LSB würdigt Lebenswerk: 68-Jährige ist seit 45 Jahren Übungsleiterin im VfL Maria Cichy hält Thüler in Bewegung

Thüle (WB). Maria Cichy ist eine »Zugezogene« – und auch noch eine mit neuen Ideen. Doch mit einer Runde Korn in der Ortskneipe und ansteckender Begeisterung hat die gebürtige Münsterländerin ihre Mitbürger für sich und ihre Leidenschaft den Sport gewonnen. Das war vor 45 Jahren. Seitdem ist die heute 68-Jährige Garant dafür, dass die Thüler in Bewegung bleiben.

Von Marion Neesen
Maria Cichy (68) ist seit 45 Jahren Übungsleiterin im VfL Thüle. Sport ist für sie ein Lebensgefühl. Der Landessportbund hat sie jetzt für ihr Lebenswerk geehrt.
Maria Cichy (68) ist seit 45 Jahren Übungsleiterin im VfL Thüle. Sport ist für sie ein Lebensgefühl. Der Landessportbund hat sie jetzt für ihr Lebenswerk geehrt. Foto: Marion Neesen

Der Landessportbund (LSB) hat Maria Cichy mit dem Sonderpreis »Lebenswerk Sport« während der Vergabe des NRW-Preises »Frauen und Mädchen im Sport« ausgezeichnet. Damit würdigte der LSB das 45-jährige Engagement der Übungsleiterin. »Sport ist meine große Leidenschaft. Ich war schon als Kind sehr sportlich, obwohl meine Eltern eher träge Menschen waren«, erzählt die Thülerin. Leichtathletik und Geräteturnen waren ihre Lieblingsdisziplinen.

Schon in ihrer Heimat, dem Münsterland, leitete sie Kinderturngruppen. Als sie 1973 nach Thüle kam, erkannte die gelernte Hauswirtschafterin auch hier sofort den Bedarf. »Für Frauen und Mädchen gab es fast keine Möglichkeit, Hallensport auszuüben«, erinnert sich Maria Cichy. So wurde 1974 die erste Damengymnastikgruppe im VfL Thüle ins Leben gerufen, deren Leitung sie übernahm. Gemeinsam mit ihrem Mann Günther hörte sie damals in der örtlichen Gaststätte zufällig, wie sich am Nachbartisch vier Dorfbewohner skeptisch über die Neue und ihr Angebot äußerten. »Denen habe ich erst einmal eine Runde Korn ausgegeben und erklärt, dass wir ihre Frauen fit machen«, erzählt die Preisträgerin.

Manchmal muss der innere Schweinehund überwunden werden

Bei der Einrichtung einer Seniorensportgruppe 1988 griffen sie und der damalige Vorsitzende des VfL zu einer List, denn sie befürchteten mangelndes Interesse. Kurzerhand wurde im Anschluss an die Sonntagsmesse zur Besichtigung der neuen Mehrzweckhalle eingeladen. Spontan meldeten sich dabei knapp zehn Interessenten für die neue Gruppe an. Seitdem sind die »Ü-50er« fester Bestandteil im VfL Thüle – und Maria Cichy ihr Gesicht.

List und Tücke braucht sie heute nicht mehr, um die Bewegungsfreudigen in die Sporthalle zu locken. Maria Cichys Kurse sind beliebt, bis zu 35 Teilnehmer zählt sie in den wöchentlichen Übungsstunden. Die älteste Sportlerin ist 86 Jahre alt. »Mir macht es Freude, wenn ich Leuten helfen kann, besser durch den Alltag zu kommen und sich wohler zu fühlen. Wenn jemand nach der Stunde sagt, ›das hat gut getan‹, ist das mehr wert als jede Auszeichnung«, sagt Maria Cichy. Von Wirbelsäulen-, Tisch- und Stuhlgymnastik über Muskeltraining mit Hanteln bis hin zu Qigong und Taiji-Qigong hat sie viele Übungen aus dem Gesundheitssport im Angebot. Dabei richtet sie das Training individuell nach den Bedürfnissen ihrer Gruppe aus. »Kommt jemand mit Rückenschmerzen, arbeiten wir daran«, so Cichy. Mit dem Flexi­stab ist die 68-Jährige ebenso fit und geschickt wie auf dem Pezziball oder mit Keulen. Sport ist für Maria Cichy ein Lebensgefühl, und »es ist oft gar nicht so schwer, wie es aussieht«. Ohne Sport geht es bei Maria Cichy nicht. »Dann werde ich ja steif«, lacht sie. Manchmal müsse zwar auch sie den inneren Schweinehund überwinden, »aber wir müssen ja Vorbild sein«.

Drei Leidenschaften: Sport, Karneval und Hochseeangeln

Maria Cichys zweite Leidenschaft ist der Karneval. Nach dem Kinderkarneval 1982 gründete sie 1986 eine Gardetanzgruppe. Sie trainierte die Mädchen nicht nur, sondern war »einfach Ansprechpartnerin für alles. Manches Mal saß sie bis tief in die Nacht an ihrer Nähmaschine und nähte die Kostüme für die Funkenmariechen«, würdigte LSB-Präsident Walter Schneeloch in seiner Laudatio. Alles, was sie mache, sei immer vom Feinsten. Damit meinte Schneeloch wohl auch das Karnevalsfrühstück der Senioren am Rosenmontag, mit dessen Vorbereitung die Thülerin schon um vier Uhr morgens beginnt. Was Schneeloch nicht wusste: Maria Cichy hat noch eine dritte Leidenschaft, das Hochseeangeln. Dabei liefert sie sich gern einen kleinen sportlichen Wettkampf mit ihrem Mann.

Die Feierstunde zur Preisverleihung in Gelsenkirchen war für Maria Cichy auch ein sehr emotionaler Moment. »So etwas erreicht man nur einmal im Leben«, bedeutet ihr die LSB-Auszeichnung sehr viel. Familie und Freunde waren mitgereist und lange auf die Folter gespannt worden. Enkelsohn Silas befürchtete gar schon, dass man die Oma vergessen hatte. Denn nicht alle Nominierten wurden auch ausgezeichnet, und Maria Cichy musste bis zum Schluss warten. »Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, was ich auf der Rückfahrt im Bus sagen soll«, erinnert sich die Thüler­in an die Spannung im Saal. Von der Präsentation ihres Engagements war sie dann tief beeindruckt: »Ich dachte nur, jetzt bloß nicht weinen.« Seit 45 Jahren ist Maria Cichy nun Übungsleiterin beim VfL Thüle. Aus dem Bundesgolddorf wieder wegziehen würde die »Zugezogene« niemals. Und auch ans Ende ihrer sportlichen Karriere denkt sie nicht. »Wir turnen bis zur Urne«, lacht sie.

Kommentare

Danke schön..

Liebe Frau Neesen,
vielen Dank für diesen schönen Bericht über unsere ÜL Maria Cichy. Dieser Bericht ist wirklich autentisch
und spiegelt die wahre Gesinnung bestens wieder, für den Sport und die Senioren da zu sein.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen und die Zeit, diesen Bericht zu erstellen, wenn Sie noch weitere Fotos gemacht haben, würde ich sie gern ins Vereinsarchiv übernehmen,
viele Grüße
Hans-Josef Kamp / 1. Vors. des VfL Thüle 1919 e.V.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.