20 Paderborner Schulen können künftig Teams von Microsoft nutzen
Investitionen in die Lernstatt

Paderborn -

Nach den Cyberattacken auf die Lernstatt und der Kritik an der städtischen Schulplattform können künftig 20 Paderborner Schulen mit dem Konferenzsystem MS Teams arbeiten. Zwölf weitere Schulen hätten sich dem im vergangenen Jahr gestarteten Pilotversuch angeschlossen, sagte Bürgermeister Michael Dreier am Dienstag.

Dienstag, 26.01.2021, 21:42 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 07:16 Uhr
Corona und Cyberattacken machen der Lernstatt sowie Bernd Kürpick (links) und Ralf Bilger schwer zu schaffen. Foto: Jörn Hannemann

Bei einer digitalen Pressekonferenz zur Zukunft der Lernstatt versprach Dreier: „Wir werden da, wo es notwendig ist, weiter investieren – in Technik und Personal.“

Damit das Konferenzsystem von Microsoft genutzt werden kann, macht die Stadt nach eigenen Angaben 240.000 Euro locker, in die Lernstatt investiert sie jedes Jahr 1,5 Millionen Euro. Nachdem die Corona-Pandemie Distanzunterricht erzwungen hatte, sei die IT-Infrastruktur etwa durch zusätzliche Mailserver aufgerüstet worden, weil sich allein die Anzahl der E-Mails verdreifacht habe, erläuterten der technische Verantwortliche der Lernstatt, Burkhard Pöhler, der Geschäftsführer der GKD Paderborn, Bernd Kürpick, und der technische Leiter der GKD-Tochter OWL-IT, Ralf Bilger. In den vergangenen Wochen sei aber nicht die eigene Technik für die Ausfälle verantwortlich gewesen, sondern vielmehr eine Vielzahl massiver Cyberattacken von außen.

Ergänzt durch MS Teams und Office 365 von Microsoft will Bürgermeister Dreier an der Lernstatt, die es seit mittlerweile 20 Jahren gibt, festhalten: „Ich hielte es für falsch, jetzt die Pferde zu wechseln und etwa Logineo zu übernehmen.“ Die Lernstatt sei leistungsstark und man werde „mit Nachdruck in das System investieren“. Demnach soll auch das bislang siebenköpfige Personal aufgestockt werden. Bei Logineo handelt es sich um die landesweite Unterstützungsplattform für Schulen und Lehrer, die auch die heimische CDU für gut und sinnvoll erachtet und die dabei auf den Messenger-Dienst mit Videokonferenzoption hinweist.

Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, Christel Rhode, verwies auf die inzwischen hohe Zahl von Endgeräten für Schüler und Lehrer: „Wir haben den Bedarf, der von den Schulen angemeldet wurde, abgedeckt.“ Allein 3000 Geräte seien an Kinder aus sozial schwachen Familien weitergegeben worden. Lehrerlaptops seien im Zuge eines Förderprogramms durch neue ausgetauscht worden und die alten an Schüler gegangen. Zusammen mit den 1700 Geräten in Koffersätzen wurden demnach in jüngerer Zeit mehr als 5000 neue Geräte angeschafft.

Die IT-Experten betonten, die massiven Probleme beim Distanzunterricht seit November hätten ihre Ursache nicht in einer möglicherweise zu leistungsschwachen IT. Grund seien Cyberattacken mit dem Ziel gewesen, das Datennetz zu überlasten, sagte Burkhard Pöhler. Konzentrierte Angriffe einer Vielzahl von Rechnern in Südamerika und Osteuropa mit unsinnigen Anfragen an den Mailserver hätten zum Beispiel am 11. Januar das Arbeiten unmöglich gemacht. Weil die Schulen in der Innenstadt an das städtische Glasfasernetz angeschlossen sind, habe es sie besonders hart getroffen. Allein am Montag zählte Pöhler bis 11 Uhr bis zu 30 Angriffe. Die größte bislang registrierte Attacke habe eine Dimension von 80 Gigabit gehabt.

Der technische Leiter der GKD-Tochter OWL-IT, Ralf Bilger, erläuterte, man habe mit einem oder mehreren Bot-Netzen zu kämpfen: „Wir werden von einer Masse Müll geflutet, die uns die Bandbreite nimmt.“ Um gegenzusteuern kauft die Stadt bei dem Internetprovider EWE eine höhere Bandbreite ein und führt mit einem weiteren Anbieter Gespräche. So soll die Bandbreite mehr als verdoppelt werden, um die Lasten besser verteilen zu können, wie Bernd Kürpick ankündigte.

Die zusätzlichen Kosten gehen in die hunderttausende Euro, sagte Schuldezernent Wolfgang Walter, der versprach: „Unser Part ist die Technik, da tun wir das, was wir können.“ Seit Jahren arbeite die Lernstatt daran, die Schulen ans Netz zu bringen. Die Forderung „Das muss schneller gehen“ sei leichter gesagt als getan. Viele Faktoren müssten berücksichtigt werden, das Problem auf MS Teams zu verengen sei so, als würde man ein Auto auf das Radio reduzieren.

Angesichts der Cyberattacken habe man zuletzt „nur reagieren“ können, bedauerte Walter. Sein Fazit des Distanzunterrichts lautet: „Es geht immer was schief, aber 70 Prozent sind schon gut.“ Apropos MS Teams: Bernd Kürpick, Geschäftsführer der Gesellschaft für Kommunikationstechnik, Informations- und Datenverarbeitung, warnte davor, sich zu sehr in die Abhängigkeit von Unternehmen zu begeben. Deren Server könne man nicht kontrollieren, was den Datenschutz erschwere.

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