Kritik an Plänen zur Erweiterung der Grundschule Thüle
Grüne, FDP und Linke fordern Neustart

Thüle (WB). Auf Konfrontationskurs gehen drei der vier Oppositionsparteien im Salzkottener Stadtrat gleich zu Beginn der kommunalpolitischen Arbeit im neuen Jahr. Mit den Erweiterungsplänen für die Offene Ganztagsschule in Thüle sind FDP, Grüne und Linke nicht einverstanden. Gleichzeitig üben sie scharfe Kritik an der Verwaltung.

Donnerstag, 09.01.2020, 22:01 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 07:24 Uhr
In der Grundschule Thüle soll künftig eine Offene Ganztagsbetreuung angeboten werden, für die weiterer Platz benötigt wird. FDP, Grüne und Linke bemängeln die aktuell vorliegenden Planungen und fordern einen Neustart. Foto: Jörn Hannemann

Für die Sitzung des Schul-, Familien- und Sozialausschusses am Montag (18 Uhr Ratssaal) fordern sie einen Neustart der Planungen.

Um am Schulstandort Thüle eine Offene Ganztagsbetreuung anbieten zu können,

wird mehr Platz benötigt. Im Haushaltsplan 2020 sind für die Erweiterung rund 600.000 Euro bereitgestellt, für 2021 noch einmal etwa 146.000 Euro. Die Schulkonferenz hat sich einstimmig für die Renovierung des Kellers der Grundschule in einem ersten Bauabschnitt und einen Anbau in einem zweiten Schritt ausgesprochen.

Ein Spiel mit „gezinkten Karten“ wirft FDP-Fraktionschef Christoph Sonntag Bürgermeister Ulrich Berger und der Verwaltung vor. Sie hätten der OGS, der Grundschule und dem Ausschuss eine nicht umsetzbare Alternative im Dachgeschoss der Grundschule präsentiert. „Damit konnte man sich bislang zwangsläufig nur für die von der Verwaltung präferierte Anbauvariante entscheiden. Die Verwaltung hat weder die Beteiligten noch die Dorfgemeinschaft in die Planungen und Entscheidungsprozesse angemessen eingebunden“, kritisiert Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung der drei Fraktionen.

„Die Art und Weise, wie hier die Stadtverwaltung im Schulterschluss mit der CDU-Mehrheit erneut im stillen Kämmerlein Tatsachen schafft und unnötiger Zeitdruck erzeugt wird, ist bei uns leider traurige Tradition. Spätestens seit dem letzten Jahr wissen wir, dass die Lage bei den vom Ehrenamt getragenen Offenen Ganztagsschulen angespannt ist und man sich dort mehr Unterstützung wünscht. Vor diesem Hintergrund sind derartige Alleingänge erst recht unverständlich“, schließt sich Marc Svensson, Fraktionsvorsitzender der Grünen, an.

Nach den derzeit vorliegenden Plänen sollen zunächst zusätzliche Räume im Keller bis August nutzbar gemacht und der OGS dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Nach den Sommerferien 2021 soll der Anbau bezugsfertig sein, so dass 100 Schüler in der OGS betreut werden können. Grünen-Chef Svensson hält das Raumangebot im geplanten Anbau schon jetzt für „sehr knapp“ bemessen, da in jedem Jahr mit einem Zuwachs von drei Prozent in der OGS zu rechnen sei. Paul Weitkamp (Linke) findet den vorliegenden Entwurf „sehr altmodisch und unzulänglich“. Ein Neustart gebe die Chance, den baulichen Rahmen zu schaffen, für ein ansprechendes, professionelles und pädagogisches Konzept. Außerdem bemängelt er, dass die von der Dorfgemeinschaft geschaffenen Räumlichkeiten im Haus der Zukunft weitestgehend „entwertet“ würden. Das sei nicht akzeptabel und für alle Beteiligten keine sinnvolle Lösung. Die drei Fraktionen beantragen unter anderem ein multifunktional ausgelegtes Raumkonzept mit Bewegungs- und Rückzugsbereichen sowie Büro- und Sozialräumen für die Betreuenden und eine vollwertige Küche mit ausreichendem Speiseraum.

Die SPD im Salzkottener Stadtrat kann die Kritik ihrer Fraktionskollegen indes nicht teilen. „Wir sehen keine Notwendigkeit, den gemeinsamen Antrag der FDP, der Linken und der Grünen zu unterstützen“, sagte Fraktionschef Michael Sprink gegenüber dieser Zeitung, „wir haben den Eindruck dass in Thüle eine vernünftige Lösung für die Schule, den Betreuungsverein und andere Nutzer gefunden wurde.“ Michael Sprink sieht im neuen Anbau 100 Schüler gut untergebracht und hält eine Alternative für nicht notwendig. Den gemeinsamen Antrag der drei Fraktionen hält er für „Wahlkampfgetöse“. „Aus unserer Sicht ist die Planung für die nächsten Jahre ausreichend und ein vernünftiges Angebot für den Schulstandort Thüle“, so Sprink.

Das sagt die Verwaltung

Bürgermeister Ulrich Berger und Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier verweisen auf WV-Anfrage auf etliche Gespräche, die mit den Nutzern des Hauses wie Spielmannszug, Musikverein und Heimatverein sowie der Schulleitung und der OGS geführt worden seien. Die Herrichtung des Dachgeschosses sei nicht nur aufgrund statischer Anforderungen nicht möglich. Auch sei im Ort die Idee, ein neues Vereinsheim mit Unterstützung der Stadt zu bauen, nicht angenommen worden.

Nachdem am 5. Dezember abschließend zunächst mit allen Beteiligten die Pläne noch einmal erläutert worden seien, habe die Schulkonferenz am 11. Dezember schließlich der jetzt anvisierten Lösung zugestimmt. In den Weihnachtsferien seien noch einmal im Dorf neue Ideen aufgetaucht wie etwa die einer Verlängerung des bestehenden Gebäudes statt eines versetzten Anbaus. „Dadurch wäre der angrenzende Bolzplatz deutlich verkleinert worden, der Spielmannszug hätte keinen Eingang und auch keine Fenster mehr gehabt“, erläutert Berger, dass auch dies mit den Betroffenen besprochen worden sei. „Wir haben immer dann mit den Betroffenen gesprochen, wenn eine Betroffenheit gegeben war“, hält Berger den Vorwürfen der Fraktionen entgegen. Schließlich sei noch einmal am Montag mit den Jugendlichen gesprochen worden, die Räume im Keller nutzen. Ihnen sei die Entscheidung überlassen worden, ob sie dies weiter tun oder in den Anbau umziehen wollen. Ebenso sei das Raumkonzept für 100 Schüler mit den OGS-Betreibern abgestimmt worden, verweist Berger auf zahlreich geführte Gespräche.

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