Großes Fest zum 200. Geburtstag der Mühle Schäfermeier am Pfingstwochenende
Wo der Müller auch das Licht anknipste

Salzkotten (WB). Warum niemand sein Licht unter den Scheffel stellen sollte, weiß Michael Schimmig ziemlich genau: »Dann sieht man nämlich nicht, was drin ist.« Und das wäre für einen Müller schlecht gewesen. Denn das Getreide im Scheffel war sein Lohn für das Mahlen des Korns.

Montag, 03.06.2019, 22:45 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 23:00 Uhr
Der Scheffel, den Michael Schimmig zeigt, spielte im Alltag des Müllers eine besondere Rolle. In diesem alten Raummaß wurden Schüttgüter gemessen. In Schäfermeiers Mühle sind auch die alten Maschinen noch voll funktionsfähig. Foto: Jörn Hannemann

Michael Schimmig kennt so manche Anekdote rund um die Wassermühle Schäfermeier in Verne, weiß aber noch viel mehr über ihre außergewöhnliche Technik, ihre Rolle als Pionierin in der Stromerzeugung und ihre wechselvolle Geschichte. Und die ist mit 200 Jahren ganz schön lang. Am kommenden Pfingstwochenende feiert der Förderverein für historische Bauten und Bauwerke Salzkotten den 200. Geburtstag der Wassermühle Schäfermeier.

Schäfermeiers Mühle: Großes Fest zum 200-jährigen Bestehen

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Foto: Jörn Hannemann
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Michael Schimmig ist eigentlich gelernter Werkzeugmacher. Doch inzwischen gäbe er wohl auch den perfekten Müller ab. Während seiner Führungen durch das Baudenkmal (seit 2009) lässt er keine Fragen unbeantwortet, kann die ausgefeilte Technik ebenso gut erklären wie er nicht ohne Stolz von der Zeit berichtet, als die Mühle das Licht in die Verner Wallfahrtskirche und die Häuser brachte. Denn in Schäfermeiers Mühle wurde nicht nur gemahlen und Holz gesägt. Hier stand auch der erste Gleichstromgenerator weit und breit.

In der Mühle liefen über vier Ebenen vier verschiedene Prozesse unter einem Dach ab. Das Wasserrad trieb den Gleichstromgenerator oder das Horizontalsägegatter an, eine Turbine den Mahlgang für Brotmehl mit Reinigung oder die Mahlsteine für die Schrotherstellung. »Das musste ich alles erst lernen, aber es ist mir auch eine Herzensangelegenheit«, sagt der 70-jährige Michael Schimmig.

Seit zehn Jahren gehört die Wassermühle dem Verein für historische Bauten und Bauwerke Salzkotten. Der letzte Müller ist 2004 gestorben. Leider hatte er zuvor auch schon die Wasserrechte abgegeben, so dass ein Betrieb heute schwierig ist.

»Als wir die Mühle das erste Mal betraten, sah es so aus, als hätte der Müller sie gerade erst verlassen«, erinnert sich Schimmig. Seitdem gibt es immer etwas zu tun. Von der Ausbesserung des Dachs bis zur Restaurierung des Horizontalsägegatters.

Die gesamte Technik funktioniert noch einwandfrei.

Michael Schimmig

»Die gesamte Technik funktioniert noch einwandfrei«, versichert Schimmig und demonstriert gern den Mahlvorgang. Die Maschinen sind um die 100 Jahre alt, sie heißen Aspirateur oder Trieur. Sie säubern, sieben, schütteln, schälen und mahlen. Das alles ermöglicht die Kraft des Wassers. Wenn Schimmig die Schleuse öffnet treiben 1000 Liter Hederwasser in der Sekunde die Franzisturbine an, so dass auch die letzte Maschine im oberstes Geschoss arbeiten kann.

Die Mühlenfreunde haben in den vergangenen zehn Jahren unzählige Stunden der Freizeit in das Gebäude gesteckt. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken: sei es eine alte Wandleuchte aus der Wallfahrtskirche, eine Nähmaschine oder eine Wäschemangel. Nach dem Abriss des Verner Pfarrheims ist ein kleines Heimatmuseum in der Wassermühle entstanden. Aufgrund vieler einzigartiger technischer Merkmale ist die Mühle gleichzeitig von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Die Krönung eines jeden Besuchs ist der Blick vom Aussichtsturm auf die benachbarte Verna Burg und ins weite Umland.

Doch fertig werde man wohl nie, mit den Arbeiten in der alten Mühle, meint Schimmig. Ob sie noch für weitere Generationen erhalten werden kann, wie es das Ziel des Fördervereins ist, vermag er nicht zu beantworten. »An der Bausubstanz liegt es nicht, die Wände sind 60 Zentimeter dick«, meint Schimmig, dass der Zahn der Zeit wohl noch viel zu nagen hätte. Doch mehr Hände könnten die Mühlenfreunde gebrauchen. »Unser großer Wunsch ist außerdem, dass sie wieder ein Wasserrad bekommt«, sagt Schimmig. Am Wochenende wird aber nun erst einmal gefeiert.

Das Programm zum Geburtstagsfest

Am Pfingstsamstag, 8. Juni, beginnt das Geburtstagsprogramm an Schäfermeiers Mühle (Mühlendamm 33 in Verne) um 11 Uhr mit einem musikalischen Auftakt des Verner Musikvereins. Um 11.15 Uhr wird der Vorsitzende des Fördervereins die Gäste begrüßen, gegen 12.15 Uhr wird es eine Laudation unter dem Gesichtspunkt »Vom Mehl zum Museum« geben.

Im anschließenden Programm rund um die Mühle sind Auftritte des Musikvereins Verne und des Jugendorchesters, der Jazztanzgruppen, der Karnevalsgruppe mit Max Schröfel und des Tambourkorps vorgesehen. Um 16 Uhr spielen Rockin’ Chair auf. Mit dabei sind auch die Treckerfreunde Salzkotten, es gibt Kutschfahrten mit dem Norikergestüt Borkenhagen sowie einen Ballonwettbewerb, Hütten mit Ausstellern und eine Hüpfburg sowie Kinderschminken und ein Fußballfeld. Der Förderverein für historische Bauten und Bauwerke freut sich noch über Kuchenspenden.

Am Pfingstmontag, 10. Juni, ist die Verner Mühle dann von 10 bis 18 Uhr während des Deutschen Mühlentages geöffnet.

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