Heimatverein Niederntudorf würdigt Komponist Alfred Rose in einer Ausstellung
Ein fast vergessenes Schicksal

Salzkotten (WB/eb). Jakob Loewenberg und Alfred Rose waren Vettern. Beide waren Juden, beide wurden in Niederntudorf geboren und beide haben Geschichte geschrieben. Während die Lebensgeschichte des Schriftstellers, Pädagogen und Schulleiters Jakob Loewenberg bereits 1993 aufgearbeitet wurde, geriet die des Komponisten, Musikpädagogen und Chordirigenten Al­fred Rose in Vergessenheit. Das hat der Heimatverein Niederntudorf jetzt geändert.

Mittwoch, 06.03.2019, 13:29 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 14:26 Uhr
Franz Laustör, die stellvertretende Vereinsvorsitzende Christiane Rensing, Schriftführer Rudolf Thillmann und Peter Frielingsdorf (von links) präsentieren die historischen Ausgaben der Klavierschule. Foto: Hans Büttner

Nach einer zweijährigen Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Alfred Rose zeigt der Heimatverein Niederntudorf anlässlich des 100. Todestages des Komponisten am Sonntag, 31. März, im Heimathaus eine Ausstellung.

Auf Spuren von Alfred Rose, der am 9. November 1855 in Niederntudorf geboren wurde, war der Heimatforscher Winfried Kempf Anfang der 1990er Jahre bei seinen Recherchen zur Lebensgeschichte von Jakob Loewenberg gestoßen. Auch der verstorbene Rektor und Ortsheimatpfleger Wilhelm Finke und sein Niederntudorfer Lehrerkollege Peter Frielingsdorf waren bei Nachforschungen über Loewenberg auf Alfred Rose aufmerksam geworden.

So wurde 1993 im Rahmen einer Versammlung des Heimatvereins die Frage erörtert, ob man eine Straße nach Alfred Rose benennen sollte. Die heutige Förster-Blanke-Straße bot sich als Abzweig der D. Loewenberg-Straße damals an. Doch die Befürworter konnten zu dieser Zeit ihr Ziel nicht erreichen.

Auf dem jüdischen Friedhof in Niederntudorf sind die Eltern Alfred Roses beigesetzt worden.

Auf dem jüdischen Friedhof in Niederntudorf sind die Eltern Alfred Roses beigesetzt worden. Foto: Hans Büttner

Mit dem Näherkommen des 100. Todestages von Alfred Rose, der am 1. April 1919 in Hannover verstarb, hat es sich der Heimatverein zur Aufgabe gesetzt, Alfred Rose zu gedenken. Insbesondere Heimatvereinsmitglied Peter Frielingsdorf hat sich hier besonders engagiert und zwei Jahre lang intensiv geforscht.

So konnten neue Materialien zu Alfred Rose erarbeitet werden, darunter auch das ungewöhnliche Schicksal der Klavierschule, Roses Beitrag zur Erneuerung der Synagogenmusik und die Rezeptionsgeschichte seines Werkes.

Besonders als Verfasser der in ganz Deutschland verbreiteten Klavierschule, die noch heute im Fachhandel erhältlich ist, machte sich Alfred Rose einen Namen. Höhe der Auflage vor dem Zweiten Weltkrieg soweit bekannt: 388.000 Stück. Herausragend sind ebenfalls die synagogalen Kompositionen »Schite Jaakow« (Chorgesänge und Kantorrezitative, mit und ohne Orgelbegleitung.

Bei seinen Nachforschungen fand Peter Frielingsdorf auch heraus, dass in den Ausgaben nach dem Krieg der Name Alfred Rose komplett unterschlagen und auch, bis auf minimale Übungsstücke und Lieder aus der Klavierschule, verschwunden ist.

Während die Grabstätten seiner Eltern noch heute auf dem Jüdischen Friedhof in Niederntudorf zu finden sind, ist das Grab von Alfred Rose in Hannover zerstört. Es wurde von einer Weltkriegsbombe getroffen.

Von 13 Uhr an kann die Ausstellung im Obergeschoss des Heimathaus Spissen am 31. März bereits besichtigt werden. Die Ausstellung wird mit einer Gedenkfeier um 14 Uhr offiziell eröffnet. Zum Festakt gehören zunächst ein Besuch der Kirche, wo drei Kompositionen von Alfred Rose von den Tudorfer Chören: MGV Eintracht, Kirchenchor Cäcilia und der Folk-Gruppe Allerleirauh intoniert werden. Es schließt sich ein Rundgang zu den Geburtshäusern von Jakob Loewenberg und Alfred Rose sowie zum Platz der ehemaligen Synagoge an.

In der darauf folgenden Feierstunde werden Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Ulrich Berger Grußworte sprechen, der Hannoveraner Historiker Dr. Peter Schulze wird in seinem Vortrag über Alfred Rose und dessen Wirken referieren und es gibt jüdische Musikbeiträge von Natalie Petri (Klavier) und der Gruppe Allerleirauh. Zudem besteht die Möglichkeit zum Abschluss den jüdischen Friedhof in Niederntudorf zu besuchen

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6450962?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851069%2F
Hitler-Parodie auf Handy: Polizistin zu Unrecht beurlaubt
„Weihnachten mit Hitler“ heißt die Parodie, von der ein Polizist einen Screenshot verschickt haben soll. Foto: Youtube Foto:
Nachrichten-Ticker