Landrat Christoph Rüther (CDU): „Wir können rund 1000 Personen pro Tag impfen“
Die Sälzerhalle in Salzkotten wird das Corona-Impfzentrum im Kreis Paderborn

Paderborn/Salzkotten -

Die Entscheidung ist am Montagnachmittag vom Kreis Paderborn bekannt gegeben worden: Die Sälzerhalle wird das Impfzentrum im Kreis Paderborn. Noch im Dezember werde der Kreis in der Halle sein Corona-Impfzentrum aufbauen.

Montag, 30.11.2020, 15:34 Uhr aktualisiert: 30.11.2020, 16:46 Uhr
Die Sälzerhalle in Salzkotten. Foto: Hallenbauverein Salzkotten e.V.

Mehrere Standorte waren zuvor vom Kreis in die nähere Auswahl genommen worden: Der Flughafen Paderborn/Lippstadt sowie drei Gebäude in Paderborn. „Im Impfzentrum werden viele Menschen aufeinandertreffen. Ähnlich wie seinerzeit beim Corona-Testzentrum müssen hier höchste Standards an Infektionsschutzmaßnahmen umsetzbar sein. Das ist in der Sälzerhalle der Fall“, sagte Landrat Christoph Rüther. Dies sei letztendlich ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen, auch wenn der Standort etwas längere Fahrtzeiten insbesondere für die Paderborner Bevölkerung bedeute.

Eine Abluftanlage, die potenziell virenbelastete Luft aus dem Gebäude herauszieht und nicht nur im Raum umwälzt, eine alleinige Nutzung des Gebäudes ohne parallel Veranstaltungen, ausreichend Kühlungsmöglichkeiten für den Impfstoff, ein Einbahnstraßensystem für mehrere parallele Impfstraßen mit separaten Ein- und Ausgängen und die barrierefreie Nutzung des Gebäudes – das sind den Angaben des Kreises zufolge nur einige der vielen Vorteile, die für die Salzkottener Stadthalle sprechen.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht. Aber uns war immer klar: Sicherheit muss hier vor Bequemlichkeit gehen“, sagte der Leiter des Krisenstabes Michael Beninde. Ausreichend Parkplätze sind an der Stadthalle vorhanden. Zudem sei der Kreis mit dem Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (NPH) im Gespräch, um mehr Busse für Fahrten zur Sälzerhalle einzusetzen oder auch einen Shuttleservice vom Bahnhof zur Halle einzurichten. „Die Sälzerhalle bietet die beste Möglichkeit, gerade zu Anfang eine größere Anzahl der priorisierten Bevölkerungsgruppen zu impfen“, sagte Dr. Gregor Haunerland, Vorsitzender des Verwaltungsbezirks Paderborn der Ärztekammer und ärztlicher Standortleiter für das Impfzentrum seitens der Kassenärztlichen Vereinigung. Beninde und Landrat Rüther danken der Stadt Paderborn und Bürgermeister Michael Dreier, die sehr engagiert gewesen seien, den Kreis bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das Impfzentrum zu unterstützen.

„Wir alle sehnen uns nach einem normalen Leben, wie es vor Corona war. Ein Impfzentrum eröffnet uns einen Weg zurück zur Normalität, daher freue ich mich sehr, dass unsere Schützenbrüderschaft so bereitwillig den Kreis bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützt“, sagte der Salzkottener Bürgermeister Ulrich Berger. Die Sälzerhalle erlaubt den Aufbau von vier parallelen Impfstraßen, die gleichzeitig betrieben werden können. Die sogenannten Impfstraßen beginnen bei der Zugangskontrolle über die Registrierung und medizinische Aufklärung bis hin zur Nachbetreuung und Beobachtung, ob die Spritze gut vertragen wurde. „Bei vier parallelen Impfstraßen können wir rund 1000 Personen pro Tag impfen“, erklärt Landrat Rüther. Bevor das in die Tat umgesetzt werden könne, müssen von Bund und Land noch einige offenen Fragen geklärt werden, heißt es in der Mitteilung des Kreises. Die wichtigste von allen sei: „Wie viel Impfstoff steht dem Kreis Paderborn zur Verfügung?“

„Gerade zu Anfang wird der Impfstoff knapp sein, da die Hersteller erst produzieren müssen und die Nachfrage weltweit groß ist“, erklärt Dr. Constanze Kuhnert, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Der Impfstoff wird vom Bund eingekauft und über die Länder an die kreisfreien Städte und Kreise abhängig von der Bevölkerungszahl verteilt. Hinzu kommt, dass nach jetzigen Kenntnisstand zwei Spritzen in Abstand von ein paar Wochen nötig sind, damit die Impfung wirksam wird. Das bedeutet, allein für die rund 11.000 Personen, die im Kreisgebiet ambulant und stationär gepflegt werden, werden 22.000 Impfdosen benötigt.

Der Kreis hofft, dass die ersten Impfstoff-Lieferungen Anfang Januar eintreffen. Dann würden zunächst in zwei Stufen priorisierte Bevölkerungsgruppen geimpft. Dazu werden mit hoher Wahrscheinlichkeit medizinisches Personal, Pflegebedürftige in Heimen und in häuslicher Pflege sowie Personal der kritischen Infrastruktur wie Polizei und Feuerwehr gehören. „Hier liegen uns aber noch keine genauen Angaben vor. Die Bundesregierung wird dazu eine Impfstrategie erlassen, basierend auf den Empfehlungen der ständigen Impfkommission, der Leopoldina und des Deutschen Ethikrates“, sagte Landrat Rüther. Menschen, die zur priorisierten Gruppe gehören, aber nicht mobil sind, werde der der Kreis in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung mit einem mobilen Impfteam zu Hause aufsuchen.

Wann später die breite Bevölkerung geimpft wird, die nicht zu den priorisierten Gruppen gehört, werde von der Menge und den Nachschub an Impfstoff abhängen. „Wir schätzen, dass es bis Mitte 2021 dauern wird, bis es soweit ist“, sagt Landrat Rüther und ergänzt: „Die Impfung wird für alle Beteiligten – den Kreis, dem Personal im Impfzentrum und den Hausärzten – eine Marathonaufgabe, die uns länger beschäftigen wird.“ Die Bundesregierung geht davon aus, dass 70 Prozent der Bevölkerung sich impfen lassen wollen. Das wären für den Kreis Paderborn rund 215.000 Menschen.

Bereits jetzt melden sich Freiwillige beim Kreis, die ihre Mitarbeit beim Impfzentrum anbieten. Die Leiterin des Gesundheitsamtes ist begeistert von diesem Engagement: „Besonders Ärzte sowie medizinisches und pflegerisches Fachpersonal können wir gut gebrauchen.“ Dr. Kuhnert verweist auf das Register des Landes NRW bei dem sich freiwillige Helfer registrieren können. Die Adresse lautet: www.freiwilligenregister-nrw.de. Enttäuschen muss sie hingegen die Personen, die schon jetzt in zunehmender Zahl beim Gesundheitsamt anrufen, um sich einen Impftermin geben zu lassen. „Solange wir nicht hundertprozentig wissen, wann der Impfstoff kommt, können wir keine Termine verteilen.“ Zudem werde, solange nur priorisierte Gruppen geimpft werden dürfen, ein Nachweis zur Impfberechtigung vorgelegt werden müssen.

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