Renaturierung schreitet voran: neuer Flussverlauf ist angelegt – jetzt werden bei Sande die Bauwerke errichtet
Die Lippe befreit sich von ihren Fesseln

Paderborn -

Die Renaturierung der Lippe bei Sande schreitet nach Aussage der Bezirksregierung Detmold gut voran. Große Teile der neuen Lippeverläufe seien bereits profiliert. Erforderliche Bauwerke würden derzeit errichtet. Die Baumaßnahme im Auftrag der Bezirksregierung Detmold laufe seit etwa drei Monaten.

Montag, 30.11.2020, 20:55 Uhr aktualisiert: 30.11.2020, 21:00 Uhr
Dieser Renaturierungsbereich soll künftig eine naturnahe Entwicklung der Lippe ermöglichen und zahlreichen Pflanzen und Tieren wieder einen Lebensraum bieten. Rechts im Bild ist die Bundesstraße 64, hinten links der Heddinghauser See. Foto: Bezirksregierung Detmold

Durch die Renaturierung erhält die Lippe nach Informationen der Bezirksregierung einen Teil ihrer früheren Flussaue zurück. Der begradigte und ausgebaute Verlauf werde verändert und durch große Flussschlingen deutlich verlängert. Mit Steinschüttungen befestigte Ufer werden entfesselt. Der Fluss könne sich danach wieder seitlich verlagern und eigendynamisch entwickeln.

Um das Baufeld vorzubereiten, seien fast 20.000 Kubikmeter nährstoffreicher Oberboden aus dem Gebiet abgefahren worden. Der Oberboden sei auf Ackerflächen in der nahen Umgebung aufgebracht worden.

Danach sei eine breite und etwa einen Meter tiefe Aue im Gelände gestaltet worden, in der ein schmaleres Hauptgerinne der neuen Lippe profiliert wurde. Dieses Gerinne sei nur grob gestaltet worden, damit sich die Lippe später in den anstehenden Sanden und Kiesen ihr eigenes naturnahes Bett bereiten könne. Die Aue soll später von der Lippe regelmäßig und häufig überstaut werden.

Auch bei dieser Arbeit sei eine große Menge an Überschussboden angefallen. Etwa 55.000 Kubikmeter wurden zur Abgrabung Heddinghauser See gefahren und dort an einem Uferabschnitt vorgeschüttet. Diese neu entstandene Landfläche soll für spätere Renaturierungsmaßnahmen genutzt werden. Bei den Profilierungsarbeiten sei an vielen Stellen deutlich geworden, wie stark die Lippe vor der Begradigung und dem Ausbau die gesamte Flussaue geprägt habe. An zahlreichen Stellen zeichneten sich im Gelände alte Flussverläufe in Form von Mulden ab. Projektleiterin Anna Morsbach von der Bezirksregierung: „Teilweise liegen mehr als 20 Schichten aus Sand, Kies, Lehm und Ton übereinander und zeigen an, dass frühere Hochwässer Sedimente permanent umgelagert haben.“ Alte Baumstämme (Moorholz) und Torflinsen seien Jahrhunderte unter Sedimenten verschüttet gewesen. Jetzt trügen sie zur Reaktivierung der früheren Auenflächen bei, sagt Morsbach.

Berge von Steinen und Betonbauteilen zeigen, wie der Flussabschnitt bisher befestigt war. Eine naturnahe Entwicklung des Flussverlaufs war nicht möglich.

Berge von Steinen und Betonbauteilen zeigen, wie der Flussabschnitt bisher befestigt war. Eine naturnahe Entwicklung des Flussverlaufs war nicht möglich. Foto: Bezirksregierung Detmold

Der neue Flussverlauf ist angelegt, jetzt geht es weiter mit den Bauwerken: Am westlichen Ende des Baufeldes wurde die Sohlgleite errichtet. Sie habe eine zentrale Funktion, denn sie stelle die ungehinderte Verbindung der neuen Lippe und des unterhalb noch ausgebauten Flusses sicher. Sie werde erst in Betrieb genommen, wenn die Lippe in ihr neues Bett geleitet wird. Das wird voraussichtlich in einigen Wochen sein.

Die neue Sohlgleite diene dazu, die Höhendifferenz zur Bestandslippe am Ende der Renaturierung auszugleichen. Diese Höhendifferenz sei wegen der Sohlanhebung der neuen Lippe entstanden. Zum Bau der Sohlgleite wurden hintereinander vier Riegel aus großen Steinblöcken gesetzt, die eine exakt berechnete Durchlassöffnung haben. Hinter diesen Riegeln schließt sich jeweils ein Becken an. Wandernde Fische und andere Organismen können aufgrund der gebremsten und wechselnden Strömungsgeschwindigkeiten dieses Bauwerk passieren. In den Becken finden auch kleinere Tierarten ruhige Bereiche zur Erholung.

Unterhalb der Bundesstraße 64 wird in Kürze ein weiteres Bauwerk begonnen. Hier sorgen Steinschüttungen und weitere Befestigungen dafür, dass bei Hochwasserabflüssen der Lippe und aus dem Lippesee ein sicherer und dauerhafter Übergang zu der anschließenden Renaturierung erreicht wird.

Unterschiedliche Bodenschichten aus Sand, Lehm, Ton und Kies zeigen deutlich an, dass der Fluss das Gelände in der Vergangenheit ständig umgestaltet hatte.

Unterschiedliche Bodenschichten aus Sand, Lehm, Ton und Kies zeigen deutlich an, dass der Fluss das Gelände in der Vergangenheit ständig umgestaltet hatte. Foto: Bezirksregierung Detmold

Während der Bauarbeiten dürfen Bürgerinnen und Bürger aus Sicherheitsgründen und Gründen des Arbeitsschutzes das Baufeld nicht betreten. Das Befahren der Lippe mit Kanus sowie das Angeln im Renaturierungsbereich sind lebensgefährlich und deshalb untersagt. Außerdem sind aufgrund der anhaltenden Pandemie keine Baustellenführungen möglich.

Informationen über den Projektfortgang gibt es jederzeit im Internet. Die Seite www.wilde-lippe.de hält viele Details und Bilder für Besucher bereit.

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