Paderborner Stadtentwässerungsbetrieb: Für eine aussagekräftige Untersuchung fehlen aber noch wissenschaftliche Vorgaben
Abwasser spiegelt das Corona-Geschehen

Paderborn (WB/mai) -

Das Corona-Infektionsgeschehen im Stadtbereich Paderborn lässt sich theoretisch an der Kläranlage beobachten. Denn wer infiziert ist, scheidet auch Viren aus, und die lassen sich im Abwasser nachweisen. „Das Potential der Abwasserüberwachung auf Sars-Cov-2 ist in der Wissenschaft unbestritten“, zitierte Klärwerksleiter Markus Beine im Betriebsausschuss einen Fachaufsatz zum Thema.

Freitag, 23.04.2021, 02:00 Uhr
An der Flockungsfiltration werden bereits Wasserproben entnommen, allerdings noch nicht für ein Corona-Monitoring.

Die größte Chance bestehe darin, Trends zu ansteigenden oder abnehmenden Infektionszahlen schneller zu erkennen als mit der klinischen Teststrategie. Auch Mutanten seien im Abwasser bereits nachgewiesen worden.

In der Pandemiebekämpfung genutzt werden könnten diese in Deutschland bereits reichlich erhobenen Daten allerdings noch nicht, da sie unter anderem keine Berechnung der Zahl der Infizierten erlauben. Die Forschung, auch in Bezug auf eine standardisierte Probenentnahme und die Entwicklung entsprechender Testkits laufe aber auf Hochdruck, sagte Beine. In einem Forschungsprojekt werte das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung derzeit die Proben aus 50 deutschen Kläranlagen aus. „Eine zweite Beprobungsphase ist derzeit zwar nicht geplant, das Interesse des Städtischen Entwässerungsbetriebs Paderborn an der Durchführung einer solchen ist jedoch vorsorglich angezeigt worden“, sagte Beine.

Die FDP-Fraktion hatte das Thema mit einer entsprechenden Anfrage auf die Tagesordnung gebracht, um auszuloten, ob eine Beprobung des Abwassers in Paderborn grundsätzlich möglich und sinnvoll wäre. Dazu sagte Markus Beine, dass es noch keinen wissenschaftlich fundierten Standard gebe, wie die Proben entnommen und analysiert werden müssten, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Als Beispiel nannte er die Frage, wo die Probe entnommen werde: „Am Einlauf zur Kläranlage, um ein Gesamtbild zu erhalten oder an den Sammlern aus den Stadtteilen? Gezielt an Schulen oder Altenheimen? Da ist vieles denkbar“. Deshalb halte er eine Beprobung derzeit noch nicht für sinnvoll.

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