Seit 20 Jahren spielt Robert Husemann in der Paderborner Kulturwerkstatt
Der Kasper ist sein Blutsbruder

Paderborn -

Die Premiere in der Kulturwerkstatt wurde zur Zitterpartie. „Der Kasper, den ich bestellt hatte, wurde nicht fertig“, erinnert sich Robert Husemann. Und so spielte er die ersten Auftritte mit einem älteren sogenannten Hohnsteiner Kasper.

Montag, 03.05.2021, 05:11 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 05:20 Uhr
Die Kulturwerkstatt ist seine Bühne. Mit seinen Puppen sorgt Robert Husemann für Unterhaltung und wirbt für Tugenden wie Hilfsbereitschaft. Foto: Oliver Schwabe

Diese Stilform eroberte seit den 1920er Jahren die Bühnen und gilt als berühmteste Kasperfigur in Deutschland. Robert Husemann wiederum ist der bekannteste Puppenspieler im Paderborner Land.

Die Premiere in der Kulturwerkstatt war vor 20 Jahren. Aus der „Kulte“ ist Robert Husemanns Kaspertheater inzwischen nicht mehr wegzudenken, 40.000 Zuschauer verfolgten seine 630 Vorstellungen bislang. Anfangs waren es nur 30, aber dann stiegen die Besucherzahlen schnell an. „Vor Corona waren wir mit 80 bis 90 Leuten immer ausverkauft“, sagt Robert Husemann nicht ohne Stolz. Aber durch die Corona-Pandemie ist seine Freude über 20 Jahre Kaspertheater in der Kulturwerkstatt getrübt: „Jetzt hängen die Puppen nur da rum.“

Bis 2006 hatten noch seine Söhne Stefan und Christoph mitgemacht. „Danach habe ich die Stücke so umgeschrieben, dass ich sie allein spielen konnte“, erinnert sich der heute 61-Jährige. „Kasper kauft ein Haus“ hieß das erste Stück in der Kulturwerkstatt, es stammt aus dem Jahr 1928 und wurde von Robert Husemann überarbeitet. Überholte Rollenbilder wie das von der kleinen, dummen, unselbstständigen Gretel, die gerettet werden muss, lehnt er ab.

„Das Zweite, was sich geändert hat, ist das klassische Spiel mit dem Teufel“, blickt er zurück. Der Teufel als Angstmacher, der Kindern mit der Hölle droht, kommt für ihn nicht infrage, als lustiger Gegenpart zu Kasper aber schon. „Der Teufel ist dazu da, um zu wissen, wer der Böse, der Schurke ist, und das lieben die Kinder“, betont Robert Husemann.

Gewalt auf der Bühne ist mit ihm nicht zu haben. Mit der sogenannten Kasperpritsche, einem hölzernen Schlaginstrument, prügelt er nicht auf andere Figuren ein, sondern weckt mit ihr lieber durch sanfte Berührung die Lebensgeister. Als Husemann sein Stück „Ein Löwe auf Borkum hat Zahnweh“ aufführte und ein Junge vorschlug, den Löwen mit einer Bazooka abzuschießen, widersprach ihm der Kasper vehement.

In sein klassisches Kasperspiel bindet er die Jungen und Mädchen konsequent ein. „Kasper ist ständig im Dialog mit ihnen, die Kinder solidarisieren sich mit ihm oder Personen, denen zum Beispiel etwas gestohlen wurde“, erzählt Robert Husemann über sein Mitmachtheater. Und anders als in Puppencomedy-TV-Sendungen wie der „Wiwaldi-Show“ schildert Husemann eine vollständige Geschichte und vermittelt die Kasper-typischen Werte: „Mutig und hilfsbereit sein und nicht den Humor verlieren.“

Husemann trat in der Vergangenheit nicht nur in der „Kulte“ auf, sondern auch in Kitas und mit der Knax-Bühne in Grundschulen. Auch Galaauftritte in Hotels hat er bestritten. Er hat Märchenbearbeitungen („Des Kaisers neue Kleider“) genauso im Repertoire wie Sagen und Legenden („Die Teufelsglocke von Thüle“). Dank klassischer Gesangsausbildung versteht er sich zudem auf Musicals. Und mit der Kulturratte verfügt er außerdem über eine Bauchrednerpuppe.

Robert Husemann kann unter 100 Puppen für Bühnen wie die in der „Kulte“ und zwischen 50 für kleinere Bühnen etwa in Kitas auswählen. Hinzu kommen noch etwa 70 Marionetten. Die Puppen sind zumeist aus Lindenholz geschnitzt, haben mal kleinere und mal größere Köpfe. Mal zeigen sie, wie man sich früher Großmütter vorstellte, mal spiegeln sie heutige Vorstellungen wider. Puppen sind nicht billig, ein Satz Finger kostet 60 Euro. Robert Husemann, Feuerwehrmann im Ruhestand, betont: „Ich lebe für diese Art des Figurenspiels, aber ich lebe nicht davon.“ Er hat den Feuerwehr-Kasper entwickelt, 3500 Brandbekämpfer im Umgang mit ihm ausgebildet und in seiner aktiven Zeit 40 Feuerwehrbühnen betreut.

Die Kulturwerkstatt war immer sein Wohnzimmer. Samstags um 16 Uhr kommt der Kasper – das war Tradition. Ganz zu Beginn hatte er mittwochs gespielt, 2002 schwenkte er auf den Samstag um. Das rächte sich nur, als der SC Paderborn 2014 in die 1. Bundesliga aufstieg und fast parallel um Punkte kickte. Prompt sank die Zahl der Besucher.

Erst ließ Husemann im Kinoraum seine Figuren sprechen, dann wechselte er ins Studio, das ihm ganz neue technische Möglichkeiten verschaffte. „Ich habe 17 verschiedene Scheinwerfer und kann unter anderem den Sonnenauf- und Sonnenuntergang simulieren“, schwärmt er. Auch die Bühnenbilder wurden aufwendiger und anspruchsvoller. Die Zeiten der „naiven Malerei“ seien vorbei, heute werde auch im Kaspertheater die Zentralperspektive eingehalten. Wie geht es für ihn in der Kulturwerkstatt, die aufwendig umgebaut werden soll, weiter? Für Ende des Jahres plant Robert Husemann ein Best-off mit sieben, acht Terminen. Dass er zur Zeit nicht auftreten darf, kann er nur schwer aushalten.

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