Wie das Haus des Jugendrechts in Paderborn arbeitet
Kriminelle Karrieren beenden

Paderborn -

Die Mühe lohnt sich. Etwa 15 Prozent der Problemjugendlichen werden nicht mehr straffällig, nachdem sie im Haus des Jugendrechts in Paderborn betreut wurden. Kriminalhauptkommissarin Renate Zangari spricht von einer „sehr guten Quote“ und betont: „Jede Straftat, die verhindert wird, ist mindestens ein Opfer weniger.“

Mittwoch, 03.03.2021, 06:21 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 06:24 Uhr
Renate Zangari (vorne), Miriam Hanebutt (links), Judith Schopnie (rechts) und Tobias Lahme sind vom Sinn des Haus des Jugendrechts überzeugt. Foto: Oliver Schwabe

Im Haus des Jugendrechts (HdJR) an der Ferdinandstraße arbeiten Staatsanwaltschaft, Jugendhilfe im Strafverfahren und Polizei unter einem Dach eng zusammen. Ziel ist es unter anderem, kriminelle Karrieren frühzeitig zu erkennen und Karrieren, die sich bereits verfestigt haben, möglichst zu beenden. Und das gelingt ganz gut. Mit 40 Probanden beschäftigten sich die Experten im vergangenen Jahr. „Von ihnen haben wir 14 entlassen, sieben wurden entlassen, weil sie nicht mehr in Erscheinung getreten sind, und die anderen, weil sie in Haft gegangen sind“, erläutert Renate Zangari.

Bei den Probanden handelt es sich weit überwiegend um männliche Jugendliche, die bereits mehrfach strafrechtlich aufgefallen und auch sonst auffällig sind, was sich zum Beispiel im Verhalten innerhalb der Familie, der Schule und anderen Bereichen wie der Freizeit zeigt. Auf dem Kerbholz haben sie bis auf Sexualdelikte und Kapitalverbrechen wie Mord die ganze Bandbreite der Vergehen – von Betrug über Diebstahl und Raub bis zur Körperverletzung.

Im vergangenen Jahr waren von den insgesamt 40 Personen im HdJR 36 männlich. Sie kamen aus der Stadt und dem Kreis Paderborn. Ab 14 ist jemand in Deutschland strafmündig. Manchmal geraten aber auch schon Kinder auf die schiefe Bahn. Für sie bietet das angegliederte kriminalpräventive Programm „Kurve kriegen“ passgenaue Reaktionen und Maßnahmen, um sie vor einem Abgleiten in die Kriminalität zu schützen.

 

Wir sind gut vernetzt und haben dadurch auch den Blick der Polizei und Staatsanwaltschaft auf den Probanden.

Judith Schop­nie

Auf den rechten Pfad sollen aber auch Jugendliche gelenkt werden. Und dabei habe sich das Haus des Jugendrechts „auf jeden Fall bewährt“, sagt Staatsanwalt Volker Wiederhold: „Hier haben wir kurze Wege, taggenaue Informationen, eine personenorientierte Sachbearbeitung und können so die Verfahrensabläufe optimieren.“ Auch Judith Schop­nie von der Jugendhilfe im Strafverfahren des Kreises Paderborn weiß die Vorzüge zu schätzen: „Unser Ziel ist in erster Linie die erzieherische Förderung von jungen Menschen in ihren Familien, damit diese künftig legal durchs Leben kommen, und gleichzeitig sind wir eine Unterstützung der Gerichte bei der Entscheidungsfindung. Wir sind gut vernetzt und haben dadurch auch den Blick der Polizei und Staatsanwaltschaft auf den Probanden.“

Die Jugendlichen, die betreut werden, sind zwischen 13 und 21 Jahre alt. Das Haus des Jugendrechts ist ein Ort der Kooperation und der parallelen Bearbeitung von Fällen, um schnell und erzieherisch abgestimmt auf schwierige Fälle zu reagieren. Regelmäßig treffen sich die Beteiligten zum Austausch, besprechen Fälle und Fragen wie die, ob zum Beispiel ein Proband entlassen oder wie weiter interveniert werden kann. Eine Entlassung ist denkbar, wenn ein Proband seit mindestens sechs Monaten keine neue Straftat begangen hat. Feste Ansprechpartner sollen den Jugendlichen Verbindlichkeit signalisieren und den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses erleichtern.

Zum Konzept des HdJR gehören neben Gefährderansprachen, Vorladungen, Fallbesprechungen und Hausbesuchen auch Hilfsangebote für die Eltern der Jugendlichen. Manchmal werden durch die enge Absprache unter den Kooperationspartnern Lügner entlarvt. Staatsanwalt Volker Wiederhold erzählt: „Der Informationsstand zahlt sich aus. Ein Jugendlicher sagte mir, er habe mit Drogen nichts mehr zu tun. Dabei wusste ich von der Polizei, dass er damit gerade erst erwischt worden war.“

Unabhängig von diesem Fall kann dank des HdJR über die weiteren Ermittlungen in direkter Absprache mit der Staatsanwaltschaft entschieden werden. Als bundesweites Pilotprojekt nahm das erste Haus des Jugendrechts in Deutschland 1999 in Stuttgart seinen Betrieb auf, mit Köln kam 2009 das erste in NRW hinzu, das in Paderborn gibt es seit 2014. Renate Zangari, Volker Wiederhold, Judith Schopnie und Tobias Lahme von der Jugendhilfe im Strafverfahren des Kreises Paderborn sowie ihre Kollegin von der Stadt Paderborn, Miriam Hanebutt, sind sich einig: Das Ganze ist ein Erfolgsmodell, weil die Zusammenarbeit untereinander funktioniert und die Jugendlichen mit ihren Problemen individuell beraten werden können.

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