Vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst betreute Familie hofft auf Impfung
Für Marcel (21) wäre eine Ansteckung lebensbedrohlich

Paderborn/Salzkotten -

In der Diskussion um die Reihenfolge bei den Corona-Impfungen meldet sich der Deutsche Kinderhospizverein zu Wort. Ein Beispiel aus Salzkotten zeigt, dass auch Angehörige und Kontaktpersonen von schwer erkrankten Kindern so schnell wie möglich geimpft werden sollten, um diese nicht weiter zu gefährden.

Dienstag, 09.02.2021, 03:00 Uhr
Für den schwerkranken Marcel D. und seine Mutter Manuela stellt die Corona-Pandemie eine besondere Belastung dar. Foto: Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter

„Die verbleibende gemeinsame Zeit möchten wir bestmöglich miteinander verbringen“, sagt die Mutter Manuela D. aus Salzkotten. Die Familie wird vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn/Höxter begleitet und unterstützt. Wie Familie D. gehe es auch anderen Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind, teilte der Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn/Höxter mit. Der Alltag der Familie sei seit knapp einem Jahr von der Angst vor einer Infektion mit Covid-19 bestimmt.

Bei Familie D. hat Sohn Marcel (21) eine lebensverkürzende Erkrankung, weshalb eine Ansteckung für ihn lebensbedrohlich wäre. Eine Situation, die das Leben und das Miteinander innerhalb der Familie stark belasten. „Wir sind Zeit seines Lebens Einschränkungen im Alltag gewohnt und haben schon viele Krisen gemeistert, aber mit Ausbruch der Pandemie wurde unser Leben nochmals auf den Kopf gestellt und wir mussten schnell neue Strategien für unseren Alltag entwickeln“, betont Manuela D. Doch die Sorge um eine Ansteckung bleibe, denn Marcel sowie auch alle anderen Familienmitglieder sind noch ohne Impfschutz und in der priorisierten Impfstrategie nicht vorgesehen.

Auch Marcels Bruder, der sich im Studium befindet, wolle kein Überträger sein und halte Abstand zu seinem Bruder, mit dem er sonst so gerne Zeit verbringt. Denn gemeinsame Zeit und Nähe ist kostbar für die Familie, vor dem Hintergrund von Marcels lebensverkürzender Erkrankung. „Die häusliche Isolation ist schon schlimm genug. Der Gedanke sein eigenes Kind zu gefährden und deshalb auf Abstand bleiben zu müssen, bringt uns alle an Grenzen“, sagt die Familie.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensbedrohlicher oder lebensverkürzender Erkrankung haben häufig zahlreiche Vorerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem als Folgen ihrer Grunderkrankung. Bei einer Infektion mit Covid-19 ist nach Angaben des Hospizdienstes in der Mehrzahl ein schwerer Verlauf zu befürchten. Junge Menschen wie Marcel D. sind in den allermeisten Fällen auf Pflege durch Zugehörige, Pflegepersonal oder Assistenzkräfte angewiesen. Seit Monaten schränken sie daher ihre Kontakte auf ein Mindestmaß ein. Elternteile oder Geschwister müssen teilweise seit vergangenem Jahr von ihren Familien getrennt leben, um weiterhin arbeiten oder zur Schule gehen zu können und das erkrankte Familienmitglied trotzdem zu schützen.

Dies zeige dem Kinderhospizverein, wie dringend notwendig eine Impfung aller Kontaktpersonen der jungen Menschen mit lebensverkürzender Erkrankung ist. Daher habe der Verein eine Stellungnahme an die Bundesregierung und die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts verfasst, die darauf abzielt, den schnellstmöglichen Impfschutz für junge Erwachsene mit lebensbedrohenden oder lebensverkürzenden Erkrankungen sicherzu­stellen.

Sollte die Stellungnahme Erfolg haben, könnte auch Familie D. aus Salzkotten wieder beruhigter mehr Zeit mit Marcel verbringen.

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