Problem besteht seit vier Jahren – Schulleiter kritisiert Kreisverwaltung: „Zeitgemäßer Unterricht nicht möglich“
WLAN defekt: Lehrer und Schüler verärgert

Paderborn -

Vor vier Jahren ist an den fünf Berufskollegs im Kreis Paderborn ein WLAN-Netz eingerichtet worden. Wie mehrfach berichtet, war schon der Start holprig gewesen. Der Kreis als Träger der Berufskollegs hat die Probleme offenbar nicht in den Griff bekommen, denn das WLAN funktioniert immer noch nicht einwandfrei.

Montag, 11.01.2021, 03:10 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 07:38 Uhr
Am Berufskolleg Schloß Neuhaus werden 1600 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das WLAN funktioniert dort seit Jahren nicht störungsfrei. Foto: Jörn Hannemann

Vor dem Hintergrund des Distanzlernens, das wegen des verschärften Lockdowns von diesem Montag an wieder erforderlich ist, wiegen die Probleme umso schwerer. Mehr als 9000 Schüler im Kreis Paderborn sind davon betroffen, vor allem am Ludwig-Erhard-Berufskolleg und am Berufskolleg Schloß Neuhaus. „Ich muss für jede Videokonferenz nach Hause fahren“, sagt Matthias Groß, Schulleiter des Berufskollegs Schloß Neuhaus, an dem 1600 Schüler unterrichtet werden. Das WLAN in der Schule sei zu instabil und für Videokonferenzen reiche die Bandbreite nicht aus. Nicht einmal das elektronische Klassenbuch funktioniere. Logischerweise können auch die Schüler nicht während des Unterrichts störungsfrei digital arbeiten, weil das WLAN nicht flächendeckend funktioniert.

Um das Problem abzumildern, hat der Förderverein der Schule vier sogenannte mobile Cubes finanziert, damit einige Klassen erst einmal digital arbeiten können. „Wichtige Lernzeit ist bereits verloren gegangen. Einige Lehrerinnen und Lehrer, die im laufenden Schuljahr aufgrund von Quarantänemaßnahmen sowohl Präsenz- als auch Distanzunterricht erteilten, mussten zwischen zuhause und der Schule pendeln. Distanzunterricht wurde überwiegend vom heimischen WLAN aus erteilt“, erläutert Groß.

400 Notebooks und Tablets noch nicht ausgeliefert

Auch bei der Ausrüstung der Lehrer und Schüler mit Endgeräten aus Digitalpaktmitteln kommt der Kreis nicht schnell genug voran. Zwar haben die Lehrer am Berufskolleg Schloß Neuhaus bereits iPads, die sie 2018 aus dem regulären Investitionsbudget angeschafft haben, und das Kollegium am Ludwig-Erhard-Berufskolleg erhielt Mitte Dezember etwa 100 Endgeräte, aber 400 Notebooks und Tablets für die Lehrer der anderen Berufskollegs im Wert von 500.000 Euro seien vom Kreis Paderborn immer noch nicht ausgeliefert worden.

Zudem fehlen Endgeräte für die Schüler. „Wir brauchen diese Geräte dringend für die Schüler, die sich kein eigenes Notebook oder Tablet leisten können“, sagt Groß. Er geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Schüler in der Handels- und Höheren Handelsschule bedürftig sind. „Ohne adäquates Endgerät verlieren wir diese Schüler, da sie keine pädagogische Anbindung haben. Ein Handy alleine reicht nicht.“

Seine Kolleginnen und Kollegen hätten in der Vergangenheit zahlreiche Fortbildungen absolviert, unter anderem mit Microsoft-Teams und zehn weiteren Tools zur Unterrichtsgestaltung, um den Distanzunterricht so gut wie möglich anbieten zu können. Die Belastung aufgrund der fehlerhaften Technik sei mittlerweile jedoch „an der Grenze, die Unzufriedenheit groß“.

Andere Kreise sind schon weiter

Was die Lehrer sich wünschten, sei eine funktionierende technische Lösung, die einen zeitgemäßen Unterricht ermögliche. Dazu gehörten Videokonferenzen, kollaboratives Arbeiten in Gruppen und Nutzung von Lern-Apps und -videos. Andere Schulträgerbezirke seien bei der technischen Ausstattung besser aufgestellt. Zum Beispiel verfügen die Berufskollegs in den Kreisen Lippe, Höxter und Minden über stabile WLAN-Lösungen. Zwar hat der Kreis Paderborn zuletzt erheblich in Personal für den IT-Bereich an den Berufsschulen investiert. In der neuen Stabsstelle Schul-IT arbeiteten mittlerweile fünf Mitarbeiter und ein Abteilungsleiter. Zur Lösung der Probleme scheint das allerdings nicht wesentlich beigetragen zu haben.

„Wir könnten viel weiter sein, wenn wir mitentscheiden dürften. Wir haben zum Beispiel vorgeschlagen, Lehrerendgeräte in Schülerendgeräte umzuwandeln, um bedürftige Schüler zu unterstützen. Das hat der Schulträger aber nicht aufgegriffen“, erläutert Norbert Damke, stellvertretender Schulleiter in Schloß Neuhaus. Groß und Damke wünschen sich mehr Eigenständigkeit als Schule und mehr Pragmatismus beim Kreis. Bis 2019 hatte die Schule ein eigenes IT-Budget in Höhe von rund 100.000 Euro. „Das wurde uns aber weggenommen, weil die Mittel jetzt zentral vom Kreis verwaltet werden“, sagt Damke.

Kreis will nun neues WLAN-Netz installieren

Der Kreis räumt die Probleme ein. Wie Sprecherin Michaela Pitz erläuterte, handele es sich um ein kompliziertes WLAN-System, das 2016 installiert worden sei. Das System sollte mit der pädagogischen Oberfläche SNV (Schulnetzverwalter) kompatibel sein. Auch Rechercheergebnisse sollten in den Schülerordnern abgelegt werden können. Das sei bei herkömmlichen Systemen nicht möglich. Den Auftrag erhielt damals eine Firma aus Schwäbisch Hall, die mit der Paderborner Firma Octogate kooperierte. Offenbar gab es zu Beginn Fehler bei der Programmierung der Firewall, die das Netzwerk vor Viren schützen soll. Die Firma aus Schwäbisch Hall sei mehrfach abgemahnt worden.

Am Berufskolleg Schloß Neuhaus seien inzwischen in zwei Klassen und im Lehrerzimmer Access-Points aufgestellt worden, die das WLAN partiell stabilisieren sollen. Es sei aber richtig, sagte Pitz, dass die Bandbreite für Videokonferenzen nicht ausreiche. Weitere Access-Points sollen nun angeschafft werden. Zudem soll ein neues WLAN an den Berufskollegs aufgebaut werden. Dafür sollen 650.000 Euro aus Mitteln des Digitalpakts des Bundes beantragt werden. Der Schulausschuss will sich am 18. Januar erneut mit dem Thema befassen.

Kommentar

Stellen Sie sich vor, Sie brauchen WLAN, um arbeiten zu können. Wer würde es vier Jahre hinnehmen, dass diese Technik nicht funktioniert? Niemand! Schnellstmöglich würde jeder nach einer Lösung suchen und die Technik zur Not austauschen.

Das ist hier über Jahre versäumt worden. Spätestens im ersten Lockdown mit Distanzunterricht hätte der Kreis aufwachen und die Dringlichkeit des Problems erkennen müssen. Hunderttausende Euro wurden schon in das Projekt gesteckt, wirklich gebracht hat das nichts. Auch die Mitglieder des Schulausschusses müssen sich fragen lassen, ob sie die bisherigen Maßnahmen ausreichend hinterfragt und das Problem ernst genommen haben.

Etwa eine Million Euro gibt der Kreis dem Vernehmen nach jährlich für die IT an seinen Berufskollegs aus. Die Supportkosten sind mittlerweile höher als die Investitionskosten für die Ausstattung. Es wird Zeit, dass der neue Landrat dieses Thema zur Chefsache macht, damit Berufsschüler und Lehrer nicht länger unter diesen schlechten Bedingungen leiden.

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