Prozess gegen mutmaßliche Wohnmobil-Betrüger in Paderborn fortgesetzt: Bielefelder brachten „Drive in die Sache“
Bande bei Anmietung in die Polizei-Falle gelockt

Paderborn/Bielefeld/Gütersloh/Lichtenau -

Wenn Polizisten als Zeugen vor Gericht aussagen, klingt das oft recht sachlich. „Entglasen“ ist so ein neutraler Begriff, der schlicht heißt „Scheibe einschlagen“. Und das war wohl an jenem 7. Juni vergangenen Jahres nötig, als ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in Gütersloh jene vier Personen festnahm, die seit Dezember in Paderborn als mutmaßliche Bande von Betrügern vor Gericht stehen.

Dienstag, 23.02.2021, 06:54 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 09:46 Uhr
Die Wohnmobil-Bande steht vor Gericht (Symbolbild). Foto: dpa

Der Kopf der Gruppe, die Wohnmobile anmietete und mit gefälschten Papieren weiterverkaufte, soll ein Ehepaar aus Essen (27 und 31) sein. Als Mittäter gelten ein Montenegriner ohne Wohnsitz in Deutschland sowie ein Gelsenkirchener (beide 36).

Wie das Quartett aufflog und geschnappt wurde, war jetzt das Hauptthema am mittlerweile siebten Prozesstag. Nachdem ein 41 Jahre alter Wohnmobileigentümer aus Lichtenau Ende Mai sein Fahrzeug vermietet hatte, wurde er schnell misstrauisch, wie der Ermittlungsleiter der Paderborner Polizei berichtete. Der Mann habe sich mit seinem Verdacht an die Paderborner Kripo gewandt, die zunächst Funkzellendaten auswertete und ein Passfoto des „Abholers“ polizeiintern veröffentlichte – aus Bielefeld kam die Rückmeldung, dass dort ein gleiches Foto vorhanden war, von einer Betrugstat von Mitte April. Weitere Auswertungen von Mobilfunkdaten wiesen zwar auf eine Betrügerbande hin, aber erst als der Bielefelder Geschädigte eine neue Anzeige als Lockangebot ins Internet stellte, „da kam Drive in die Sache“, wie der Kommissar erklärte.

Wie dieser „Drive“ aussah, berichtete das Paar aus Bielefeld selbst vor dem Landgericht. Nachdem die vorgeblichen Mieter das Carado-Wohnmobil unter einem Vorwand noch einmal für eine Woche länger behalten hätten, sei ein weiterer Kontakt zu ihnen nicht mehr möglich gewesen, sagte die 44-jährige Lebensgefährtin des Vaters des Eigentümers. Sie habe dann – nach einer Idee ihres Freundes, die Täter ihrerseits hereinzulegen – auf Ebay-Kleinanzeigen Ende Mai eine Vermietungsanzeige geschaltet, aber ohne dass es tatsächlich ein Fahrzeug gab. Etwa eine Woche später habe sich tatsächlich ein Interessent gemeldet. Mit ähnlicher Hintergrundgeschichte wie zuvor – mit frisch eröffnetem Ebay-Konto und jeder Menge Rechtschreibfehlern in der Kontakt-Meldung.

„Da hab ich gedacht: Das sind die, 100-prozentig“, sagte die resolut wirkende Frau. Dann habe man in enger Abstimmung mit der sofort eingeschalteten Polizei eine Vermietung angebahnt, und die Übergabe für den 7. Juni im Gütersloher Stadtteil Isselhorst vereinbart. Dort wartete dann an jenem Sonntagnachmittag nicht nur ein präpariertes Fahrzeug, sondern auch das Spezialeinsatzkommando der Bielefelder Polizei – das beim Zugriff sogar die Fahrerseite des Audi A6 „entglasen“ musste, um die drei Insassen herauszubekommen. Der Vierte war – zu Fuß – an dem Übergabeort des Wohnmobils festgenommen worden.

Gegen die Vier hatte die Kripo jedoch mehr in der Hand als nur ihre Anwesenheit bei der vorgetäuschten Wohnmobil-Übergabe: Mobilfunkdaten und mitgehörte Sondierungsgespräche mit Wohnmobil-Vermietern. Der Karton eines Handys, von dem aus Telefonate geführt worden waren, konnte in der Wohnung des Essener Ehepaares ebenfalls sichergestellt werden.

Für den nächsten Prozesstag im März haben die Verteidiger der Essener angekündigt, das Ehepaar wolle sich – nach drei Monaten Verhandlungsdauer – zu den Vorwürfen äußern.

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