Paderborner Barker-Areal soll Zukunftsquartier werden: Auftakt der Bürgerbeteiligung
Jetzt sind Ideen gefragt

Paderborn -

Auf dem Gelände der Barker-Kaserne entsteht in den kommenden Jahren ein ganz neuer Stadtteil, der mit 54 Hektar so groß ist wie der gesamte Bereich im inneren Ring. Ein Zukunftsquartier will die Stadt zwischen Driburger Straße, Piepenturmweg und Berliner Ring schaffen. Aber was bedeutet das eigentlich?

Montag, 01.03.2021, 03:00 Uhr
Blick auf die Barker-Kaserne: Das Areal zwischen Driburger Straße, Berliner Ring und Piepentrumweg soll Zukunftsquartier werden. Foto: Jörn Hannemann

Und wer soll dort später leben und arbeiten? Diese und andere Fragen haben die Planer bei der digitalen Auftaktveranstaltung beantwortet, die etwa 150 Zuschauer am Bildschirm verfolgt haben.

Dabei ging es aber nicht nur um Information, sondern vor allem auch darum, die Paderborner einzuladen, ihre Ideen einzubringen und das Gelände mitzugestalten. Fachlich begleitet wird der Prozess von mehreren Planungsbüros, von denen drei federführend jeweils eine Testplanung entwickeln.

Was versteht man unter einem Zukunftsquartier?

„Hier soll ein wirklich innovativer Modellstadtteil entstehen, der den Herausforderungen der Klimakrise, der Digitalisierung, der Mobilitätswende und des demographischen Wandels gerecht wird“, sagt die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke, in deren Dezernat alle Fäden der Stadtentwicklung zusammenlaufen.

Was ist das Stadtversprechen, das in Zusammenhang mit Barker immer wieder erwähnt wird?

„Als Oberzentrum im ländlichen Bereich, fernab der Metropolregionen, sind wir allein gefordert, städtische Strukturen für unseren Einzugsbereich zu schaffen und vorzuhalten“, sagt Claudia Warnecke. In Bezug auf das Barker-Areal bedeute das, durch die Entwicklung facettenreicher, gemischter Stadt­räume, Arbeitsorte, Wohnformen und soziale wie kommerzieller Angebote die Vielfalt der Stadterlebnisse zu steigern – auch um im Wettbewerb um Fachkräfte, Unternehmen und kulturelle Angebote attraktiv zu bleiben.

Warum werden mehrere Büros mit Testplanungen beauftragt?

„Wir stehen vor neuen Herausforderungen, die wir innovativ und mutig angehen wollen“, erläutert Claudia Warnecke. Dabei sollen Dinge erprobt werden, die die Grenzen dessen, was üblicherweise in der Stadtplanung erwartet wird, ausloten. „Wir wollen, dass keine Idee verloren geht. Dann sehen wir, wie weit wir gehen können, ohne den Paderborn-Bezug zu verlieren.“

Welche Büros sind beteiligt?

Neben dem Büro „Urbanista“, das den planerischen Prozess begleitet, sind die Büros „Karres en Brands“ aus den Niederlanden, „Cityförster“ aus Hannover und „Adept“ aus Kopenhagen mit jeweils interdisziplinären Teams mit den Testplanungen beauftragt. Die niederländischen Planer arbeiten beispielsweise mit der Technischen Hochschule OWL zusammen. Dabei hat jedes Büro einen anderen thematischen Vertiefungsschwerpunkt.

Welche thematischen Schwerpunkte gibt es?

„Karres en Brands“ nimmt die nachhaltige Stadtentwicklung in den Blick. Dabei soll das Augenmerk auf Kreisläufe gelegt werden, beispielsweise in Bezug auf Wasser, Energie und Materialien. Damit will Planer Bart Brands einen Beitrag zur Entschärfung der Klimakrise leisten. „Nehmen wir das Beispiel Schulen: Jede soll sich selbst in Bezug auf Wasser und Energie versorgen können.“ Aber es gehe auch darum, Wasser bei Starkregen zu speichern, um es später nutzen zu können.

Das Team „Cityförster“ will einen besonderen Fokus auf das Zusammenspiel von Städtebau, Nutzungen, öffentlichen Räumen und Lebendigkeit im zukünftigen Quartier legen. Zentral sei die Frage der Mobilität: Pendeln zwischen Wohnen und Arbeiten soll durch eine Durchmischung der Nutzungen vermieden werden.

Das Team „Adept“ vertieft die Fragestellung, welche neuen Orte durch die Digitalisierung des Wohnens, des Arbeitens, der Versorgung und der Mobilität möglich werden und wie sich neue Technologien nutzen lassen.

Wie wird mit Konflikten umgegangen, wenn Wohnen und Arbeiten enger verzahnt werden sollen?

Konflikte gehören nach Ansicht der Planer dazu, wenn viele Menschen auf einem Raum agieren. Kleine Reibungen seien aber auch der Entwicklung durchaus zuträglich. „Wenn alles voneinander fern gehalten wird, kriegen wir nie eine lebendige Stadt“, ist Oliver Seidel („Cityförster“) überzeugt. Wichtig sei die Kommunikation der Menschen vor Ort.

Mischen bedeute auch nicht, dass nicht mehr in Ruhe gewohnt werden könne, ergänzt Tanja Jauernig („Adept“). Sie plädiert aber für lebendige Erdgeschosse, um eine Verbindung des Innenraums zum Außen zu schaffen.

Gibt es bereits konkrete Projekte?

Mit der Ansiedlung des so genannten Akzelerators, eines neuen Start-up-Zen­trums der Universität Paderborn im Westen des Geländes und einem geplanten Bahnhaltepunkt im Osten gibt erste konkrete Fixpunkte für die Entwicklung des Quartiers.

Ist ein Zukunftsquartier nur etwas für junge technikaffine Menschen?

Die Planer wollen ganz unterschiedliche Möglichkeiten schaffen, sich im neuen Stadtteil zu verwirklichen. Das soll durch verschiedene Wohnformen, Gemeinschaftsangebote und Mischung im Gewerbe erfolgen. In Bezug auf den Einsatz neuer Technologien soll genau geschaut werden, wo sie helfen können, aber auch analoge Orte geschaffen werden.

Wie können die Paderborner sich in den Prozess einbringen?

Seit Februar läuft die Internetbeteiligung über die städtische Seite paderborner-konversion.de . Dort ist auch das Video zur Auftaktveranstaltung hinterlegt. Zu verschiedenen Themenbereichen können eigene Ideen, Fragen und Kritik eingebracht werden. Geplant ist, dass die Testentwürfe der Planungsbüros am 21. Juni präsentiert werden. Außerdem soll es im Sommer möglichst noch eine Werkstatt mit Bürgern geben. Alle Testentwürfe und Anregungen sollen 2022 in einen Masterplan gegossen werden.

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