Caritasverband Paderborn macht auf schwierige Situation pflegender Angehöriger in Corona-Zeiten aufmerksam
„Kleine Auszeiten fallen einfach weg“

Paderborn -

„Ich bin immer wieder erschüttert, was diese Menschen über Jahre hinweg aushalten müssen.“ Das sagt Sabine Lohmann, Kurberaterin beim Caritasverband Paderborn, die regelmäßig Kontakt mit Menschen hat, die Angehörige pflegen.

Dienstag, 02.03.2021, 20:14 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 11:16 Uhr
Pflege kann vor allem für ältere Menschen ein Kraftakt sein (Symbolbild). Foto: dpa

Oft seien es die erwachsenen Kinder, Töchter oder Schwiegertöchter, die diesen „Knochenjob leisten“, aber eben auch Ehepartner, häufig selbst im fortgeschrittenen Alter. Die Belastung der häuslichen Pflege wirke sich vor allem im Alter fast immer auf die eigene Gesundheit aus, teilte der Caritasverband Paderborn mit.

„Viele haben Rückenbeschwerden, Schlafstörungen oder Tinnitus-Probleme“, sagt Lohmann. Die ständige Verfügbarkeit, mit der sich pflegende Angehörige konfrontiert sehen, hat durch die Pandemie eine neue Dimension erhalten: „Viele kleine Auszeiten außerhalb der eigenen Häuslichkeit wie Seniorennachmittage in der Gemeinde oder das Kaffeekränzchen mit Freundinnen sind weggefallen“, sagt Sabine Lohmann. Die Betroffenen seien in der Corona-Isolation auf sich selbst zurückgeworfen, die Pflegesituation dominiere alles. Wer dann demenzkranke Angehörige pflegt, gerät mitunter in Extremsituationen. Nur selten dringe davon etwas in die Öffentlichkeit. Etwa im Fall eines Seniors, der zum Einkaufen fahren musste, aber seine demenzkranke Frau nicht allein lassen wollte. Weil er sie nicht mit in den Supermarkt nehmen konnte, schloss er sie auf dem Parkplatz im Auto ein. Besorgte Passanten riefen die Polizei.

Zurzeit spielen sich manche Dramen hinter verschlossenen Türen ab.

Verena Ising-Volmer

Laut einer Untersuchung des Zentrums für Qualität in der Pflege und der Charité Universitätsmedizin Berlin sind derzeit 24 Prozent der pflegenden Angehörigen bundesweit besorgt, die Pflege in Corona-Zeiten nicht mehr zu schaffen. 32 Prozent der Befragten gaben an, die Pflegesituation habe sich angesichts der Pandemie verschlechtert. „Zurzeit spielen sich manche Dramen hinter verschlossenen Türen ab“, sagt Verena Ising-Volmer, Leiterin des Referates Kur- und Erholungshilfe beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. Seit 2019 ist sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Katrin Thiem für das vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales geförderte Projekt „Kuren für pflegende Angehörige“ zuständig. Eine erste Zwischenbilanz sei ermutigend: Mehr als 2800 Beratungsgespräche sind in den 98 Kurberatungsstellen 2020 landesweit geführt worden, 420 Kuranträge wurden gestellt. Der Clou: Weil die Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden angesiedelt sind, gibt es kurze Wege zu den übrigen Bausteinen, die pflegende Angehörige für eine Kurmaßnahme benötigen. Es gehe zum Beispiel um die Frage, ob ein Kurzzeitpflegeplatz für den Gepflegten zur Verfügung stehe. Aber auch wenn Betroffene gemeinsam mit dem gepflegten Angehörigen in die Kur fahren möchten, stelle dies dank der Vernetzung innerhalb der Kurberatung im System von Altenhilfe- und Kuranbietern kein Problem dar. „Es gelingt immer, ein passgenaues Angebot nach den Wünschen der Betroffenen zu machen“, sagt Sabine Lohmann. Auch unter Corona-Bedingungen sei es möglich, Beratung anzubieten sowie die wichtige Unterstützung bei der Bewältigung der Antragstellung zu leisten. „Wir kümmern uns“, sagt Sabine Lohmann.

Sehr positive Rückmeldungen auf stationäre Vorsorge- und Reha-Maßnahmen

Die Wirkung einer stationären Vorsorge- und Reha-Maßnahme, so der gesetzlich korrekte Titel der Kur­angebote, ist eindeutig: Von „Ich kann endlich wieder durchschlafen“ bis „Das war das Beste, was mir passieren konnte“ reichen die Rückmeldungen. Und die Sicherheit in Corona-Zeiten? Der Schutz vor Infektionen habe in den Einrichtungen höchste Priorität. Außer den bestehenden Hygienekonzepten spielen Testungen eine besondere Rolle. Wer eine Kurmaßnahme antritt, hat Anspruch auf einen Corona-Test. Auch eine Kohortenbildung in den Einrichtungen, also das Bilden fester Gruppen, mit denen man Kontakt hat, trage zur Sicherheit bei.

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