Nach Bombenfund in der Paderborner Südstadt – Hunderte Anwohner müssen Wohnungen verlassen – Stadt geht von „logistischer Großaufgabe“ aus
Bombe soll Mittwoch ab 14 Uhr entschärft werden

Paderborn -

Die Entschärfung der an der Husener Straße in Paderborn gefundenen 250-Kilo-Bombe wird nach Aussage von Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski eine logistische Großaufgabe werden. Die Bombe soll an diesem Mittwoch, 14. April, ab 14 Uhr entschärft werden. Mit der Evakuierung werde bereits am Vormittag begonnen.

Dienstag, 13.04.2021, 13:59 Uhr aktualisiert: 13.04.2021, 18:16 Uhr
Die Karte zeigt den Evakuierungs- und Sperrbereich. Foto: Stadt Paderborn

Die Räumung des Areals im Umkreis von 250 Metern betrifft etliche Bewohner der Häuser an Brüderstraße, Husener Straße, Leostraße, Mallinckrodtstraße, Mathildenstraße Schorlemerstraße und Winfriedstraße.

Betroffen von der Evakuierung sind nach Angaben der Stadt folgende Gebäude und Häuser:

Amelungstraße 1, 1a, 3, 5

Brüderstraße 4, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24

Husener Straße 6, 8, 10, 12, 13, 14, 14a, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 28, 28a, 30, 32, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 41, 42, 43, 43a, 44, 45, 46a, 47, 49, 51, 51a, 53, 53a

Leostraße 1, 5, 7, 19, 19a

Mallinckrodtstraße 1, 5, 9,15, 17, 19, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 31, 32, 32a, 32b

Mathildenstraße 9, 11, 13, 16, 28, 30, 32

Schorlemerstraße 2, 4, 5, 6, 7, 9, 11, 12, 13, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24

Warburger Straße 2

Winfriedstraße 2, 2a, 4, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 19, 21, 21a, 23, 25, 27

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Bürgermeister Michael Dreier verwies noch einmal darauf, dass die britische Bombe, wie berichtet , am Montag gefunden worden sei. Am Dienstagmittag habe die Besprechung der Einsatzleitung stattgefunden. Erneut werde Karl-Heinz Clemens vom Kampfmittelräumdienst, der bereits mehrere Bomben in Paderborn entschärft habe, den Einsatz leiten. Nahezu 1000 Personen seien im Evakuierungsgebiet betroffen, darunter 130 Patienten und Bewohner verschiedener Einrichtungen. Unter anderem befinden sich eine Blindenschule und ein Pflegeheim in dem Bereich. Michael Dreier betonte am Dienstag: „Ich bin sicher, dass die Entschärfung gut über die Bühne gehen wird.“ Olscheswki ergänzte: „Ich teile die Hoffnung von Herrn Dreier.“

Allerdings habe er ein wenig Bauchschmerzen. Der Typ der Bombe sei identisch mit einem Bombenfund aus dem Jahr 2019 in der Nähe der Kinderklinik. Damals war festgestellt worden, dass der Zünder im Verlauf der vergangenen Jahr chemisch reagiert hatte. Dadurch steige das Risiko bei der Entschärfung. Vor diesem Hintergrund habe man sich dazu entschlossen, für die Entschärfung mehr Zeit einzuplanen. Olschewski kündigte daher an: „Wir werden nicht voreilig wieder die Straßen öffnen.“

Die Hotlines der Stadt seien ab sofort erreichbar. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr kümmern sich um Bewohner in dem Evakuierungsgebiet, die nicht selbstständig das Haus verlassen können und nicht mobil sind. Transportwünsche betroffener Menschen können unter 05251/8870 angemeldet werden. Fragen zum Ablauf der Evakuierung beantwortet die Stadt unter 05251/88-122978.

Derzeit sei für die rund 700 Bewohner nicht vorgesehen, eine Turnhalle zu öffnen, sagte der Ordnungsamtsleiter. Hintergrund ist die Corona-Pandemie. Der Krisenstab geht davon aus, dass die betroffenen Personen, die ihre Wohnungen räumen müssen, bei Verwandten und Freunden unterkommen können. Wer nicht weiß, wo er in dem Zeitraum der Sperrung unterkommen soll, kann sich ebenfalls an die Service-Nummer der Stadt wenden: 05251/88-122978.

Am Mittwoch werde ab 14 Uhr der Bereich komplett gesperrt. Alle Bewohner müssen die Häuser bis zu diesem Zeitpunkt verlassen haben, teilt die Stadt mit. Bereits ab 13.30 Uhr werden die Straßensperrungen vorgenommen, damit niemand mehr in das Gebiet fahren kann. Rausfahren ist bis 14 Uhr möglich. Um 17 Uhr soll die Einsatz abgeschlossen sein.

Bürgermeister Michael Dreier und Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski bei der Pressekonferenz im Historischen Saal im Rathaus.

Bürgermeister Michael Dreier und Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski bei der Pressekonferenz im Historischen Saal im Rathaus. Foto: Jörn Hannemann

Der Kampfmitteldienst Hagen wollte schon am Montag die Bombe entschärfen. Allerdings sei ein kurzfristiges Handeln wegen einiger Problempunkte in dem Evakuierungsgebiet nicht möglich gewesen. Immerhin 130 Patienten und Bewohner verschiedener Einrichtungen müssten zeitweise an anderer Stelle untergebracht werden. 14 dieser Personen seien bettlägrig, 50 seien auf einen Rollstuhl angewiesen. Unter anderem seien auch Kinder mit multiplen Behinderungen betroffen.

Udo Olschewski hat bereits etliche Bombenentschärfungen in Paderborn begleitet. Unvergessen aus den zurückliegenden Jahren ist die britische Blockbuster-Bombe mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen aus dem Jahr 2018, die im Garten einer Familie im Peter-Hille-Weg – ebenfalls in der Südstadt – entdeckt wurde. Bei der Entschärfung am 8. April 2018 musste die Paderborner Innenstadt nahezu komplett geräumt werden. Mehr als 26.000 Bürger mussten ihre Wohnungen verlassen. Es war die größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte. Ebenfalls in Erinnerung ist die im Jahr 2019 entdeckte Bombe in der Nähe der Kinderklinik St. Louise, die komplett geräumt werden musste.

Etwas weiter zurück liegt eine Evakuierungsaktion an der Bahnhofstraße. Nach Aussage von Olschewski habe die 500-Kilo-Bombe innerhalb eines Tages entschärft werden müssen. Betroffen war die komplette Infrastruktur wie Straßen, Gleise und Bahnhof. Der Zugverkehr wurde damals ausgesetzt.

 

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