26-Jährige lebt sechs Monate bei den Franziskanerinnen
Im Kloster Freiheit genießen

Salzkotten (WB). Marie-Luice Liebenau ist 26 Jahre alt, hat ihren Bachelor in Geowissenschaften absolviert und eine Lehre als Bäckerin abgeschlossen. Seit Februar lebt die junge Frau für insgesamt sechs Monate bei den Franziskanerinnen Salzkotten. Dort nimmt sie das Angebot „Freiwilliges Ordensjahrs“ wahr.

Dienstag, 09.06.2020, 22:42 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 07:48 Uhr
Marie-Luice Liebenau fühlt sich bei den Franziskanerinnen in Salzkotten „pudelwohl“. Die Geowissenschaftlerin und gelernte Bäckerin hilft im Altenheim St. Clara. Foto: Michael Bodin
Freiwilliges Ordensjahr

Wer den Alltag von Ordensfrauen und -männern mit all seinen Facetten kennenlernen möchte, der kann seit Juli 2019 in Deutschland an einem „Freiwilligen Ordensjahr“ teilnehmen. Das „Freiwillige Ordensjahr“ richtet sich an Menschen, die – ohne die bindende Perspektive eines Eintritts auf Dauer – bis zu einem Jahr in einem Kloster mitleben möchten. „Freiwilliges Ordensjahr“, das heißt: leben, beten, arbeiten und lernen – gemeinsam mit Ordensfrauen oder Ordensmännern unter einem Dach. Dieses „Jahr“ kann auch kürzer sein: Möglich ist ein Klosteraufenthalt ab drei Monaten. Die intensive Zeit im Kloster bietet die Chance, den eigenen Lebensweg zu überdenken und sich neu zu orientieren – unabhängig vom Lebensalter oder der persönlichen Situation. Weitere Informationen gibt es unter: www.ordensjahr.de. Auf dieser Internetseite schreibt Marie-Luice Liebenau seit dem 9. Juni für drei Wochen die Beiträge im Blog.

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„Mich juckt es noch immer in den Fingern, wenn es ums Backen geht“, sagt sie und bietet selbst gebackene Plätzchen auf einem Teller an. Bei den Franziskanerinnen musste sie nicht lange darum bitten, Küche und Ofen nutzen zu dürfen. Ihr frisches Gebäck kommt bei den Schwestern und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altenheims St. Clara gut an. Aber ihr Ziel war es nicht, als Bäckerin im Kloster zu arbeiten. „Dann hätte ich nach einer Gemeinschaft mit einer Klosterbäckerei gesucht“, erklärt sie. Ihr besonderes Interesse galt der franziskanischen Spiritualität und den karitativ tätigen Orden. „Bei den Franziskanerinnen Salzkotten fühle ich mich pudelwohl“, erzählt sie freudig. Über die Deutsche Ordensobernkonferenz hatte sie sich zu drei Ordensgemeinschaften, die ein „Freiwilliges Ordensjahr“ anbieten, näher informiert und dann für die Schwestern in Salzkotten entschieden.

„Ich wurde hier sofort sehr herzlich und liebevoll aufgenommen“, berichtet sie. Noch bis August teilt sie den Tagesablauf und die Lebensweise der Schwestern. Ihr Tag beginnt um 6.45 Uhr mit der Laudes, dem Morgengebet, an das sich um 7.15 Uhr die Feier der heiligen Messe anschließt. Dann gibt es ein gemeinsames Frühstück und um 9 Uhr beginnt ihr Dienst im Altenheim St. Clara. „Ich bin dort als Hilfe in der Alltagsbegleitung der Bewohnerinnen und Bewohner eingesetzt“, erzählt Marie-Luice Liebenau. Sie unterstützt die Senioren bei den Mahlzeiten, geht mit ihnen in den Garten oder ist beim gemeinsamen Singen und bei Gesellschaftsspielen dabei. Der Dienst mit den alten Menschen macht ihr so viel Freude, dass sie den Plan, nach den Monaten im Kloster ein Masterstudium der Geowissenschaften aufzunehmen, gerade ändert: „Ich würde gerne noch Sozialarbeit studieren und damit später in der Altenhilfe arbeiten.“

Die Zeit im „Freiwilligen Ordensjahr“ ist für sie auch eine Gelegenheit, sich über solche Ziele klarer zu werden. Als eine Art Vorstufe zum Ordenseintritt möchte Marie-Luice Liebenau ihre Zeit im Mutterhaus der Franziskanerinnen nicht sehen und dafür sei das Angebot auch nicht gedacht. „Leider wird das von vielen Menschen missverstanden“, erklärt sie. So hätte auch ihre Familie zunächst recht irritiert reagiert. Es gehe aber vielmehr um Erfahrungen und gegenseitiges Lernen, ähnlich dem Angebot für junge Menschen, als Missionar auf Zeit ins Ausland zu gehen. Für Marie-Luice Liebenau, die erst Ostern 2019 in die katholische Kirche eingetreten ist, zählt das Stundengebet zu diesen wichtigen Erfahrungen. „Das möchte ich möglichst auch nach der Zeit hier beibehalten“, sagt sie. Die Erfahrung, zweimal am Tag für eine halbe Stunde Ruhe in Gott zu finden, tue ihr gut: „Ich komme dann raus aus dem Alltag und kann mit neuer Energie weitermachen.“ Kraft gebe ihr auch die Anbetung, die zum Gründungsauftrag der Franziskanerinnen Salzkotten gehört. „Es ist ein großes Geschenk, dass ich hier Tag und Nacht zur Anbetung gehen kann“, erzählt sie. Die eucharistische Anbetung habe sie schon im Glaubenskurs kennengelernt, mit dem sie sich auf ihre Erstkommunion und Firmung vorbereitete. Obwohl der Rhythmus des Klosters ihren Tagesablauf derzeit weitgehend bestimmt, fühlt sich Marie-Luice Liebenau sehr frei: „Ich habe hier die Freiheit und die Zeit, meinen Glauben zu leben und fühle mich von den Schwestern sehr angenommen.“

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