 2,60 Euro für eine Mitfahrt.

Samstag, 03.10.2020, 08:18 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 08:20 Uhr
Ab sofort ist der Preis kein Grund mehr, auf den Bus zu verzichten. Rainer Wester (links) und Günter Eggebrecht an der Haltestelle Graffeler Berg in Wewelsburg. Sie wollen für die Buslinie, die auch für Jogger interessant ist, verstärkt werben.

Und das nun ganz offiziell. Auch in der Gegenrichtung musste die Fahrkarte beim Einstieg in Wewelsburg nicht mehr vom Fahrer bis Tudorf „rückverlängert“ werden, um für eine Fahrt nach Salzkotten den Fahrpreis zu reduzieren. Ganze 1.128 Tage wurde um den Tarif auf der im Spätsommer 2017 gestarteten Buslinie gerungen, hat Wester nachgezählt. Nun sei die Lösung umgesetzt, die den berechtigten Interessen aller Beteiligten nachkomme.

Rückblick: Der Linienbus zwischen Salzkotten und Tudorf fährt über Wewelsburg und verlässt dabei für ein paar Kilometer das Salzkottener Stadtgebiet. Somit war eine Fahrt von Salzkotten nach Wewelsburg doppelt so teuer wie die Reise bis zur Endstation in Tudorf. „Die Freude ist groß“, so der Wewelsburger Ortsvorsteher Günter Eggebrecht, „wir werden die Buslinie nun intensiv bewerben“. Bisher seien sowohl er im Burgdorf als auch Rainer Wester in Salzkotten damit beschäftigt gewesen, den Fahrgästen die besonderen Umstände der Preisbildung zu erklären. Die beiden danken ausdrücklich dem Stamm-Fahrpersonal, das den Fahrgästen bereits vorher die günstige Variante verkauft habe. Am Aus der „tariflichen Verwerfung“ wirkte der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (NPH) in Abstimmung mit dem Busbetreiber BVO mit.

Für Rainer Wester hat der Fahrschein vom 1. Oktober historischen Wert. Er kommt in seine Sammlung.

Für Rainer Wester hat der Fahrschein vom 1. Oktober historischen Wert. Er kommt in seine Sammlung.

Der NPH vermittelte in dieser kniffeligen Sache und erarbeitete für das Busunternehmen eine Lösung, um den „Jedermann-Verkehr“ mit den Schulwegkarten unter einen Hut zu bringen. Mehrfach hatte das Thema dazu schon auf der Tagesordnung der NPH-Verbandsversammlung gestanden. „Wir schauen nun nach vorn“, so Günter Eggebrecht, „denn es gibt viele Möglichkeiten, den Stadtbus zu nutzen.“ Etwa für eine Fahrt von Wewelsburg nach Niederntudorf, die Haltestelle liegt dort in Nähe der Apotheke. Gleiches gilt für eine Fahrt nach Salzkotten zum Einkaufen. Selbst für Freizeitläufer ist der Bus attraktiv. Wer seinen üblichen Rundkurs vor der Haustür leid ist, kann den Stadtbus für die Ausfahrt nutzen und nach dem Ausstieg zurückjoggen. „Von oder nach Wewelsburg ist die herausfordernde Steigung sogar inklusive“, so Günter Eggebrecht. Nebenbei kann der Bus als rollender „Fahrkartenautomat“ genutzt werden. Das Fahrpersonal hat über den Fahrscheindrucker im Bus Zugriff auf viele Karten der NRW-Ticket-Familie.

Das Thema Tarifgrenze werde den Fahrgästen dennoch an vielen Stellen im Land erhalten bleiben, meint Wester. Während Autofahrer über diese einfach hinwegrollen, geht der Stress für die Fahrgäste damit meistens erst los. Die „Tarifierung des ein­ und ausbrechenden Verkehrs“ oder der „Übergang zwischen Teilräumen“ wie es offiziell heißt, fülle etliche Seiten der Tarifbestimmungen. Immerhin wird die Wewelsburger Fahrkarte mit dem umgestellten Preis in die Geschichte eingehen. Rainer Wester wird sie als begeisterter Fahrkartensammler seiner Sammlung einverleiben. Die Karte ist, wie viele andere auch, Zeugin ihrer Zeit und wird einen kleinen Teil aus mehr als eineinhalb Jahrhunderten regionaler Bahn- und Busgeschichte belegen.

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