Junge Russin hatte sich ihr Austauschprogramm ganz anders vorgestellt
Assistentin steckt in Paderborn fest

Paderborn -

In normalen Zeiten kann Diana Mukhamedzhanova „eben mal von Europa nach Asien spazieren“. Sie kommt aus der russischen Stadt Orenburg in der Nähe der Grenze zwischen Russland und Kasachstan. Der Fluss Ural trennt die Stadt in einen nördlichen Teil in Europa und in einen südlichen in Asien. Orenburg und Spaziergänge auf zwei Kontinenten sind für die 23-jährige Russin derzeit aber weit weg.

Samstag, 09.01.2021, 02:02 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 02:10 Uhr
Diana Mukhamedzhanova würde im Pelizaeus-Gymnasium gern mehr Kontakte knüpfen. Das Virus lässt es nicht zu. Foto: Jörn Hannemann

Als Fremdsprachenassistentin am Pelizaeus-Gymnasium steckt sie in Paderborn fest und kann wegen Corona nicht einmal Deutschland bereisen.

„Wenn man keine Gelegenheit hat, aus der Stadt rauszukommen und nur zuhause sitzt, ist das schon ein bisschen deprimierend“, gibt die junge Russin zu. Die Russischlehrerin Heike Bracher schätzt die Fremdsprachenassistentin sehr, sie sei eine Ent- und keine Belastung, lobt sie. In dieser außergewöhnlichen Zeit betreut sie die junge Frau auch außerhalb der Schule und hat ihr zum Beispiel ein Fahrrad besorgt. Als noch Präsenzunterricht stattfand, war Diana Mukhamedzhanova in jeder Unterrichtsstunde dabei, gestaltete selbst eigene Abschnitte, las Texte vor und half den Schülerinnen und Schülern bei der Aussprache. Vier Russischkurse gibt es ab Klasse 10 am Pelizaeus-Gymnasium, das einen Schüleraustausch mit dem russischen Pskow unterhält.

Seit Oktober 2019 ist die Schule die Wirkungsstätte von Diana Mukhamedzhanova. Sie hat in Orenburg Germanistik und Linguistik studiert und kam über ein Programm des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) in Bonn in die Domstadt. Hier soll sie Einblicke in das Bildungswesen erhalten und als Muttersprachlerin die Russischlehrerinnen Heike Brachmann und Jana Müller unterstützen.

Ohne Corona lief alles gut, aber inzwischen ist Diana Mukhamedzhanova zur Untätigkeit verdammt. Sie hatte auf das neue Jahr gehofft, aber nach den Weihnachtsferien soll der Unterricht ab Montag nicht in den Klassen, sondern in digitaler Form fortgesetzt werden. „Ich würde gerne tanzen“, sagt die 23-Jährige, aber auch Tanzschulen und Diskotheken sind geschlossen. „Ich wollte mich ausprobieren und meine Sprachkenntnisse verbessern, mehr über Deutschland erfahren, mehr Reisen unternehmen“, beschreibt „Diana“, wie sie an der Schule genannt wird, ihre Pläne, die die Pandemie zunichte gemacht hat.

Diana Mukhamedzhanova und Lehrerin Heike Brachmann betrachten den Russland-Schaukasten im Gymnasium.

Diana Mukhamedzhanova und Lehrerin Heike Brachmann betrachten den Russland-Schaukasten im Gymnasium. Foto: Jörn Hannemann

Das Austauschprogramm des PAD sehe vor, dass die Fremdsprachenassistenten zwölf Stunden in der Woche in der Schule sind und ansonsten viel Zeit haben, um Deutschland und Europa kennenzulernen, erzählt Heike Brachmann. All das könne Diana Mukhamedzhanova nicht: „Ich habe schon viele Fremdsprachenassistentinnen und einen Assistenten betreut, aber so eine Situation hatte ich noch nie.“

Weimar, Berlin, Trier, Wien, Prag, Norderney: Das sind regelmäßige Ziele von Fahrten der Schüler und Lehrer des Pelizaeus-Gymnasiums. Gern würde die Russin mitfahren. Aber auch Schulfahrten sind wegen Corona nicht möglich. Ihre Zeit in Paderborn läuft Ende Mai 2021 ab. Sie hatte sich erfolgreich um ein zweites Jahr als Fremdsprachenassistentin beworben. Als ihr Visum Ende Mai 2020 abgelaufen war und sich die Länder wegen des Virus abschotteten, wurde Diana Mukhamedzhanova „langsam panisch“. Das Ausländeramt der Stadt Paderborn löste das Problem mit dem Visum schließlich.

Silvester wollte sie eigentlich mit ihrer Familie in Orenburg feiern. Die damit verbundenen Unsicherheiten im Hinblick auf Corona-Tests, Quarantäne und ungewisse Flugverbindungen hielten sie davon ab. So blieb ihr nur, mit den Angehörigen daheim zu skypen.

In finanzielle Not ist die Russin nicht geraten. Über ein Stipendium erhält sie 850 Euro im Monat. Sie lebt in einer WG und bringt sich jetzt das Zeichnen bei. Paderborn empfindet sie als „ein bisschen zu klein“. Für junge Leute gebe es wenig Angebote, dafür sei alles zu Fuß gut zu erreichen und die Naturlandschaft attraktiv. Den Lockdown in Deutschland unterstütze sie, sagt die 23-Jährige. In ihrer Heimatstadt Orenburg mit 550.000 Einwohnern sind die Geschäfte weiter geöffnet – dort, wo man von einem Kontinent auf den anderen spazieren kann.

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