Mitglieder der Heimatbühne freuen sich über Auswilderung eines Falken in Salzkotten
Zurück in die Freiheit

Salzkotten-Thüle (WB). Den Abschiedsschmerz hat Wilfried Limpinsel wohl am heftigsten zu spüren bekommen. Mit aller Kraft schlägt der junge Falke seine Kralle in den Unterarm des Vogelschützers und will sich gar nicht von ihm trennen. Zum Abschiedsfoto posiert das prachtvolle Tier noch einmal stolz auf der Faust des Essenthoers. Dann ist es nur noch ein Wimpernschlag und der Greifvogel strebt mit kräftigen Flügelschlägen der Freiheit entgegen.

Sonntag, 05.07.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 06:35 Uhr
Nur ein Wimpernschlag und die Freiheit ist da: Wilfried Limpinsel (links) freute sich über die gelungene Auswilderung des jungen Turmfalken. Michael Strunz (Mitte) hatte das verletzte Tier auf dem Zeltplatz Delle gefunden. Foto: Oliver Schwabe

Limpinsel ist zufrieden. „Wenn ein Vogel so kräftig davonfliegt, ist er gesund und die Auswilderung gelungen“, freut sich Limpinsel trotz des Andenkens, das der Vogel mit seinem Falkenzahn auf seinem Arm hinterlassen hat.

Im Karton zur Auffangstation gebracht

Noch vor knapp sechs Wochen war der etwa einjährige Turmfalke jedoch nur ein Häufchen Elend. Beim Rasenmähen hatte Michael Strunz von der Heimatbühne Thüle das verletzte Tier im Gras hocken gesehen. „Er hatte sich offenbar die linke Schwinge verletzt und konnte nicht mehr fliegen. Ich habe ihn vorsichtig eingefangen, in einen Karton gepackt und direkt zur Auffangstation nach Essentho gebracht“, erinnert sich Strunz an die Vogelrettung im Mai, bei der das Tier nur ein wenig „gemeckert“ habe.

Gefunden hatte der Platzwart der Heimatbühne den Greifvogel auf dem Zeltplatz Delle in der Thüler Feldflur. „Die Heimatbühne hat den Platz 1987 erworben und pflegt ihn seitdem“, erklärt Andreas Syring, stellvertretender Vorsitzender der Theaterleute.

Damals stand an der alten Kiesgrube kein Baum und kein Strauch. Die Heimatbühne hat daraus ein grünes Fleckchen gemacht, das für Treffen und manchmal zum Zelten genutzt wird. An derselben Stelle entließ Limpinsel nun den Falken nach dessen Genesung und vor Publikum wieder in die Freiheit. „Nicht immer können wir die Vögel auch dort wieder auswildern, wo sie gefunden wurden. Aber wenn so viel Engagement dahinter steckt wie hier in Thüle, machen wir das sehr gern“, sagt Wilfried Limpinsel beim Auswilderungstermin.

Zu jung für ein eigenes Revier

Oft fänden die fern ihrer Heimat wieder ausgesetzten Tiere trotzdem zurück in ihr Revier. Das können die Vogelschützer anhand der Beringung nachvollziehen. Der Thüler Falke sei aber noch zu jung gewesen für ein eigenes Revier. Das wird er sich nun rund um Thüle suchen.

Der Turmfalke ist die häufigste Falkenart in Mitteleuropa. Limpinsel sagt sogar, dass er in seinem Bestand den Mäusebussard überholt hat. Michael Strunz hatte auf dem Zeltplatz Delle ein junges Männchen, das deutlich an seinem grauen Kopf und Schwanz erkennbar ist, gefunden. In Essentho hatten die Vogelschützer das Tier wieder aufgepäppelt und in einer der großen Volieren mit ihm das Fliegen trainiert.

„Im Moment betreuen wir etwa 35 Turmfalken, hauptsächlich Jungvögel. Insgesamt sind derzeit 60 bis 70 Vögel bei uns in der Pflege“, berichtet Limpinsels Enkelin Anna Reichel von einer Überbelegung im Vogelkrankenhaus. Daher sind Spenden für den Bau einer neuen Voliere und die Reparatur des Daches stets willkommen.

Finder nehmen lange Anfahrten in Kauf

Ziel sei es immer, die Tiere auch wieder auszuwildern, so Limpinsel. Er stellt positiv fest, dass die Finder eines verletzten Tieres auch lange Anfahrten zur Essenthoer Mühle auf sich nehmen, um so die Vögel zu retten. Aufgrund der Beringung, die auch der Thüler Falke bekommen hat, sind Limpinsel schon Tiere gemeldet worden, die er vor zehn Jahren ausgesetzt hatte. „Wenn man bedenkt, wie viele Nachkommen die genesenen Tiere inzwischen haben, leisten die Finder nicht nur Vogel-, sondern Artenschutz“, lobt Limpinsel.

Seit inzwischen 40 Jahren nimmt sich Wilfried Limpinsel verletzter und kranker Greifvögel und Eulen an. Seit 1980 sind viele tausend Tiere in der Essenthoer Mühle gepflegt und wieder freigelassen worden.

Nachdem der Thüler Turmfalke nach seiner Freilassung direkt durch die Bäume am Rande des Zeltplatzes aus dem Blick der Zuschauer verschwindet, taucht er wie zu einem letzten Abschiedsgruß hoch über dem Platz noch einmal auf. Michael Strunz wird beim Rasenmähen auch weiterhin recht vorsichtig sein, denn vielleicht ist ja schon bald mit Nachkommen zu rechnen.

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