Sechs Jahre Bürgermeister: Ulrich Berger blickt beim Stadtrundgang zurück
Auf den Spuren einer Amtsperiode

Salzkotten (WB). Vor sechs Jahren hat Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger seine erste Amtsperiode angetreten. Wie hat sich Salzkotten in dieser Zeit entwickelt, was hat sich verändert, wo sind noch Aufgaben zu erledigen? Diese Fragen könnten kaum besser zu beantworten sein, als direkt vor der Tür. WV-Redakteurin Marion Neesen hat sich daher mit Ulrich Berger auf den Weg gemacht, um bei einem etwas anderen Stadtrundgang die „Sehenswürdigkeiten einer Amtsperiode“ zu entdecken.

Samstag, 08.08.2020, 17:34 Uhr
Kultur, Freizeit und Erholung sind für Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger wichtige weiche Standortfaktoren. Das Gradierwerk ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Das beliebte Dinner in Weiß konnte hier bereits ausgerichtet werden. Foto: Oliver Schwabe

Wir starten natürlich am Rathaus, und wirklich weit kommen wir nicht. Denn hier drängt sich bereits der Anbau des Verwaltungsgebäudes in den Blick.

Herr Berger, stehen die Sanierung und Erweiterung des Rathauses symbolisch für eine Stadt im Aufwärtstrend?

Ulrich Berger: Salzkotten hat sich seit der kommunalen Neugliederung 1975 in vielen Bereichen sehr positiv entwickelt. Das Rathaus allerdings wurde seitdem nicht grundlegend verändert, sodass es an der Zeit war, das Gebäude zu modernisieren und fit für die Zukunft zu machen. Wir liegen derzeit gut im Zeit- und Kostenplan. Ende des Jahres wird der Ersatzbau fertig sein und dann wird das Altgebäude saniert. Ende 2022 werden alle Verwaltungseinheiten wieder auf dem Marktplatz versammelt und das Rathaus dann zusammen mit der VHS ein offener Anlaufpunkt für die Bürger sein.

Wir setzen unseren Weg Richtung B 1 fort. An der Ecke Marktstraße/Lange Straße grüßen uns freundlich einige Salzkottener, die Taschen voller Bücher schleppen.

Mit dem Neubau des Wohn- und Geschäftshauses, in dem jetzt die Stadtbibliothek untergebracht ist, ist die Stadt neue Wege gegangen und selbst als Bauherrin aufgetreten. War das ein Wagnis oder ein mutiger Schritt, der belohnt wurde?

Berger: Es ist sicherlich unüblich, dass eine Stadt als Investorin und Bauherrin auftritt. In diesem Fall haben sich private Investoren aus verschiedenen Gründen über viele Jahre an diesem prägnanten Standort nicht engagiert. Daher hat die Stadt das Heft in die Hand genommen. Ich bin überzeugt, dass dieses der richtige Schritt war, denn wir haben eine städtebaulich mindergenutzte Fläche entwickelt, ein Gebäude mit ansprechender Architektur errichtet, Frequenz in die Innenstadt gebracht und für unsere Stadtbibliothek tolle Räumlichkeiten in zentraler Lage geschaffen.

Die B 1 können wir kaum überqueren, als wir unseren Stadtrundgang fortsetzen – Stoßstange an Stoßstange stehen die Fahrzeuge.

Auf den Bau der Umgehungsstraße hat die Stadt nur wenig Einfluss. Was aber ist zwischenzeitlich passiert, um die Bürger zu entlasten und auch dem Anspruch des Klimaschutzes gerecht zu werden?

Berger: Eine Umgehungsstraße ist mindestens schon seit Mitte der 1960er Jahre Thema in Salzkotten. Derzeit überarbeitet Straßen.NRW die bisherige Trassenplanung, weil bei der Bürgerversammlung im August 2018 verschiedene Anregungen insbesondere im Bereich der Verner Straße geäußert wurden. Bis zum ersten Spatenstich ist es jedoch noch ein sehr weiter Weg. Wir haben über zwölf Monate an verschiedenen Messpunkten entlang der Langen Straße Luftschadstoffmessungen gemacht. Zu keinem Zeitpunkt wurden die Grenzwerte überschritten. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Aufenthaltsqualität an der B 1, gerade auch nach der Aufhebung des Durchfahrtverbotes für den Schwerlastverkehr, nicht optimal ist. Ich verspreche mir aus dem Mobilitätskonzept weitere Anregungen zur Verbesserung der Verkehrssituation.

Wir haben es schließlich doch ­hinüber geschafft und können auf der anderen Seite einen kurzen Blick in den neu gestalteten Franz-Kleine-Park werfen.

o bleibt eigentlich die Fußgänger- und Fahrradbrücke, die den Bürgern jenseits der Bahnlinie eine gute Verbindung in die City ermöglichen soll?

Berger: Wir haben den Franz-Kleine-Park mit Städtebaufördermitteln optisch aufgewertet und zu einem richtigen Schmuckstück gemacht. Was als i-Tüpfelchen fehlt, ist in der Tat noch die Brücke in Richtung Verner Straße, um auch im nördlichen Bereich einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten. Diese Brücke zu bauen bedeutet jedoch, einige technische Herausforderungen zu meistern. Zwar sind alle Punkte erfüllt, so dass im Frühjahr Baubeginn sein sollte, doch dann kam Corona. Die Brücke wird kommen, bis zum Baubeginn werden wir uns aber noch ein wenig gedulden müssen.

Der Name Franz Kleine stand in Salzkotten lange Zeit auch für Arbeit. Wie haben sich Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Situation entwickelt?

Berger: Unsere Unternehmen haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Rat und Verwaltung können hier nur die Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch aktive Wirtschaftsförderung, die Ausweisung von Gewerbegebieten oder den Ausbau der Breitbandinfrastruktur. Hier haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Bis Mitte März verzeichneten wir Gewerbesteuereinnahmen auf einem Allzeithoch, bevor das Thema Corona auch unsere Unternehmen erreichte. Ich bin aber überzeugt davon, dass unsere Wirtschaft stark genug ist, auch diese Krise zu überwinden.

Unser Stadtrundgang führt uns zur Heder und zum Gradierwerk, das schon einmal Schauplatz des Dinners in Weiß war.

Kultur, Freizeit und Erholung – welche Rolle haben sie in den vergangenen sechs Jahren gespielt?

Berger: Sie sind weiche Standortfaktoren, die sehr wichtig sind. Denn wenn sich die Menschen in einer Stadt wohlfühlen, identifizieren sie sich mit ihr, sind vielleicht ehrenamtlich tätig oder geben ihr Geld vor Ort aus. Um in diesem Bereich professioneller zu werden, haben wir zusammen mit dem Verkehrsverein den Verein Salzkotten Marketing gegründet und unsere Stadtfeste neu entwickelt. Die Besucherzahlen geben uns Recht. Die Konzerte an der Dreckburg sind inzwischen überregional bekannt. Wenn ein Star wie Mark Forster zwei Tage in Salzkotten auftritt und 10.000 Karten innerhalb kürzester Zeit verkauft wurden, spricht das für sich. Das Ganze wird begleitet durch innovative Events wie das Dinner in Weiß, das inzwischen auch in der Umgebung viele Nachahmer gefunden hat.

An der Stadthalle nutzen wir die Chance eines heranrauschenden „Alpakas“ und lösen ein Ticket für den Stadtbus, um auch einen Blick in die Dörfer werfen zu können.

Es ist nicht immer alles rund gelaufen, rund um die Stadtbuslinie. Kann sie trotzdem noch zum großen Erfolg werden?

Berger: Seit einigen Jahren haben wir die fast ideale Situation, dass ein Stadtbus im Stundentakt neun unserer zehn Ortsteile anfährt. Die Fahrgastzahlen könnten allerdings höher sein. Daher war unsere Idee, Stadtbusfahrten für einen Euro anzubieten. Was sich einfach anhört, ist leider nicht einfach umzusetzen, da weitere Akteure bei der Einführung zustimmen müssen. Ich hoffe, dass wir es dennoch schaffen werden, die Tickets als Pilotkommune im innerstädtischen Verkehr verbilligt anbieten zu dürfen, da ich oft höre, dass gerade der Fahrpreis ein Hinderungsgrund für die Nutzung des Stadtbusses ist.

In Verne steigen wir aus. Unser Stadtrundgang soll zwar keine Wallfahrt sein, doch hier gibt es eine Sehenswürdigkeit, die vielleicht beispielhaft für die Lösung so manchen Konfliktes steht.

Verne hat nun endlich eine Begegnungsstätte. Welche Probleme konnten hier und andernorts gelöst werden?

Berger: Verne hat in der Tat über 40 Jahre auf eine Begegnungsstätte gewartet. Aus verschiedenen Gründen, teilweise auch wegen langwieriger gerichtlicher Auseinandersetzungen, mussten zahlreiche Ideen und Pläne immer wieder verworfen werden. Nun hat die Begegnungsstätte einen tollen Standort gefunden. Mit unglaublichem ehrenamtlichen Engagement aus dem Ort und mit finanzieller Beteiligung der Stadt ist hier ein Mittelpunkt für das kulturelle und soziale Leben geschaffen worden.

Auch in Scharmede konnte die langjährige Diskussion über die Zukunft des Fußballsportes durch den Bau des Sportplatzes mit neuem Sportheim beendet werden. Hier hat der Sportverein SC Concordia ebenfalls mit einem großartigen ehrenamtlichen Engagement eine Anlage errichtet, die Maßstäbe setzt. So haben wir in den vergangenen sechs Jahren einige Projekte auf den Weg gebracht, die teilweise Jahrzehnte in Planung waren.

Der Stadtbus bringt uns zurück in die City. Trotz Corona möchten wir uns zur Belohnung ein Stück Kuchen gönnen. Ein Café ist schnell gefunden. Die Stadt ist zur Feierabendzeit gut gefüllt.

Wird das so bleiben? Werden Gastronomie und Einzelhandel Krise und Internet trotzen können? Bieten Politik und Verwaltung Einzelhändlern und Gastronomen die notwendigen Voraussetzungen?

Im neuen Stadthaus ist auch die Stadtbibliothek untergebracht. Foto: Schwabe Berger: Gerade Gastronomie und Einzelhandel sind von Corona besonders betroffen. Durch den wochenlangen Lockdown fehlen die Umsätze, die so schnell auch nicht wieder nachgeholt werden können. Gleichzeitig fehlen die verkaufsoffenen Sonntage, die wichtige Umsatzbringer sind. Hier hat Salzkotten Marketing in den vergangenen Wochen Hilfestellung geleistet, etwa durch die Unterstützung des Projektes „regional genial“, bei dem Einzelhändler und Gastronomen ihre Liefer- und Bringdienste anbieten konnten. Wir sind im ständigen Dialog mit den Einzelhändlern und Gastronomen, um Möglichkeiten auszuloten, sie zu unterstützen. Inwieweit es in diesem Jahr allerdings noch Stadtfeste geben wird, werden die Regelungen in der Corona-Schutzverordnung zeigen. Unser Bestreben muss es sein, dass das, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, um unseren Einzelhandel zu stärken, nicht durch Corona zunichte gemacht wird.

Unser Stadtrundgang der besonderen Art endet dort, wo er begann: am Rathaus, dem Arbeitsplatz des Salzkottener Bürgermeisters.

Warum lohnt es sich, sich auch weiterhin für Salzkotten zu engagieren?

Berger: Salzkotten hat mit den insgesamt zehn Ortsteilen und den 25.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sehr viel zu bieten, hier bei uns wird das Vereinsleben und das Ehrenamt noch großgeschrieben. Daher macht es viel Spaß, sich für Salzkotten zu engagieren. Ich bin jetzt 30 Jahre bei der Stadt Salzkotten in verschiedenen Funktionen tätig und darf seit sechs Jahren Bürgermeister meiner Heimatstadt sein. Wenn ich mir die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten so anschaue, bin ich davon überzeugt, dass Salzkotten für die Zukunft sehr gut aufgestellt ist.

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