Für seine Weihnachtsaktion gegen Kinderlähmung hat der Club Paderborn 343 Flaschen Whisky aus Schottland geordert
Rotarier helfen mit Hochprozentigem

Paderborn -

Das alte Sherry-Fass reichte für 343 Flaschen Whisky. Er wird Genießern in Paderborn schmecken und Kindern in Afghanistan und Pakistan helfen.

Donnerstag, 03.12.2020, 06:10 Uhr
Lutz Mahlke, Oliver Pott, Christoph Ehland und Thomas Ewers (von links) stoßen auf die Weihnachtsaktion an. Sie soll einen Beitrag dazu leisten, dass Kinderlähmung bald endgültig Foto: Oliver Schwabe

Mit dem eigens für ihn in Schottland abgefüllten Whisky unterstützt der Rotary Club Paderborn die Aktion „End Polio Now“, die die Kinderlähmung auch noch in den letzten beiden Ländern ausrotten will.

„Die Flasche kostet 99 Euro, nach Abzug der Kosten bleiben 20 Euro übrig, und die spenden wir für den Kampf gegen Polio“, sagt der Präsident des Rotary Clubs Paderborn, Lutz Mahlke. Er hat keinen Zweifel daran, dass alle Flaschen verkauft werden und rechnet deshalb mit einer Summe von 6860 Euro. Die Stiftung von Bill und Melinda Gates unterstütze „End Polio Now“ und werde voraussichtlich 40 Euro pro Flasche drauflegen. Demnach kämen 20.580 Euro für den guten Zweck zusammen. Fünf zusätzliche Flaschen will der Rotary Club Paderborn versteigern.

Dessen Weihnachtsaktion hat Tradition. Im vergangenen Jahr unterstützte der Club mit 71 Mitgliedern das Frauenhaus mit dem Erlös aus ihrem Punschstand. Das war damals, als das Coronavirus noch ein Fremdwort war und Weihnachtsmärkte wie selbstverständlich stattfanden.

Die Idee zum eigenen Whisky stieß bei den Mitgliedern auf großen Widerhall. Der Professor für Unternehmensgründung und Internet-Marketing, Buchautor („Wissen zu Geld“) und Rotarier, Oliver Pott, erinnert sich: „Ich veranstalte einmal im Jahr im Sommer einen Herrenabend in meinem Privathaus. Lutz Mahlke stellte die Idee vor, und danach waren gleich 100 Flaschen weg.“ Die allermeisten der 343 Flaschen sind schon verkauft, obwohl der Whisky gerade erst in Paderborn eingetroffen ist. Knapp 30 Flaschen gibt es noch im Warehouse-Shop von Malts of Scotland an der Senefelderstraße in Paderborn.

Dessen Chef Thomas Ewers hatte einen maßgeblichen Anteil an der Umsetzung des Projekts der Rotarier. Ewers hat Tausende Fässer in Schottland gelagert und suchte eines aus, das zuvor zehn Jahre lang für Sherry genutzt wurde. Deshalb besitzt der „Paderborner“ Whisky leckere Aromen, hat eine Mandel- und Karamellnote. Der zwölf Jahre alte Single Malt (Single Cask) heißt „An Cearcall“, was in etwa Rotary auf Gälisch bedeutet, wurde in der altehrwürdigen Craigellachie-Destillerie in Schottland abgefüllt und hat mit 65,5 Prozent ordentlich Alkohol. „Er ist zu teuer, um ihn mit Cola zu vermischen“, sagt Lutz Mahlke und schmunzelt. Dieses Getränk müsse man genießen, immer wieder daran riechen: „Man kann sich an einem Glas den ganzen Tag festhalten.“

Eine weitere Besonderheit des rotarischen Whiskys besteht in dem 16-seitigen Büchlein, das jeder Flasche beiliegt. Christoph Ehland vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Paderborn schildert darin die Kulturgeschichte des Whiskys und das Paderborner Projekt. Einen passenderen Autor hätte man auch kaum finden können. Ehland hatte in Schottland studiert und lernte damals natürlich auch Single-Malt-Whiskys kennen, die in den Pubs wie in Edinburgh auch für Studenten noch einigermaßen bezahlbar sind. Die Schotten identifizierten sich mit ihrem Exportschlager sehr, weiß Christoph Ehland. Fünf Milliarden Euro im Jahr bringe ihnen das Getränk jedes Jahr ein.

Der Whisky für die Rotarier wurde in Schottland abgefüllt, die Etiketten für „An Cearcall“ wurden in Paderborn gedruckt. Aber es habe zehn statt zwei Tage gedauert, bis sie in Schottland eingetroffen seien, erzählt Lutz Mahlke: „Sie wurden an der deutsch-britischen Grenze gestoppt, die haben wohl den Brexit geübt.“

Aber das ist Schnee von gestern, in Paderborn ist man froh und auch ein bisschen stolz auf die besondere Weihnachtsaktion. Der Whisky sei wegen der individuellen Note eine Rarität und könne nicht nachbestellt werden, betonen Oliver Pott und Lutz Mahlke. In Asien werde Whisky als Geldanlage, als „flüssiges Gold“ (Oliver Pott), genutzt. „Whisky war früher ein Effektgetränk, um schnell betrunken zu sein, und ist danach zum Genussmittel geworden“, weiß Thomas Ewers, der in seinem Warehouse-Shop Kunden aus Deutschland, Europa und manchmal sogar darüber hinaus begrüßen kann. Ein Japaner kaufte bei seinem Besuch gleich 40 Flaschen. „Whisky ist das teuerste Getränk und das mit dem größten Aromenspektrum“, fasst der Experte das Besondere zusammen. Der Whisky der Rotarier könne auch noch den von Covid-19 ausgelösten Frust etwas mildern, glaubt Oliver Pott: „Mit einem Schluck tut man etwas gegen Polio und Corona.“

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