Erzbistum Paderborn kündigt Therapeutin und verliert vor dem Arbeitsgericht
Eheberaterin soll sich verliebt haben

Paderborn (WB) -

Das Erzbistum Paderborn hat einer Eheberaterin gekündigt, die mit einem ratsuchenden Ehemann eine Beziehung eingegangen war. Die Therapeutin klagte und hatte in zwei Arbeits­gerichtsprozessen Erfolg. Zum einen muss sie weiterbeschäftigt werden, zum anderen darf sie nicht in eine weit entfernte Stadt versetzt werden.

Sonntag, 10.01.2021, 22:38 Uhr
Das Erzbistum Paderborn betreibt 22 Eheberatungsstellen. In einer soll sich die Therapeutin in den Ehemann verliebt haben. Foto: imago

Das Erzbistum unterhält eine Ehe-, Familien- und Lebensberatung mit 22 Anlaufstellen in dem Gebiet zwischen Bad Oeynhausen und Siegen sowie Herne und Höxter. 2018 hatte eine neue Familientherapeutin ihre Arbeit aufgenommen, sie wurde in zwei Städten eingesetzt.

Im Sommer 2019 bekam die Leiterin der Beratung einen Beschwerdebrief von einer Ehefrau. Sie gab an, die Therapeutin habe ein Verhältnis mit ihrem Mann. Ihr Namensschild hänge bereits an der Tür der früheren ehelichen Wohnung, außerdem sei die Therapeutin mit ihrem Mann im Sommer im Urlaub gewesen.

Drei Wochen später kündigte das Erzbistum der Mitarbeiterin fristgerecht und stellte sie von ihrer Arbeit frei. Gegen die Entlassung klagte die Frau vor dem Arbeitsgericht.

Sie gab vor Gericht an, die Eheleute hätten schon lange nicht mehr um ihre Beziehung gekämpft, die Frau habe ihren Mann verlassen. Der sei deshalb auch nicht wegen Eheproblemen zu ihr gekommen, sondern wegen einer allgemeinen Lebenskrise. Die Beziehung zwischen ihr und dem früheren Klienten sei auch „nicht romantisch“, sondern lediglich freundschaftlich. Sie habe auch erst nach dem Ende der Therapie begonnen. Und mit dem Namensschild an der Wohnung habe der Ehefrau nur die Trennungsabsicht ihres Mannes signalisiert werden sollen. Der Vertreter des Erzbistums gab dagegen an, die Beziehung habe nach Auskunft der Ehefrau schon während der Beratung bestanden. Damit habe die Therapeutin gegen das Distanzverbot und die kirchliche Grundordnung verstoßen. Nach den ethischen Standards des Deutschen Arbeitskreises für Jugend-, Ehe- und Familienberatung dürfe eine beratende Tätigkeit nicht für private Zwecke ausgenutzt werden. Jeder sexuelle Kontakt habe zu unterbleiben, und auch außerhalb der Beratung solle eine Beziehung vermieden werden – auch nach Ende der Beratung. Das Verhalten der Frau zeige „schwere charakterliche Mängel“.

Doch das Arbeitsgericht Paderborn erklärte die Kündigung für unwirksam. Das Erzbistum habe eine sexuelle Beziehung letztlich nicht beweisen können. Auf so eine Beziehung könne auch nicht aus einem gemeinsam verbrachten Urlaub geschlossen werden. Auch gebe es keinen Beweis, dass es die Beziehung schon während der Beratung gegeben habe. Es gebe nur Vermutungen. Allein eine freundschaftliche Beziehung rechtfertige eine Kündigung ohne Abmahnung nicht und verstoße auch nicht gegen die kirchliche Grundordnung.

Das Erzbistum beschäftigte die Frau also weiter, wies ihr aber einen Arbeitsplatz zu, der 1,5 Autostunden von ihrem Wohnort entfernt gewesen sein soll. Die Therapeutin klagte erneut. Vor Gericht erklärte das Erzbistum, dass ein Mitarbeiterin der katholischen Kirche in einer psychologischen Beratungsstelle mit einem Klienten eine Beziehung aufnehme, sei rufschädigend. Das eigene Leitbild erscheine nicht glaubhaft, wenn die Frau am ursprünglichen Ort weiterbeschäftigt werde. Sie solle in einer anderen Stadt, in der die Kollegen nichts von den Vorgängen wüssten, unbelastet anfangen können.

Das Arbeitsgericht Paderborn entschied, das Erzbistum habe zwar hinsichtlich des Arbeitsortes das Direktionsrecht, dürfe das Recht aber nur „nach billigem Ermessen“ ausüben, also unter Berücksichtigung der Interessen beider Seiten. Eine Versetzung sei nicht geeignet, einen Ansehensverlust des Erzbistums zu verhindern. Nach allgemeiner Lebenserfahrung wüssten die meisten Kolleginnen und Kollegen der Frau inzwischen ohnehin von dem Fall. „Die Frau muss deshalb an ihren ursprünglichen zwei Arbeitsorten weiterbeschäftigt werden.“

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