Paderborner Professor René Fahr spricht sich für nachhaltiges Kaufverhalten aus
Wissenschaftler fordert Umdenken

Paderborn -

Der sogenannte Black Friday gilt als Gipfel der Rabattschlachten. Er verspricht die besten Schnäppchen und lockt mit Sonderangeboten. Doch die Kritik am achtlosen Konsum wächst. Immer mehr Initiativen protestierten laut einer Mitteilung der Universität Paderborn gegen den Konsumrausch am Black Friday. Mittlerweile hätten sich Gegenbewegungen wie der sogenannte Green Friday gegründet, der das Prinzip umdrehen wolle.

Mittwoch, 09.12.2020, 01:56 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 15:58 Uhr
Prof. Dr. René Fahr ist ein Wissenschaftler aus Paderborn.

Auch die Umwelt solle von der Kauflust profitieren. „Unser Konsum ist nicht nachhaltig – wir brauchen ein Umdenken. Die planetaren Grenzen lassen keine Alternative zu“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. René Fahr von der Uni Paderborn. Längst sei aus dem „schwarzen Freitag“ eine „schwarze Woche“ geworden. Um ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzen, riefen immer mehr Menschen in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #WhiteMonday dazu auf, Produkte zu reparieren oder zu recyceln, statt sie neu zu kaufen.

Einen Schritt weiter geht der „Buy Nothing Day“ (Kauf-Nix-Tag), an dem kein Geld ausgegeben werden soll, um die Menschen für ein nachhal­tigeres Kaufverhalten zu sensibilisieren. „Mit der Verbreitung solcher Konzepte entsteht bei den Konsumenten Aufmerksamkeit für ein bewussteres Einkaufen“, sagt Fahr. Der Black Friday funktioniere letztlich nach den gleichen Mechanismen: „Selbst wenn sich Konsumenten vornehmen, immun dagegen zu sein, möchte man auch nicht der Dumme sein, der mehr für seine ohnehin geplanten Einkäufe zahlt, nur weil er nicht an diesem Tag shoppt.“

Vermehrt versuchten Initiativen zu zeigen, dass Konsum künftig anders aussehen könne, sagt der Paderborner Wirtschaftswissenschaftler. Eine Abkehr von Gewohnheiten falle jedoch immer schwer. Fahr: „Da wir keinen Staat haben und wollen, der uns den erlaubten Konsum vorschreibt, ist es wichtig, Verbraucher für einen verträglichen Konsum im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele zu sensibilisieren.“

Dabei stünden nicht allein die Konsumenten in der Verantwortung: „Auch Unternehmen können durchaus erfolgreich sein, wenn sie vom schnellen, spontanen Konsum abraten und sich im Sinne einer Kreislaufwirtschaft für ein ressourcenschonendes Kaufverhalten einsetzen“, betont Fahr. Dennoch: Entscheidend sei, ob viele mitmachten. „Einzelne Unternehmen bewirken hier keinen Umbruch. Ein nachhaltiges Kaufverhalten ist auf jeden Fall ein anderes, als das, was viele Menschen jetzt leben“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Doch der grüne Anstrich halte nicht immer, was er verspreche. Denn die umweltbewusste und nachhaltige Darstellung von Unternehmen sei für Kunden oft nur wenig transparent: „Verbraucher sollten sich fragen, ob Waren, die im Rahmen eines ‚Green Fridays‘ angeboten werden, auch wirklich nachhaltig sind und ob eine Aktion des Unternehmens nur eine Ausnahme bildet oder einen glaubwürdigen Willen zur Umorientierung signalisiert. Ein Unternehmen kann das Sortiment zwar nicht auf einen Schlag umstellen, aber dennoch ist ein singulär angebotenes nachhaltiges Produkt vermutlich eher ein ‚Greenwashing‘, also der Versuch, sich besonders ökologisch zu präsentieren, ohne tatsächlich so zu handeln,“ erklärt Fahr.

Verdächtig sei zudem das sogenannte „Cause Related Marketing“, also ein zweckgebundenes Marketing, wie eine Verkaufsstrategie, bei der pro einer bestimmten Zahl verkaufter Einheiten etwas gespendet oder beispielsweise ein Baum gepflanzt werde. Fahr: „Hier liegt das Interesse der Kampagne genau wie beim Black Friday darin, Umsatz zu generieren. Anstatt einen Rabatt einzupreisen, wird dann eben ein Baum gepflanzt. Hier scheint also weder beim Konsumenten noch beim Anbieter ein wirklicher Bewusstseinswandel hin zur Nachhaltigkeit stattzu­finden.“

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