Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie stecken fest – Aktionstag der Gewerkschaft in Salzkotten
Metaller sind bereit für Arbeitskampf

Salzkotten -

Vier Prozent mehr Gehalt – das fordert die Gewerkschaft IG-Metall für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Aber nicht nur das: Auch um Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Perspektiven geht es den rund 10.500 Gewerkschaftsmitgliedern im Bezirk Paderborn und Höxter. Dafür sind sie am Montag dem bundesweiten Aufruf zum Aktionstag gefolgt und schon einmal vorsorglich nach Schichtende auf die Straße gegangen.

Dienstag, 02.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 07:20 Uhr
Der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall Paderborn Höxter Konrad Jablonski (rechts) und sein Stellvertreter Bernhard Danne stimmten die Kollegen auf einen bevorstehenden Arbeitskampf ein. Foto: Marion Neesen

An diesem Dienstag wollen sie, wenn nötig, richtig in den Arbeitskampf einsteigen. Denn auf der Arbeitgeberseite sehen die Metaller kein Entgegenkommen. Vor den Werkstoren der Firma Gilbarco in Salzkotten hat die IG-Metall einen Vorgeschmack auf das gegeben, was in den nächsten Tagen folgen kann. „Es ist noch kein Warnstreik, aber die Friedenspflicht endet am 2. März“, informierte der Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführer der IGM Paderborn, Konrad Jablonski, dass Arbeitsniederlegungen vorbereitet werden. „Wir würden lieber nicht streiken, aber die Verhandlungen sind so festgefahren, dass wir keine vernünftige Perspektive sehen und auf das Ende der Friedenspflicht aufmerksam machen müssen.“

2018 habe es die letzte Gehaltserhöhung gegeben. 2019 seien ein tarifliches Zusatzgeld für Erziehung oder Pflege und acht freie Tage vereinbart worden. „Jetzt fordern wir eine Gehaltserhöhung, um zumindest die Inflationsrate aufzufangen“, so Jablonski. Eine weitere Nullrunde sei ein Witz. Denn es sei ja nicht so, als litten die Unternehmen Not. Dennoch liege nach vier Verhandlungsrunden kein vernünftiges Angebot auf dem Tisch.

Trotz der Coronakrise halten die Gewerkschafter einen Streik für gerechtfertigt. Einen passenden Zeitpunkt für Unternehmer, um über Lohnforderungen zu sprechen, gebe es wohl nie. Gleichzeitig richte sich das Augenmerk vor allem auch auf Beschäftigungssicherung. „Wir müssen frühzeitig Regelungen treffen, damit unsere Arbeitsplätze in ihrer Qualität und Menge erhalten bleiben“, so Jablonski. Er forderte Zukunftstarifverträge und eine Qualifizierung der Mitarbeiter. Dabei verwies der Bevollmächtigte beispielhaft auf die Digitalisierung. Sie könne unterschiedlich umgesetzt werden.

„Man kann Arbeit entwerten, so dass Facharbeit nicht mehr gefragt ist; oder man kann die Digitalisierung so umsetzen, dass Facharbeit benötigt wird. Wir brauchen frühzeitige Regelungen zur Qualifizierung, weil die Mitarbeiter die Technik sonst nicht beherrschen und Arbeitsplätze wegrationalisiert werden“, sagte Jablonski. Digitalisierung und Energiewende seien Herausforderungen, bei denen am Ende tausende Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben könnten. Außerdem fordert die IGM, Übernahmeregelungen für Auszubildende in den Tarifverträgen zu verankern sowie Flächentarifregelungen für Dual-Studierende.

Die Tarifverhandlungen seien nicht wie sonst, hat Jablonski festgestellt. Während die Unternehmen früher auf die Gewerkschaften zugekommen seien, gebe es jetzt keine Angebote. Auch ein neuer Verhandlungstermin stehe noch nicht fest. Der Arbeitskampf könne bis nach Ostern andauern. „Es wird eine schwierige Runde, aber wir lassen uns nicht entmutigen. Die Arbeitgeber werden sich wundern, wie schnell wir auf der Straße sind“, ist auch der Zweite Bevollmächtigte Bernhard Danne bereit.

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