Salzkottener Erdbeerbauer Simon Weilandt lobt Erntehelfer-Regelung „Gut gemacht“

Salzkotten (WB). Noch vor zwei Wochen hätte Simon Weilandt nicht darauf gewettet, dass sein Familienbetrieb in Salzkotten auch im kommenden Jahr noch Erdbeeren und andere Früchte anbieten kann. Denn ohne Erntehelfer, die – Stand damals – wegen der Corona-Krise nicht aus dem Ausland einreisen durften, hätte die Insolvenz gedroht. Jetzt allerdings schaut Weilandt, der stellvertretender Vorsitzender im Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe ist, schon wieder deutlich optimistischer in die Zukunft. Und er sagt: „Das hat die Politik mal wirklich gut gemacht.“

Von Hanne Hagelgans
Nach sorgenvollen Tagen geht Simon Weilandt, der Erdbeeren, Himbeeren und weitere Obstsorten anbaut, nun doch optimistisch in die Erntezeit. Denn mittlerweile ist entschieden, dass unter bestimmten Voraussetzungen Erntehelfer einreisen dürfen.
Nach sorgenvollen Tagen geht Simon Weilandt, der Erdbeeren, Himbeeren und weitere Obstsorten anbaut, nun doch optimistisch in die Erntezeit. Denn mittlerweile ist entschieden, dass unter bestimmten Voraussetzungen Erntehelfer einreisen dürfen. Foto: Hanne Hagelgans

Landwirtschafts- und Innenministerium haben sich darauf geeinigt, unter bestimmten Bedingungen nun doch im April und Mai jeweils 40.000 Erntehelfer aus dem Ausland einreisen zu lassen. Damit, so erwartet Simon Weilandt, werde er in diesem Jahr nicht ganz so viele helfende Hände haben wie sonst und wie eigentlich nötig wären, aber wohl doch seine Erdbeerernte einbringen können. Im April, rechnet er vor, würden in der heimischen Landwirtschaft etwa 45.000 Erntehelfer gebraucht. Im Mai, wenn die Spargel- und Erdbeerernte auf dem Höhepunkt ist, seien es dann sogar 85.000. Bedenke man, dass etwa 20.000 ausländische Arbeiter bereits jetzt in Deutschland seien, bleibe allerdings immer noch eine Lücke von 30.000 Personen. Positiv für die Landwirte sei aber die Entscheidung, den Erntehelfern in diesem so außergewöhnlichen Jahr den Aufenthalt nicht nur für drei, sondern für fünf Monate zu gestatten.

Betriebe müssen eigene Flüge chartern

Die meisten seiner Erntehelfer, berichtet Weilandt, kämen schon seit mehreren Jahren nicht mehr aus Polen, wo sich die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Menschen deutlich verbessert hätten, sondern aus Rumänien. Anders als sonst gewohnt dürften die Helfer diesmal aber nicht mit dem Bus anreisen. Statt dessen müssten die Betriebe eigene Flüge chartern, mit denen sie ins Land gebracht werden. Der Deutsche Bauernverband habe die Organisation dieser Flüge übernommen.

An den Zielflughäfen werden die Helfer zunächst auf mögliche Corona-Symptome untersucht und kommen dann in eine 14-tägige Quarantäne. „Während dieser Zeit dürfen sie schon arbeiten, müssen aber unter sich bleiben und separat untergebracht werden“, weiß Simon Weilandt.

Und auch wenn die Zeit der Quarantäne vorbei ist, dürfen die Unterkünfte der Menschen nur mit der Hälfte der in normalen Jahren zulässigen Personenzahl belegt werden, damit der notwendige Abstand eingehalten werden kann. Auch an die Hygiene gebe es besonders hohe Anforderungen.

Arbeiter aus Rumänien bringen Erfahrung mit

Der Salzkottener Unternehmer sieht indes für sich keine Schwierigkeiten, alle Vorgaben zu erfüllen – er ist vor allem froh darüber, dass er (wenigstens zum ganz überwiegenden Teil) nun wohl doch auch in diesem Jahr auf seine bewährten Mitarbeiter aus Rumänien bauen kann. Viele der Arbeiter, erzählt er, kämen schon seit Jahrzehnten zur Ernte nach Salzkotten: „Die haben viel Erfahrung, denken mit und wissen genau, wie alles abläuft – das sind echte Fachkräfte.“ Keinesfalls, so seine Einschätzung, hätten Einheimische, die sich spontan zum Helfen in der Landwirtschaft melden, sie ersetzen können.

50 bis 60 Interessierte haben sich gemeldet

Dennoch hat sich auch Simon Weilandt mit seinem Betrieb der Aktion „Das Land hilft“ angeschlossen, über die sich Interessierte und Betriebe finden können. „Ich sehe das mit einem vorsichtigen Fragezeichen und eher als Ergänzung“, sagt der Salzkottener. Immerhin hätten sich schon 50 bis 60 Interessierte bei ihm gemeldet.

Was der Sommer geschäftlich bringen wird, kann der Unternehmer trotz der jetzigen guten Nachrichten nicht einschätzen. Viele Menschen hätten durch Kurzarbeit und Firmenpleiten weniger Geld in der Tasche: „Das gibt man dann vielleicht nicht unbedingt für ein relatives Luxusgut wie Erdbeeren oder Spargel aus“, überlegt er. Andererseits müssten viele Menschen in diesem Jahr schon auf Schönes wie den Urlaub oder das Schützenfest verzichten – und würden sich dann vielleicht zum Ausgleich eher etwas Leckeres gönnen.

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