Frauenhaus Paderborn erlebt ruhige Feiertage, warnt aber vor falschen Schlüssen
„Wir haben generell viel zu wenig Plätze“

Paderborn -

Die Polizei spricht von „absolut unauffälligen Zahlen“, was die Fälle häuslicher Gewalt angeht. Auch das Frauenhaus Paderborn erlebte zwischen Weihnachten und Neujahr keinen Ansturm von Frauen, die verprügelt wurden.

Montag, 04.01.2021, 23:29 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 09:15 Uhr
Unter Gewalt leiden Frauen nicht nur an Feiertagen, sondern das ganze Jahr über. Bei akuten Übergriffen sollten sie die Polizei alarmieren, rät das Frauenhaus Paderborn, das inzwischen über 15 Plätze verfügt. In ihrer Koalitionsvereinbarung haben CDU und Grüne die Förderung der Einrichtung als eines der Ziele festgelegt. Foto: dpa-tmn

Den im Vorfeld unter anderem von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey befürchteten Corona-Effekt an den Feiertagen, wonach sich der durch die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen seit März angestaute Frust zu Weihnachten in Gewalt entladen könnte , hat es zumindest im Kreis Paderborn offenbar nicht gegeben. Die Kreisvorsitzende der Grünen und treibende Kraft im Frauenhaus Paderborn, Norika Creuzmann, warnte am Montag aber davor, den Schluss zu ziehen, solche Einrichtungen bräuchten weniger Förderung. „Kommunen wären ganz schlecht beraten, wegen Corona im sozialen Bereich zu sparen. Das würde sich als Bumerang erweisen“, sagte sie dem WESTFALEN-BLATT.

Dass es über die Feiertage wenige Anrufe von verzweifelten Frauen bei der Polizei gegeben habe, ändere nichts daran, „dass die Fälle häuslicher Gewalt gestiegen sind“. Seit 29 Jahren beobachtet Norika Creuzmann die Situation im Paderborner Frauenhaus und weiß, dass Frauen in Not nicht immer die Polizei alarmieren, so dass die Dunkelziffer groß sei. Mit mehr Anfragen im Frauenhaus rechnet sie im Januar: „Die Frauen halten die Füße still, bis Silvester vorbei ist.“ Die Corona-Pandemie mit der Folge, dass Familien ständig aufeinanderhocken, habe es Opfern häuslicher Gewalt erschwert, einen günstigen Moment abzupassen, um den Mann zu verlassen oder sich von außen Hilfe zu holen – etwa beim Kinderarzt oder der Erzieherin in der Kita.

Das hat auch die Fachberaterin der Frauenberatungsstelle Belladonna, Ricarda Hoffmeister, beobachtet. In Zeiten des Lockdowns hätten Frauen weniger Möglichkeiten, unbemerkt anzurufen. „Als nach dem ersten Lockdown wieder gelockert wurde, die Kinder in die Kitas und Schulen gingen und die Männer nicht so viel Home Office gemacht haben, haben die Frauen hier sehr viel mehr angerufen“, stellte die Expertin fest. Einige Frauen seien offenbar davon ausgegangen, dass wegen Corona auch die Fachberatungsstelle geschlossen sei. Das stimme aber nicht. Belladonna ist unter der Telefonnummer 05251/1219619 erreichbar.

Trotz eines sechswöchigen Aufnahmestopps wegen eines Umzugs und trotz der Pandemie nahm das Paderborner Frauenhaus im vergangenen Jahr 47 Frauen und 41 Kinder auf, 2019 waren es 37 Frauen und 32 Kinder. „Wir haben generell viel zu wenig Plätze in den Frauenhäusern, wir sind immer voll“, betont Norika Creuzmann und denkt dabei nicht zuletzt an die Kinder, die unter der Gewalt in einer Beziehung leiden: „Frauenschutz bedeutet immer auch Kinderschutz. Und Kinderschutz wird bei uns groß geschrieben.“

Das von einem Verein getragene Frauenhaus verfügt über 15 Plätze. Bei akuten Übergriffen sollten Opfer häuslicher Gewalt die Polizei rufen, rät Norika Creuzmann. Die könne den Übeltäter für zehn Tage der Wohnung verweisen und bei der Suche nach einem Platz im Frauenhaus helfen. Die Polizei machte am Montag keine konkreten Angaben zur Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt an den Feiertagen. Generell, sagte Sprecherin Corinna Koptik, sei trotz der psychischen Belastung durch Corona 2020 keine Erhöhung der Fallzahlen festgestellt worden.

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