Mordprozess am Landgericht Paderborn: Tochter soll in Borchen ihre Mutter umgebracht haben
Noch mehr Anträge der Anwälte

Paderborn/Borchen -

Seit Oktober verhandelt das Landgericht Paderborn den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen. Auf der Anklagebank sitzt ihre Tochter Sandra N. Sie soll spielsüchtig gewesen sein und die Seniorin umgebracht haben, um an Geld zu kommen.

Donnerstag, 07.01.2021, 06:47 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 08:02 Uhr
Sandra N. wird in den Saal gebracht: Sie soll ihre 76 Jahre alte Mutter umgebracht haben. Foto: Jörn Hannemann/Archiv

Am Mittwoch ging es nun um die Frage, ob das Opfer geschlafen hatte, als es getötet wurde. Wäre das so gewesen, wäre der Angriff heimtückisch gewesen – nach dem Strafgesetzbuch ein Merkmal für einen Mord. „Wir können nicht sicher davon ausgehen, dass die Getötete zum Tatzeitpunkt geschlafen hat“, sagte jedoch Dr. Justus Beike, Rechtsmediziner und Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin in Münster, vor Gericht. Unstrittig sei aber, dass der 76-Jährigen Schlafmittel verabreicht worden seien – die Auswirkungen auf den jeweiligen Organismus seien jedoch individuell. „Bei der festgestellten Menge können wir aber davon ausgehen, dass das Opfer sediert wurde“, sagte der Experte.

Auch wenn die Tat nicht heimtückisch gewesen sein sollte, bleibt möglicherweise das Mordmerkmal der Habgier, das zu einer entsprechenden Verurteilung führen könnte.

Die Verteidiger Mario Prigge und Christian Kemperdick nutzten den elften Verhandlungstag, um weitere Anträge zu stellen und nichts unversucht zu lassen. Bereits in vorherigen Sitzungen reichten die Anwälte zahlreiche Beweisanträge ein. Unter anderem will die Verteidigung erreichen, dass geschredderte Kontoauszüge, die im Keller des gemeinsamen Wohnhauses gefunden wurden, vor Gericht behandelt werden. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass die Kontoauszüge unserer Mandantin gehören“, heißt es in der Antragsstellung. Außerdem wollen die Verteidiger, dass Kissen und Bezüge am Tatort auf Speichelspuren des damaligen Ehemanns Dr. Ralf L. untersucht werden. L., der wie seine Frau beim Kreis Paderborn arbeitete, saß nach der Bluttat zunächst drei Monate in Untersuchungshaft, bevor er vor einem Jahr freikam. Des Weiteren sollen laut Antrag zwei Mitarbeiter des Kreises Paderborn und der Leiter der Mordkommission vernommen werden.

Der Prozess soll am 20. Januar fortgesetzt werden. Die Urteilsverkündung ist für den 17. Februar geplant. Ursprünglich hätte der Prozess noch 2020 seinen Abschluss finden sollen.

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