LWL prüft Denkmalwürdigkeit historischer Anlage in Niederntudorf
Lauhof droht Abriss

Niederntudorf (WB). Der Lauhof in Niederntudorf ist eine der geschichtsträchtigsten und eindrucksvollsten Hofstellen des Ortes. So sieht es jedenfalls die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB), eine bundesweit tätige Vereinigung zur Erhaltung historischer Baukultur. Der Hofanlage im Ortskern droht nun aber der Abriss.

Sonntag, 01.09.2019, 11:08 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 11:10 Uhr
Der Lauhof, oder auch Lohhof, an der Ortsdurchfahrt in Niederntudorf findet seine erste Erwähnung nach Informationen der Interessengemeinschaft Bauernhaus bereits im Jahr 1452 im Böddeker Kopiar. Ob die heutigen Gebäude denkmalwürdig sind, prüft derzeit die LWL-Denkmalbehörde in Münster. Sollte dies der Fall sein, muss die Stadt Salzkotten als Untere Denkmalbehörde den Hof unter Schutz stellen. Derzeit liegt der Stadt eine Bauvoranfrage für vier Einfamilienhäuser vor.

Wie Elmar Kämper, Vertreter der IgB-Paderborn, erfahren hat, ist der Lauhof, auch Lohhof genannt, an der Ortsdurchfahrt gegenüber der Sparkasse verkauft worden. Ludwig Bewermeier, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung bei der Stadt Salzkotten, bestätigt, dass der Stadt eine bereits genehmigte Bauvoranfrage für das Grundstück am Lohweg vorliegt. Hier sollen vier Einfamilienhäuser entstehen. Wolfgang Riesner, IgB-Landesbeauftragter, und Elmar Kämper wollen nun um die Erhaltung der Hofanlage kämpfen und haben sich mit einem Schreiben an die LWL-Denkmalpflege gewandt. Sie soll die Denkmalwürdigkeit des Lauhofes prüfen.

Ehemaliger Lehnshof

»Als ehemaliger Lehnshof des Augustiner-Klosters Böddeken und Gerichtshof hatte der Lauhof eine herausragende Stellung, die auch in diversen Chroniken belegt ist«, sagen Kämper und Riesner. Einen Hinweis auf den Hof, der auch die Beinamen Hiebeln, Hibbeln und Hieweln trägt, gebe es bereits für das Jahr 1452 im Böddeker Kopiar, einer Übersicht über den Grundbesitz des Klosters Böddeken. Einen weiteren Hinweis auf den Lohhof trägt nach der Recherche Kämpers, der staatlich geprüfter Baudenkmalpfleger ist, die Nepomukfigur an der Almebrücke in Niederntudorf. Sie ist offenbar eine Stiftung der Westerloher Henrikus Georgius Hilner und Anna Maria Ehler zum Dank für den Erwerb des Lohhofes im Juli 1799.

Belegt sei auch, dass Friedrich Grieffers zu Graffen den Hof 1862 verkauft hat. Bis 1980 war die Hofanlage in Besitz der Familie Lüke, letzte Eigentümerin war die Familie Foik. Das gesamte Grundstück umfasst fast 2000 Quadratmeter. Darauf befinden sich mehrere Gebäude, die vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammen; unter anderem das Haupthaus, ein Stallanbau, eine Fachwerkscheune und eine Fachwerkremise. Eine stattliche Hoflinde füllt den Raum zwischen den Gebäuden. »Der Gesamtzustand der Gebäude ist augenscheinlich gut«, meinen Kämper und Riesner. Es habe keine nennenswerten Schäden durch Regenwasser gegeben. Die gesamte Hofanlage sei weitgehend unverbaut. Aus ihrer Sicht sprechen wissenschaftliche und ortsgeschichtliche Gründe für eine Schutzwürdigkeit.

Prüfungsergebnis wird im Herbst erwartet

Für das Bundesgolddorf Niederntudorf wäre der Abriss ein weiterer Verlust ortsbildprägender Bausubstanz, meint die Interessengemeinschaft Bauernhaus. Der geplante Ersatz durch vier Einfamilienhäuser wäre aus ihrer Sicht städtebaulich katastrophal. »Ein Verlust der Originalgebäude des Lohhofes, der auch Namensgeber der Straße ist, käme einer Zerstörung des historischen Ortskerns gleich«, schreibt der IgB-Landesbeauftragte an die Denkmalbehörde in Münster.

Das Amt für Denkmalpflege in Münster hat bestätigt, dass derzeit eine Prüfung der Denkmalwürdigkeit des Lauhofes erfolgt. »Bis zu den Herbstferien kann die Prüfung aber noch dauern«, sagt LWL-Sprecher Markus Fischer.

Nach Auskunft Bewermeiers hätten weder die Stadt noch Verkäufer und Käufer von der historischen Bedeutung des Lohhofes gewusst. Ortstermine mit der Oberen Denkmalbehörde und dem Eigentümer hätten in Niederntudorf inzwischen stattgefunden. »Die Denkmalwürdigkeit wird derzeit geprüft. Das müssen wir jetzt abwarten. Sollte sie vorliegen, müssen wir sehen wie wir als Stadt damit umgehen«, sagt Bewermeier. Gegenüber dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT wollte sich der mutmaßliche Käufer der Hofanlage nicht äußern

Kommentare

johannes schmainta  wrote: 02.09.2019 10:30
Bitte nicht!!!
Bitte nicht abreißen!!!
Sowas gehört auch zu unserer Kultur!!!!
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6889997?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851069%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker