Apfelfest auf dem Vauß-Hof lockt etwa 8000 Besucher nach Scharmede »Aus Versehen« nochmal gewachsen

Salzkotten (WB). Gerettetes Brot, buntes Geschirr und ein Kompostklo – das Apfelfest ist »irgendwie anders«, sagt Anja Pötting. Und gerade das macht es offenbar aus. Tausende Besucher eroberten auch am vergangenen Wochenende wieder den Vauß-Hof in Scharmede, um bei der sechsten Auflage des zweitägigen Festes zu entdecken, zu genießen und zu stöbern.

Von Marion Neesen
Zum Apfelfest auf dem Vauß-Hof gehören natürlich Äpfel. Die neunjährige Salome liebt Äpfel. Vermutlich weil ein guter Freund der Familie zu ihrer Geburt einen Apfelkuchen gebacken hat, meint Salome.
Zum Apfelfest auf dem Vauß-Hof gehören natürlich Äpfel. Die neunjährige Salome liebt Äpfel. Vermutlich weil ein guter Freund der Familie zu ihrer Geburt einen Apfelkuchen gebacken hat, meint Salome. Foto: Marion Neesen

Das Apfelfest ist noch einmal gewachsen – »aus Versehen«, meint Anja Pötting. Denn zu Beginn des Jahres hatten einige Aussteller abgesagt, doch in den vergangenen zwei Monaten sich umso mehr wieder angemeldet. Die Angebote mit Kunsthandwerkermarkt, Apfelpresse, Kutschfahrten und Verköstigung summierten sich auf dem Hofgelände und auf der Wiese auf insgesamt 70 Stände. Im vergangenen Jahr waren es noch 50 gewesen. Sogar aus dem Elsass hatte ein Aussteller den Weg nach Scharmede gefunden. 40 Helfer sind inzwischen für den reibungslosen Ablauf nötig.

»Unser Apfelfest spricht sich so langsam rum«, möchte Anja Pötting es aber wegen der gemütlichen Atmosphäre und der besonderen Stimmung dennoch nicht endlos wachsen lassen. Allmählich kommt die große Wiese auch an ihre Kapazitätsgrenze. Dort, ebenso wie in den Scheunen und auf der Deele, gab es allerlei selbst Hergestelltes wie Dekoratives aus Beton und Treibholz, Gehäkeltes, Gestricktes und Genähtes, Schmuck, Seifen, Floristik, Holzarbeiten und vieles mehr. Für eine Neuheit sorgte die Familie Werning aus Bentfeld mit ihren lebenden Weihnachtsbäumen. Daniels Topftannen sollen »den alljährlichen Baummüll vermeiden«, sagt Daniel Werning. Für 50 Euro können die Bäume im Topf für das Weihnachtsfest gemietet werden. Daniel Werning bringt sie im Umkreis von 20 Kilometern zu seinen Kunden und sammelt sie später auch wieder ein.

Weihnachtsbäume mieten und wiederverwenden

»Theoretisch können die Kunden jedes Jahr ihren Baum erneut mieten, bis er irgendwann nicht mehr in die Wohnung passt«, so Werning. Er lebt mit seiner Familie auf einem Resthof in Bentfeld und kümmert sich um die Tannen; solange, bis sie irgendwann zur Aufforstung verkauft werden. »Jedes Jahr zu Weihnachten kaufen die Leute für 20, 30 Euro Tannen, die nach dem Fest weggeworfen werden«, erklärt Bozena Werning, dass die Idee der Weihnachtsbaumvermietung aus dem Naturschutzgedanken erwachsen ist. Auch die Organisatoren des Apfelfestes legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und den Umweltschutz. »Wir haben den Müll auf ein absolutes Minimum reduziert«, sagt Anja Pötting. Für Speisen und Getränke wird ein buntes Sammelsurium an Geschirr verwendet, das aus Haushaltsauflösungen stammt oder sonst weggeworfen worden wäre, um somit Plastik zu vermeiden. Weggeworfen worden wäre auch so manches Brot aus der Überproduktion in Salzkottener Bäckereien. Als Sharingfood fand es beim Apfelfest seine Abnehmer. Und natürlich das Kompostklo: In ein paar Wochen kann das letzte Geschäft auf dem Acker noch einen guten Zweck erfüllen.

Großes Kulturprogramm gehört dazu

Ebenso wie das Apfelfest wächst auch das begleitende Kulturprogramm aus Weltmusik, Gauklern, Blasmusik, Gesang, Afro-Acoustic, Tanz und vielem mehr. Viele Besucher nutzten auch die Hofführungen mit Marius Pötting, um sich über Biowirtschaft und Nachhaltigkeit zu informieren. Für kleine Festbesucher gab es wieder reichlich Gelegenheit, Natur zu erleben; ob beim Toben in den Heuballen, beim Streicheln der Pferde, beim Nüsse knacken oder einfach beim Stockbrotbraten über dem offenen Feuer. Vom schlechten Wetter am Sonntag ließ sich niemand beeindrucken. Gummistiefel und Regenschirme prägten einfach das Bild. Insgesamt kamen zwischen 7000 und 8000 Besucher.

»Ja, ich denke, dass wir das im nächsten Jahr wieder machen«, freut sich Anja Pötting über so viele zufriedene und fröhliche Gesichter auf dem Hof der Familie.

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