Ortsvorsteherserie, Teil 3: Hans-Werner Koepsell will in Paderborn-Wewer nicht der verlängerte Arm der Polizei sein
Für den Posten trat er der CDU bei

Paderborn-Wewer -

„Ich bin der Neuling unter den Ortsvorstehern“, sagt Hans-Werner Koepsell. Mögen ihn seine Kollegen noch nicht so gut kennen, so kennen ihn in Wewer die allermeisten. Schließlich war Koepsell von 2013 bis 2019 Oberst der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft, die das Vereinsleben im Ortsteil entscheidend mitprägt.

Dienstag, 05.01.2021, 01:16 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 02:00 Uhr
Hans-Werner Koepsell vor dem Bürgerhaus in Wewer, das er als das gesellschaftliche Zentrum des Ortsteils ansieht. Als Ergebnis der ehemaligen Selbständigkeit sei Wewer eine Gemeinde, „die in sich bestehen kann“. Foto: Oliver Schwabe

Das im Schützenverein geknüpfte soziale Netzwerk will der 67-Jährige jetzt in seinem neuen Amt als Vermittler zwischen unterschiedlichen Interessen nutzen. „Der Ortsvorsteher ist ein Bindeglied, ein Moderator. Ich werde nicht der Aufpasser oder verlängerte Arm der Polizeibehörde sein“, beschreibt der Nachfolger von Volker Odenbach sein Selbstverständnis.

Als Ortsteil weist Wewer einige Besonderheiten auf. Anders als in Elsen und Schloß Neuhaus gibt es dort keinen Bezirksausschuss, in dem über wichtige Sachfragen debattiert wird, sondern „nur“ einen Dorfrat. Der Ortsvorsteher geht davon aus, dass sich der neue Dorfrat im ersten Quartal 2021 konstituieren wird. Mit 7250 Einwohnern ist Wewer zudem einer der größeren Ortsteile und zum Beispiel fast dreimal so groß wie Dahl.

Hinzu kommt die ehemalige Selbständigkeit, erst 1976 wurde Wewer im Gefolge der Gebietsreform der Stadt Paderborn zugeordnet. „Durch die Größe und ehemalige Selbständigkeit haben wir alles vor Ort, es ist eine Gemeinde, die in sich bestehen kann“, betont Hans-Werner Koepsell und verweist auf die drei Kindergärten mit ausgelagerten Gruppen, das Seniorenwohnheim an der Kirche und das Bürgerhaus.

Apropos Bürgerhaus: Es liegt am Delbrücker Weg in einem Bereich, den der Ortsvorsteher das „gesellschaftliche Zentrum“ Wewers nennt. Hier liegen die Almeschule, ein Kindergarten, die Bücherei und der Polizeiposten nah beieinander. Dass überhaupt noch ein Polizeibeamter regelmäßig durch den Ort geht, begrüßt Koepsell ausdrücklich: „Schon die Präsenz ist wichtig.“ Die Infrastruktur stimmt also, gleichwohl ist aber in Wewer nicht alles Gold, was glänzt.

Von den Gasthäusern ist eigentlich nur noch Bernemann übrig geblieben, auch Wewer konnte sich vom Trend des Kneipensterbens nicht abkoppeln. „Wir sind ja selbst schuld, wann gehen wir schon mal ins Wirtshaus?“, fragt Hans-Werner Koepsell. Heute träten die Vereine selbst als Veranstalter auf. Die Schützenbruderschaft macht da keine Ausnahme und vermietet das Bürgerhaus an andere Vereine. Koep­sell selbst ist Vorsitzender des Vereins Bürgerhaus Wewer.

Neben der Bruderschaft mit 1000 Schützen und dem Fußballverein SV Wewer ist die Kirche ein Eckpfeiler des Ortsteillebens, und das nicht nur für Ältere. „Die katholische Jugendgemeinde (KJG) ist ein wichtiger Bestandteil, um die Jugendlichen zu binden und zu entwickeln. Sie veranstaltet sehr viel.“ Der Ortsvorsteher möchte die bestehenden Strukturen nutzen, den Austausch mit den Organisationen pflegen und so „den Geist der Einheit stärken“.

Das Amt ist ihm so wichtig, dass er der CDU auf deren Wunsch beitrat. Bis dato war Hans-Werner Koepsell parteilos. Aus Westfalen stammt er nicht, sondern gebürtig aus Berlin. In Hessen wiederum war er acht Jahre lang Soldat der Bundeswehr, in Frankfurt studierte er Elektrotechnik. Danach stellte ihn ein englischer Hersteller von medizinischen Geräten als Servicetechniker und Repräsentant für Norddeutschland ein. Damals, noch in Hessen, nahmen er und seine Frau einen Atlas zur Hand und schauten nach, was zwischen Kassel und Dortmund liegt: Paderborn. Und so kam das Paar 1983 nach Wewer und beschloss, hier zu bleiben, als Tochter Patricia in den Kindergarten kam. Von Wewer aus arbeitete Hans-Werner Koepsell bis vor drei Jahren als Verkaufsleiter eines Technologiekonzerns.

Die Fähigkeit, Teams zu leiten und Reden zu halten, kommt ihm in seinem Amt als Ortsvorsteher zugute, glaubt Hans-Werner Koepsell: „Man darf nicht kontaktscheu, muss offen in der Kommunikation sein. Und man muss die Strukturen, auch die familiären, im Ortsteil kennen.“ Nach 35 Jahren in Wewer glaubt er, diese Bedingungen zu erfüllen. Dass er über seinen Schatten springen kann, beweist er auch als Christ. Obwohl Protestant, besucht er häufiger katholische Gottesdienste als evangelische.

Zwei Dauerbrenner lassen sich aber nur mit Geduld ertragen, Gottvertrauen hilft da auch nicht. Gemeint sind die Baumaßnahmen am Alten Hellweg, der zentralen Dorfstraße, die mit den damit verbundenen Sperrungen die Nerven der Geschäftsleute und Bürgerschaft strapazieren, und die Kanalisationsarbeiten am alten Bahnhof. Und wer den ansonsten vitalen, wachsenden Ortsteil Wewer mal leid sein sollte, kann alle 15 Minuten mit dem Bus nach Paderborn fahren....

Zur Person

Name: Hans-Werner Koep­sell

Ortsvorsteher in: Wewer

Geburtstag: 28. Mai

Familienstand: verheiratet

Beruf: Vertriebsleiter

Hobbys: Radfahren, Schwimmen, Wandern

So ist Hans-Werner Koep­sell erreichbar: 05251/7098002; 0160/ 7905096; hwk-pb@web.de

Was zeichnet Wewer aus?Die gute Infrastruktur.

Was braucht ein Ortsvorsteher unbedingt?Er darf nicht kontaktscheu sein und muss bodenständig bleiben.

Wen würden Sie gerne in Wewer begrüßen, und was würden Sie ihr oder ihm zeigen?NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann. Er kommt aus der Landwirtschaft, ist bodenständig, hat Durchsetzungskraft und weiß, was uns auf dem Land antreibt. Ich würde ihm das gesellschaftliche Zentrum rund um das Bürgerhaus zeigen.

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