Paderborner Jugendamt hat erhebliche Probleme mit drei Familien
Mitarbeiter werden mit Tod bedroht

Paderborn -

Mitarbeiter des Paderborner Jugendamtes fürchten um ihr Leben. Sie werden nach Aussage von Jugendamtsleiterin Petra Erger von den Angehörigen dreier Familien mit dem Tod bedroht.

Dienstag, 19.01.2021, 07:01 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 07:14 Uhr
Das Jugendamt am Paderborner Hoppenhof: Ein Sicherheitsdienst ist zwischenzeitlich damit beauftragt worden, den Zugang zum Behördenhaus zu kontrollieren, um die Mitarbeiter zu beschützen. Foto: Jörn Hannemann

Hintergrund sei die Unterbringung von insgesamt acht bis zehn Kindern in Pflegefamilien und Jugendwohneinrichtungen. Die Fälle hingen nicht zusammen und lägen zum Teil anderthalb Jahre zurück. Doch die Bedrohungen seien immer noch aktuell, sagte die Leiterin dieser Zeitung.

Das Mail-Postfach im Jugendamt werde trotz aller Sicherheitsvorkehrungen der Stadt Paderborn mit den eindeutigen Nachrichten geflutet. Mal ist es die Abbildung einer Pistole samt Kugel. Mal ist es ein Bild vom Sensenmann mit den Worten: „Morgen bist Du dran, ich warte um die Ecke auf Dich!“ Mal sind es die Worte: „Ich weiß wo Du wohnst!“ oder „Ich weiß wo Deine Kinder zur Schule gehen!“

Es sei auch schon vorgekommen, dass zuständige Mitarbeiter beim Verlassen der Büros am Hoppenhof angegangen worden seien. Es stand sogar der Versuch des tätlichen Angriffs im Raum, erzählt die Amtsleiterin. Es habe zudem Fälle gegeben, wo Mitarbeiter von Klienten zuhause aufgesucht und bedroht worden seien. „Selbst der Wechsel von Mitarbeitern in andere Zuständigkeiten hat nicht geholfen. Die Bedrohungen gehen weiter“, berichtete Jugendamtsleiterin Erger.

Inzwischen habe das Jugendamt mehr als zehn Bedrohungen zur Anzeige gebracht. Ein Beschuldigter sei nun wohl in Haft, sagte sie. „Seitdem ist es etwas ruhiger geworden.“

95 Prozent der 30 Sozialarbeiter im städtischen Jugendamt seien Frauen, die zum Teil in Angst um sich und ihre Familien lebten. „Wir wollen den Kindern in schwierigen Lebenssituationen helfen und müssen nun um unser Leben fürchten. Das stellt eine sehr hohe emotionale Belastung dar und bleibt in den Kleidern hängen. Die Mitarbeiter haben das Gefühl, dass sie sich nicht gegen die Bedrohungen schützen können. Manche haben auch schon einen Umzug in Erwägung gezogen“, sagte sie. Auch vor diesem Hintergrund wurde zwischenzeitlich ein Sicherheitsdienst engagiert, der den Zugang zum Jugendamt am Hoppenhof überwacht habe.

„Die Bedrohungen haben im Zeitalter der sozialen Medien eine neue Qualität bekommen“, fasst die Amtsleiterin, die seit Jahrzehnten in dem Bereich tätig ist, die Situation zusammen. Immer wieder habe es in der Vergangenheit Probleme mit uneinsichtigen Eltern gegeben. Doch nun hätten diese die Möglichkeit, im Netz nach Gleichgesinnten zu suchen, um gemeinsam Druck gegen die Mitarbeiter des Amtes aufzubauen.

Die bedrückende Situation in der Behörde bliebe nicht ohne Folgen: Die Nachbesetzung freier Stellen falle immer schwerer.

Bevor Eltern die Kinder weggenommen würden, gebe es oftmals vielseitige Hilfen. Wenn der Nachwuchs aber zum Beispiel durch Gewalt gefährdet, vernachlässigt oder sich selbst überlassen werde, würden die Jungen und Mädchen zu ihrem eigenen Schutz an Pflegefamilien oder speziellen Wohneinrichtungen übergeben. Dort bekämen sie vielfältige Unterstützungen und eine psychologische Begleitung, denn viele Kinder wiesen auch psychiatrische Krankheitsbilder auf. Im Zuständigkeitsbereich des Paderborner Jugendamtes befänden sich stets 150 Kinder in einer der 133 Pflegefamilien. Zudem gebe es weitere 150 Jugendliche in entsprechenden Wohneinrichtungen. Diese Zahl sei seit Jahren stabil, sagte Erger.

„Jeden Monat kommen zwei bis drei Kinder neu dazu, andere werden volljährig oder wechseln zurück in ihre Familie“, sagte die Amtsleiterin. Für alle Beteiligten hofft sie, dass sich die Bedrohungslage möglichst schnell entspannt.

 

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