Ein Jahr Ruhe statt Disco: Warum der Betreiber des Wohlseins trotz ungewisser Zukunft optimistisch bleibt
„Wir überleben das, wenn...“

Paderborn -

Seit knapp einem Jahr bleiben in Paderborn die Tanzflächen leer. Clubs und Diskotheken sind im Dauer-Lockdown.

Montag, 01.03.2021, 06:11 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 06:20 Uhr
Clubbetreiber wie Gero Puls vom Wohlsein müssen sich weiter gedulden, bis auf der Tanzfläche wieder Foto: Jörn Hannemann

Während es für Bars und Restaurants zwischendurch einige Lockerungen gegeben hat und selbst die Schausteller zwischendurch mit einem temporären Freizeitpark Einnahmemöglichkeiten und einen kleinen Lichtblick hatten, sehen die Betreiber des Wohlseins, der Residenz, des Capitols und Containers noch lange kein Discolicht am Ende des Tunnels. Sie müssen sich noch weiter gedulden.

„Und selbst wenn es konkret morgen wieder losgehen würde, hätte ich niemanden, der hier arbeitet, weil fast alle Aushilfen mittlerweile woanders arbeiten. Das ist ein Problem“, sagt Gero Puls vom Club Wohlsein an den Königsplätzen.

Seine Gefühlslage bezeichnet er als „angespannt, aber zuversichtlich“: „Es gibt einfach keine Planungssicherheit, was man aber niemandem zum Vorwurf machen kann. Das ist der Situation geschuldet.“ Die Ungewissheit belaste ihn mehr als die finanzielle Lage. Erschwerend komme im Falle des Wohlseins hinzu, dass das Areal an der Brückengasse von der Stadt umgebaut werden soll und auch der Besitzer des Gebäudes gewechselt habe, die möglichen Auswirkungen aber noch nicht bekannt seien.

Der 34-Jährige lobt ausdrücklich die bisherigen Corona-Hilfsmaßnahmen vom Bund, die 80 Prozent der Fixkosten des Clubs abdecken würden. „Ohne die würde es uns nicht mehr geben. Das wäre das Aus für den Betrieb gewesen.“ In der Praxis sei jedoch seiner Meinung durchaus „Luft nach oben“. Beispielsweise habe er die Novemberhilfe Mitte Januar erhalten, die Hilfen für die Umsatzausfälle vom Dezember könne er aber praktisch erst ab April beantragen. „Das geht an der Realität vorbei: Die Hilfen braucht man natürlich zeitnah.“

Mit einem Normalbetrieb im Wohlsein rechnet er persönlich für dieses Jahr nicht mehr. Mit seinem Geschäftspartner Dominik Nösner gehe er eher von Februar 2022 aus. „Ich bin aber optimistisch, dass wir das überleben werden, wenn es weiterhin die Unterstützungshilfen in dem Umfang gibt.“

Um weitere Einnahmequellen zu generieren, bietet Puls unterdessen Veranstaltern an, das Ticketing- und Einlass-Management für Veranstaltungen zu übernehmen – samt der Erfassung der Kontaktdaten der Besucher, um mögliche Infektionsketten zurückzuverfolgen. „Das haben wir beim Paderborner Kultursommer bereits erfolgreich organisiert. Das wollen wir jetzt weiter ausbauen. Wenn das Kulturleben wieder loslegen wird, ist das wieder ein dickes Thema.“ Dafür habe er unter dem Geschäftsnamen „Pro Ticket Service“ alle Veranstalter der Region und die Städte angeschrieben. Für das Festival der Dommusik und einige Veranstaltungen der Schloss- und Lippeseegesellschaft habe er bereits Aufträge erhalten.

Mit viel Optimismus habe er sich auch für eine Veranstaltungsfläche auf Libori beworben, wenn es denn tatsächlich so stattfinden wird wie von der Stadt angekündigt. Auf dem Jühenplatz soll wie früher bei der Libori Lounge kräftig gefeiert werden. „Ein Libori ohne Einschränkungen kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, es wäre aber wundervoll.“

Tausendquellfestival soll in diesem Jahr wieder stattfinden

Das wäre es auch aus einem weiteren Grund: Drei Wochen später, am 21. August, soll zum vierten Mal das Tausendquellfestival für Freunde elektronischer Musik stattfinden , das Gero Puls ebenfalls organisiert. Zu dem eigentlich jährlich stattfindenden Festival, das im Vorjahr wegen der Pandemie abgesagt werden musste, werden knapp 2500 Besucher im Tausendquellpark erwartet. Auf mehreren Bühnen sollen 15 DJs auflegen. Erstmals soll es außerdem am Vortag in Zusammenarbeit mit Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL eine Kabarett-Veranstaltung auf dem Gelände geben.„Das ist ein riesiges Gelände, es ist unter freiem Himmel – da stehen die Chancen gut, dass es stattfinden kann.“

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