Nach Messer-Attacke: Landgericht Paderborn schickt 35-jährigen Elsener in die Psychiatrie
Brutaler Angriff im Wahn

Paderborn -

Es war ein Horror-Trip: Erst greift ein Mann seinen Vater an, dann schlägt er seine Nachbarin brutal zusammen, anschließend bringt er den Vater beinahe mit einem Messer um. Das Ganze spielte sich in einer gutbürger­lichen Wohnsiedlung in Elsen ab. Jetzt hat das Landgericht Paderborn entschieden: Der Täter muss in die Psychiatrie.

Mittwoch, 09.12.2020, 18:52 Uhr
Der Polizeieinsatz am 3. Mai an der Elsener Mühlenheide hatte einige Anwohner beunruhigt. Foto: Ingo Schmitz

Für den 35-Jährigen war an jenem Tag Anfang Mai die Realität eine ganz andere, denn er litt unter Halluzinationen. Stimmen im Kopf hätten ihm befohlen, Menschen in seiner Nähe etwas anzutun. Seine Darstellung vor dem Schwurgericht blieb ohne große Details, weil er sich auf Erinnerungslücken berief. Der 59-Jährige Vater des Beschuldigten, der an dem Stich mit dem 23 Zentimeter langen Küchenmesser in den Herzbeutel um ein Haar gestorben wäre, schwieg im Zeugenstand – wohl, um seinen Sohn nicht zu belasten. Seit Ende Oktober lief der Prozess vor dem Paderborner Landgericht.

Die jetzt 41 Jahre alte Nachbarin hingegen, die am Mittwoch aussagte, schilderte klar und erschreckend, wie der 35-Jährige sie in ihrem Haus attackiert hatte. Er sei durch ein Fenster im Wintergarten eingestiegen, das er zuvor wohl aus dem Rahmen gehebelt hatte, sagte die Mutter von zwei kleinen Jungen. „Ich habe gleich ganz hysterisch angefangen zu schreien“, sagte die Zeugin, „und dann hat er zugeschlagen.“ Einen ganzen Hagel von Fausthieben musste die 41-Jährige über sich ergehen lassen, sie trug etliche Prellungen an Auge, Kopf, Nacken, Rücken und Armen davon. Ihr vierjähriger Sohn erlitt eine Schürfwunde am Kopf, als der 35-Jährige ihn schubste. Die Frau flüchtete sich mit dem Kind in die obere Etage zu dem anderen, sechsjährigen Sohn, schloss sich ein und rief sowohl eine Nachbarin als auch die Polizei an. Unten zertrümmerte der 35-Jährige in seinem Wahn das Mobiliar – Schaden 10.000 Euro.

Der Angriff auf Vater und Nachbarin war aus Sicht eines psychiatrischen Sachverständigen die Folge einer paranoiden Psychose, unter der der 35-Jährige seit Jahren leidet. Die Erkrankung sei zwar nicht durch seine lange Drogensucht ausgelöst worden, fand der Sachverständige, wohl aber habe sich der Konsum von Cannabis und Kokain zusätzlich ausgewirkt. Halluzinationen, Stimmenhören und formale Denkstörungen, wie es zur Tatzeit gewesen sein müsse, seien „geradezu klassisch“ für eine solche Psychose, die beim Beschuldigten bereits chronisch sei.

Der Sachverständige bescheinigte dem Elsener eine hohe Wiederholungsgefahr und empfahl die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus. Richter Eric Schülke kam mit seinem Urteil dieser Einschätzung, die von Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterstützt wurde, nach. Der Richter betonte zudem, dass der 35-Jährige gefährlich sei.

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