Glasmalerei Peters zieht positive Jahresbilanz 2020: Trotz Corona konnten 180 Projekte verwirklicht werden
In Paderborn entsteht Kunst für die ganze Welt

Paderborn -

Mit vier 3,60 Meter hohen, farbigen Glasstelen als Teil der Kunstinstallation von Tobias Kammerer hat die Glasmalerei Peters in der Liboriwoche die Welt zumindest symbolisch auf den Paderborner Marktplatz geholt. Gleichzeitig hat sie im vergangenen Jahr mit 180 Projekten gläserne Visitenkarten aus Paderborn rund um den Erdball hinterlassen.

Donnerstag, 28.01.2021, 12:23 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 12:26 Uhr
Für die Fenster der Dorfkirche in Garitz hat der Künstler Tony Cragg wissenschaftliche Symbole entworfen, um so Wissenschaft und Glauben zu verbinden. Gefertigt hat sie die Glasmalerei Peters aus rubinrotem Echtantikglas mit einer der ältesten Maltechniken und historischen Materialien. Foto: Glasmalerei Peters

„Da unsere Projekte in der Regel einen langen Vorlauf haben, haben wir die Corona-Pandemie 2020 wirtschaftlich nicht so sehr zu spüren bekommen wie andere Unternehmen“, sagt Dorothea Peters, die für den Marketingbereich im Familienunternehmen verantwortlich zeichnet. „Gelitten haben allerdings die persönlichen Begegnungen mit den Künstlern, mit denen wir zusammenarbeiten. Das fehlt uns.“ Die Künstler, deren Entwürfe die 70 Mitarbeiter in Glas umsetzen, sind ebenso international wie die Projekte der Glasmalerei. Der Austausch erfolgte im vergangenen Jahr allerdings kaum über persönliche Treffen, sondern vor allem virtuell, über Fotos und Videos.

Tony Cragg ist vor allem bekannt für seine Skulpturen. Für die evangelische Kirche Garitz entwarf der Künstler erstmals Glasfenster.

Tony Cragg ist vor allem bekannt für seine Skulpturen. Für die evangelische Kirche Garitz entwarf der Künstler erstmals Glasfenster. Foto: dpa

Ein Glanzlicht des vergangenen Jahres war für die traditionsreiche Glasmalerei die Zusammenarbeit mit dem durch seine Skulpturen weltbekannten Künstler Sir Tony Cragg, mit dem es auch echte Begegnungen in seinem Atelier sowie in der Paderborner Werkstatt gab. „Für ihn war es das erste Mal, das er mit Glasobjekten gearbeitet hat. Dass wir das als Werkstatt begleiten durften, war für uns eine große Ehre“, sagt der zuständige Peters-Projektleiter David Arngold. Tony Cragg entwarf Fenster für die kleine evangelische Dorfkirche in Garitz (Sachsen-Anhalt). Aus kostbaren mundgeblasenem rubinrotem Echtglas, das in einer Glashütte in Bayern geblasen wurde, fertigten die Glasspezialisten aus Paderborn die Kirchenfenster – zeitgenössische Kunst, die mit historischen Materialien und einer der ältesten Maltechniken umgesetzt wurde.

Das Projekt in Jerusalem ist für David Arngold, Projektleiter der Glasmalerei Peters, auch wegen der historischen Stätte ein ganz besonderes. Die vorhandenen Glasfenster sind erst vor einigen Jahrzehnten bei einer Renovierung eingesetzt worden. Sie werden ausgebaut und eingelagert.

Das Projekt in Jerusalem ist für David Arngold, Projektleiter der Glasmalerei Peters, auch wegen der historischen Stätte ein ganz besonderes. Die vorhandenen Glasfenster sind erst vor einigen Jahrzehnten bei einer Renovierung eingesetzt worden. Sie werden ausgebaut und eingelagert. Foto: Glasmalerei Peters

Der Spagat zwischen Tradition und Moderne gehört für die Glasmaler zum Arbeitsalltag. Beidem fühlen sie sich gleichermaßen verpflichtet, berichtet Dorothea Peters. „Etwa 50 Prozent unserer Aufträge sind Restaurierungen, die andere Hälfte Neuanfertigungen.“ Entsprechend sind die in Paderborn gefertigten Fenster und Glasobjekte neben Kirchen auch in vielen profanen Bauten zu bewundern – in einer öffentlichen Schule in der New Yorker Bronx ebenso wie auf dem Gelände der Abfallentsorgung-Gesellschaft Ruhrgebiet in Herten. Ein solches Projekt aus 2020 ist auch in der Universität Paderborn verwirklicht worden. Für die neue „Belgien-Lounge“, einem Verbindungsgang zwischen Bibliothek und I-Gebäude, sind Glasfenster nach Entwürfen des wallonischen Künstlers Etienne Tribolet sowie der flämischen Künstlerin Christine Vanoppen gefertigt worden. Finanziert wurde das Projekt durch die Uni Paderborn sowie der belgischen Regionen und Gemeinschaften. Zur offiziellen Enthüllung, die coronabedingt noch aussteht, rechnet Dorothea Peters mit einem Besuch des belgischen Königs Philippe.

Ein weiteres HochschulProjekt wird an der katholischen Universität im südkoreanischen Incheon verwirklicht. Für die dortige Kapelle hat der Künstler Thierry Boissel Kompositionen farbiger, mundgeblasener Echt-Antikgläser entworfen, die derzeit installiert werden. „Die charakterstarken Gläser werden per Hand geschnitten und auf Sicherheitsglas aufgebracht“, erläutert David Arngold.

David Arngold ist für die Glasmalerei unter anderem Projektleiter in Garitz und in Jerusalem.

David Arngold ist für die Glasmalerei unter anderem Projektleiter in Garitz und in Jerusalem.

Neben dem Rückblick auf viele besondere Projekte, blickt Arngold mit großer Vorfreude auf das, was ihn in diesem Jahr erwartet und zwar auf dem Zionsberg in Jerusalem. „Für die Dormitio, eine das Stadtbild prägende Pilgerattraktion werden Fenster aus kostbaren, transluzenten bis opalen Onyx-Steinen gefertigt.“ Diese Natursteinfenster ersetzen die bunten, nicht historischen Kirchenfenster, die dort nachträglich eingesetzt wurden und künftig eingelagert werden sollen. Arngold war zusammen mit dem Erzdiözesanbaumeister aus Köln, Martin Struck, als Bauherrenvertreter im Sommer in Verona um die seltenen Onyx-Platten auszusuchen. Für die künstlerische Gestaltung der Steine-Fenster ist zudem der Paderborner Architekt und Künstler Heinrich Micus in das Projekt eingebunden. „An einem so traditionsreichen Ort im heiligen Land für eine komplette Kirche mit diesem Material arbeiten zu dürfen, ist hochspannend“, freut sich David Arngold, Teil dieses besonderen Projektes sein zu dürfen.

Weitere besondere Projekte des Jahres 2020 gibt es auf der Internetseite der Glasmalerei unter www.glasmalerei.de/jahresrueckblick-2020/ zu sehen.

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