Regionalflughäfen in der Krise – Bund will Flugsicherungskosten übernehmen
Millionenhilfe für Flughafen Paderborn-Lippstadt

Berlin/Paderborn/Büren (WB/ef/dpa) -

Einbrüche bei der Passagierzahl, Milliardenverluste: Die Folgen der Pandemie haben die Flughäfen in Deutschland schwer getroffen. Die Politik will helfen. Ein Baustein wurde nun auf den Weg gebracht.

Mittwoch, 31.03.2021, 22:24 Uhr aktualisiert: 31.03.2021, 23:16 Uhr
Blick auf den Flughafen Paderborn-Lippstadt mit dem Tower rechts im Hintergrund – dort sitzt die Flugsicherung. Foto: Jörn Hannemann

Die Bundesregierung will kleinere Flughäfen wie Paderborn-Lippstadt auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise finanziell un­terstützen.

Das Bundeskabinett brachte am Mittwoch entsprechende Gesetzesänderungen auf den Weg. Konkret will der Bund für Flugplätze Kosten für sogenannte Flugsicherungsdienstleistungen übernehmen. Bislang tragen die kleineren Flughäfen diese Kosten selbst und können sie nicht immer an die Fluggesellschaften weiterreichen.

Für die Übernahme dieser Kosten sind im Bundeshaushalt 2021 laut Kabinettsvorlage 20 Millionen Euro vorgesehen. Für die Jahre 2022 bis 2025 werden jeweils 50 Millionen Euro veranschlagt.

Der Paderborner Flughafenchef Marc Cezanne hat die Unterstützung des Bundes seit langem gefordert. Im Fall des OWL-Airports waren die Flugsicherungskosten – vor der Corona-Pandemie – mit jährlich 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Durch den Rückgang des Flugverkehrs dürfte sich die Summe allerdings verdoppeln. „Die Deckungslücke wird größer, weil die Kosten gleich bleiben, aber die Erlöse abnehmen“, hatte Cezanne erst kürzlich erläutert.

Der Flughafenverband ADV sprach von einer wichtigen Weichenstellung für eine deutliche Kostenentlastung der kleineren Standorte. „Gleichzeitig wird mit dem Kabinettsbeschluss die wichtige Rolle gewürdigt, die diese Flughäfen für die benötigte Verkehrsanbindung der Regionen und zur Stärkung der Wirtschaftskraft leisten“, so Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Die Hilfen sind Teil eines größeren Pakets. Mitte Februar hatte sich die Bundesregierung auch auf Zuschüsse für zwölf größere Airports geeinigt, an denen der Bund nicht beteiligt ist. Dabei geht es um die Erstattung von Kosten für das Offenhalten von Flughäfen zu Beginn der Corona-Pandemie. Der Bund plant Zuschüsse von insgesamt 200 Millionen Euro. Voraussetzung für die Unterstützung des Bundes ist, dass die jeweiligen Länder einen Zuschuss in gleicher Höhe leisten.

Hintergrund der Zahlungen an die zwölf Flughäfen ohne Bundesbeteiligung ist eine alte Liste, bei denen der Bund ein „verkehrspolitisches Interesse“ an den Airports anerkennt. Das bedeutet im Umkehrschluss: Einige Airports sollen ohne direkte Bundesförderung auskommen. Bei diesen sind nun die Eigentümer am Zug. Bei vielen Flughäfen sind vor allem Länder und Kommunen oder Kreise Miteigentümer – so auch im Fall von Paderborn-Lippstadt. Der Flughafenverband ADV betonte, die Flughäfen seien durch Corona in eine „schwere, nie dagewesene Krise“ geraten. Im Zeitraum von März 2020 bis Februar 2021 sei die Zahl der Passagiere um 85,5 Prozent eingebrochen. Der voraussichtliche Verlust aller Flughäfen liege 2020 bei 1,8 Milliarden Euro, nach einem Vorsteuergewinn von fast 800 Millionen Euro im Jahr zuvor. 2021 wird laut ADV mit einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro gerechnet. Mehr als 40.000 der 180.000 Arbeitsplätze an Flughafenstandorten seien gefährdet.

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