Neue IHK-Geschäftsführerin zum Flughafen, zum IHK-Standort Paderborn und zu einem Lockdown nach Weihnachten
„Verschärfung wäre Katastrophe“

Paderborn -

Nur wenige Institutionen haben einen so sperrigen Namen wie diese. Immerhin: Der Standort der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld Zweigstelle Paderborn und Höxter wird von der neuen Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwestfalen, Petra Pigerl-Radtke, nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil.

Mittwoch, 09.12.2020, 07:51 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 07:54 Uhr
IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke und Jürgen Behlke geben ein Bekenntnis zum Standort Paderborn ab. Foto: Jörn Hannemann

Für sie ist klar, dass die IHK im Paderborner Stedener Feld auch in Zukunft ihre Berechtigung hat – und nicht nur wegen des schönen Gebäudes, wie sie betont. Vor allem wegen der Nähe zu den Mitgliedsbetrieben im Hochstift sei der Standort unabdingbar.

Im Juli ist die Nachfolgerin von Thomas Niehoff vom Niederrhein nach Ostwestfalen gewechselt – beruflich, wie privat. Sie habe die Zeit genutzt und viele Einzelgespräche geführt. Sie habe die Netzwerke und die Region kennengelernt. „Die Grundlagen sind gelegt. Ich kann sagen, ich bin angekommen!“, stellt die 54-Jährige selbstbewusst fest. Dabei betone sie stets, dass es in Ostwestfalen eben zwei Oberzentren gebe, aber auch viele Mittelzentren mit großer Bedeutung. „Wir sind eine Zukunftsregion und haben ja nicht umsonst die Regionale 2022 mit dem urbanen Land, wo wir versuchen, eine Blaupause zu finden für ein optimales Leben und Arbeiten.“

Unter Corona-Bedingungen zu starten, sei nicht leicht gewesen. „Da war gerade der Lockdown in Gütersloh“, erinnert sie sich. Die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der IHK hätten aber einen hervorragenden Job gemacht und die Mitgliedsunternehmen unter anderem zu den Soforthilfen gut beraten. Zur Kritik von Paderborns Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann (CDU) in Bezug auf die Novemberhilfen, wo bekanntlich den betroffenen Betrieben 75 Prozent vom Vorjahresumsatz erstattet werden soll, sagt Pigerl-Radtke: „Man muss sich in die Situation der Politik versetzen. Es musste eine schnelle Hilfe her und es musste bürokratiearm sein. Daher hat man eine Pauschale genommen, die man kritisieren kann. Aber hätte man es kostenbasierend gemacht, wäre es kompliziert geworden. Dann wäre sicher andere Kritik gekommen. Schnelligkeit und Genauigkeit sind eben nicht vereinbar.“ Sie spricht sich dafür aus, angesichts endlicher Steuermittel, passgenauer zu werden.

Die Milliardenhilfen für den Reiseveranstalter TUI und die Lufthansa dürfe man nicht eindimensional betrachten, führt der Paderborner IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke aus. Zum einen erhielten auch die vielen hier in der Region inhabergeführten Reisebüros finanzielle Hilfen. Damit es aber nach der Corona-Krise auch mit den Reisebüros weiter gehen könne, müsse man zum anderen TUI und Lufthansa erhalten. „Wenn wir die retten, können auch Reisebüros wieder Geschäfte machen. Das hängt zusammen“, so Behlke.

Dass Ostwestfalen mit dem Heimatflughafen ein Tor zur Welt habe, darüber sei sie froh, erklärt Pigerl-Radtke. „Ich stehe zum Flughafen. Ich würde mir aber sehr wünschen, dass es eine höhere Identifikation in OWL geben würde. Die Infrastruktur sollten wir auf keinen Fall abgeben. Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung sind die Grundlagen geschaffen worden, um das Defizit zu verringern.“ Wenn 2021 die Pandemie zumindest zum Teil überwunden werden könne, die Fliegerei wieder starte und dann noch weitere Zubringerflughäfen dazu kämen, „dann haben wir damit ein echtes Pfund – unter anderem wenn es darum geht, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen“, sagt sie. Hoffnung setzt Jürgen Behlke auf die Fluggesellschaft Green-Airlines, die von März an sieben Flüge pro Woche nach Zürich anbieten wolle. Zürich sei nicht nur als Drehkreuz wichtig, sondern auch für 400 Unternehmen in Ostwestfalen, die Verkaufskontakte in die Schweiz unterhielten.

Mit großem Interesse verfolgen Jürgen Behlke und die Hauptgeschäftsführerin aus Bielefeld die politischen Entwicklungen in Paderborn. „Vom Grundtenor des Koalitionspapiers von CDU und Grünen kann man feststellen, dass wir als IHK nicht stark intervenieren müssen. Jetzt kommt es aber auf die Feinheiten an“, meint Behlke. Und Pigerl-Radtke ergänzt: „Es ist ein guter Ansatz, wenn man Ökologie und Ökonomie zusammenbringen will.“

Es sei wichtig, dass die in Paderborn angestoßenen Projekte nun auch umgesetzt würden, verwies Behlke unter anderem auf die Dauerbaustelle Bahnhof. Als Entree in die Stadt und als Teil der Infrastruktur sei der Bahnhof für Paderborn sehr wichtig. Ebenso legt die IHK Wert darauf, dass nun in den Kreisen Paderborn und Höxter in Sachen Glasfaser aufs Gaspedal getreten werde.

Der Ausblick, dass es nach Weihnachten eine Lockdown-Verschärfung geben könnte, sei aus Sicht des Handels eine Katastrophe, meint die IHK-Chefin. „Das Vorweihnachtsgeschäft ist schon verhagelt. Wenn das nach Weihnachten weiter geht, ist das wirtschaftlich extrem schwierig. Aber wir brauchen für die Wirtschaft niedrigere Infektionszahlen. Das heißt, wir würden eine Verschärfung mittragen. Es wäre dann aber notwendig, den Betrieben zu helfen.“

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