Trotz Corona: Spar- und Bauverein sieht keine Branchen-Krise
Weiterhin hohe Wohnungsnachfrage

Paderborn -

Wie wirken sich die Corona-Pandemie und der erneute Lockdown auf den heimischen Immobilien- und Wohnungsmarkt aus? Thorsten Mertens, Vorstandssprecher des Spar- und Bauvereins Paderborn, weiß, wie es um die Branche steht.

Sonntag, 03.01.2021, 19:47 Uhr aktualisiert: 03.01.2021, 19:50 Uhr
Neubau­gebiete wie hier die Springbach Höfe werden das Paderborner Stadtbild verändern, ist sich Thorsten Mertens sicher. Foto: Jan Haselhorst

 

Trotz des Lockdowns und hoher Infektionszahlen sei das Interesse an neuen Wohnungen weiterhin hoch, sagt Mertens. „Besichtigungen werden mit Maske und Abstand weiterhin durchgeführt und neue Angebote erscheinen täglich auf diversen Plattformen“, sagt der Paderborner Immobilien­experte.

Von den etwa 75.000 Wohnungen in Paderborn besitzt und vermietet der Spar- und Bauverein Paderborn nach eigenen Angaben 2975. Davon liegen etwa 95 Prozent in der Kernstadt. Der Spar- und Bauverein investiert nach eigenen Angaben jährlich vier bis fünf Millionen Euro in die Sanierung der Wohnobjekte. Dazu zählen energetische Maßnahmen, Schaffung von Barrierefreiheit oder Umgestaltungen. Zudem werden zwischen acht und zwölf Millionen Euro für den Neubau von Wohneinheiten ausgegeben. Außer Wohnungen vermietet die Genossenschaft 1285 Garagen und sechs gewerbliche Einheiten, die von Kooperationspartnern wie dem Caritasverband Paderborn genutzt werden.

Mertens und seine 22 Mitarbeiter kümmern sich um knapp 10.000 Mieter, die Mitglieder der Genossenschaft sind. Trotz der Pandemie und damit verbundenen finanziellen Einbußen für manche Arbeitnehmer hat Mertens in diesem Jahr keine Steigerung von Ratenzahlungen oder Mietausfällen vernommen. „Und das, obwohl wir den Spiegel der Gesellschaft abbilden. Vom Geringverdiener bis zum Vermögenden und vom Studenten bis zum Senior ist alles dabei“, sagt der Vorstandssprecher.

Sollte es zu finanziellen Problemen kommen, die die Zahlung der Miete gefährden, werde gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Wie gut das klappe, sei anhand der Zahl der jährlichen Zwangsräumungen nachvollziehbar. „Bei fast 3000 Wohnungen kommt es nur rund einmal im Jahr zu dieser drastischen Maßnahme. Bis so etwas passiert, muss viel versäumt worden sein.“

Der hiesige Spar- und Bauverein wirbt mit „sozialverträglichen Angeboten und Mieten unter dem Durchschnitt“ – laut Mertens gehört Paderborn zu den Städten, in denen es keine Mietexplosion gab. „Verglichen mit anderen Städten dieser Größenordnung stehen wir gut da.“ Der Experte hält eine sogenannte Mietbelastungsquote von 30 Prozent für bedenklich, Paderborn liege deutlich unter diesem Wert. In Metropolen wie Berlin betrage die Quote 40 bis sogar 60 Prozent. In Paderborn müssten Mieter laut Mertens nur 17 bis 23 Prozent ihrer verfügbaren Mittel für die Miete ausgeben (Stand: Juli 2019).

Obwohl Paderborn keine Stadt mit exponentiellem Bevölkerungswachstum sei und eine stagnierende Zahl von Wohnberechtigten aufweise, habe sie eine hohe Bauintensität. Diverse Bauprojekte wie die Entwicklung an der Alanbrooke-Kaserne oder das Neubau­gebiet Springbach Höfe verändern das Stadtbild.

Im Osten der Stadt sollen innerhalb der kommenden Jahre 540 Wohneinheiten entstehen, außerdem eine Kita und Gewerbeflächen. Die hohe Bauintensität sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Menschen ihr Kapital in Häuser und Wohnraum investierten.

„Wir haben hier mehr Angebote als Nach­frage. Was aber fehlt, das sind sehr große Wohnungen für sechs oder mehr Bewohner, die zugleich sehr günstig sind“, sagt Mertens. Für große Flüchtlingsfamilien sei die Wohnungssuche deshalb nicht immer einfach.

Besonders gefragt seien derzeit Wohnungen mit drei Zimmern, die innenstadtnah gelegen sind und somit von der guten Infrastruktur profitieren. Das merkt Thorsten Mertens auch bei den Objekten des Spar- und Bauvereins. Als Musterbeispiel für zentrales Wohnen nennt er das Projekt Tegelbogen, das die Genossenschaft im Bereich Tegelweg/Hermannstraße errichtet hat. „Im direkten Umfeld befinden sich Ärzte, Supermärkte und ein Park. Diese kurzen Wege sind den Mietern wichtig.“ Dort leben junge und alte Menschen zusammen. Mertens: „Eine soziale Durchmischung ist wichtig und kann ein Viertel positiv prägen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7749583?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Kramp-Karrenbauer ruft CDU zum Zusammenhalt auf
Die scheidende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim digitalen Bundesparteitag der CDU.
Nachrichten-Ticker