Kreis Paderborn: Zwangspause von Hoteliers und Gastronomen geht weiter – mit Kommentar
Leben mit Prinzip Hoffnung

Paderborn/Bad Lippspringe -

Beherbergungsverbot und Restaurantschließungen: Die verlängerten Beschränkungen für Gastronomie und Hotels treffen die heimischen Betriebe hart. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir erst im Frühjahr wieder öffnen können – alles andere würde uns freuen“, sagt Robin Stork, Geschäftsführer der Stork Hotels und Thermen, auf Anfrage dieser Zeitung.

Freitag, 27.11.2020, 13:06 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 13:08 Uhr
Hotel-Direktorin Barbara Diehl befürchtet für das Paderborner Arosa-Hotel weitere massive Einbußen. Foto: Oliver Schwabe

Das Vital Hotel mit Wellnessbereich und Therme ist seit November komplett geschlossen. Fast alle der 120 Mitarbeiter sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Die Aufgabe bestehe nun darin, mit einem „knallharten Kostenmanagement“ die Verluste so gering wie möglich zu halten.

Kundgebung geplant

Für Samstag, 12. Dezember, wird in Paderborn eine Kundgebung geplant, um auf die Situation von Gastronomie, Künstlern und Soloselbständigen in der Corona-Krise aufmerksam zu machen. Moderator dieser Kundgebung ist Rainer Schimmel. Er hatte ursprünglich mit 5000 Teilnehmern und einem Schweigemarsch geplant. Diese Idee ist nach einem Gespräch mit der Kreispolizeibehörde Paderborn am Donnerstag überarbeitet worden. Als Veranstaltungsort wurde nun der Maspernplatz ins Auge gefasst, auf dem unter Corona-Bedingungen bis zu 1600 Teilnehmer erlaubt sind. Es soll von 11 bis 15.30 Uhr Reden und Musik von betroffenen Wirten, Künstlern und Eventmanagern aus ganz OWL geben. „Die Genehmigung steht aber noch aus“, sagte Schimmel. „Wir wollen erreichen, dass die Leute merken, dass mit Corona alles verschwinden wird, was Kultur und Gastronomie und Lifestyle bedeutet.“

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„In einer Therme lässt sich aber nicht alles auf Null herunterfahren“, erläutert der Geschäftsführer. Becken können nicht entleert, Anlagen nicht abgeschaltet werden, weil sonst größere Schäden entstehen könnten. Einige Mitarbeiter seien daher damit beschäftigt, Anlagen und Werte zu kontrollieren. Darüber hinaus habe man die Bereiche saniert und einer Generalreinigung unterzogen, bei denen es im laufenden Betrieb schwer möglich sei. „Unseren Mitarbeitern fällt es schwer, dass sie nicht arbeiten können. Das Kurzarbeitergeld fängt einiges auf. Aber Zuschläge für Wochenendarbeit sowie Trinkgelder werden nicht ersetzt.“ Stork bedauert besonders, dass die unlängst eröffnete Saunalandschaft – eine Investition von mehreren Millionen Euro – nach einem guten Start wieder geschlossen werden musste. Und das, obwohl die Bedingungen ideal gewesen seien.

Selbst wenn es erlaubt sein sollte, über Weihnachten die Hotels zu öffnen, werden sich das viele Betriebe überlegen, meint Direktorin Barbara Diehl vom Paderborner Arosa-Hotel. Offenkundig seien ja dann nur Familienbesuche, nicht aber Weihnachtsurlaube erlaubt. „Der springende Punkt ist, was mit den Restaurants geschehen soll“, verweist Diehl auf ein Problem. Ohne Restaurants mache die Öffnung der Hotels wenig Sinn. 121 Zimmer hat das Arosa, belegt seien aktuell nur 40 Prozent mit Dienstreisenden. Und das zu einer Zeit, wo das Hotel in der Vergangenheit stets hervorragend ausgelastet war. Die Folge: Die Belegschaft ist in Kurzarbeit. „Küche und Service sogar zu 100 Prozent“, sagt Diehl, die auf ein sehr schwieriges Jahr zurückblickt. „Der Umsatzeinbruch beläuft sich auf 50 Prozent. Eher mehr“, ist sie betrübt.

Burkhard Bernemann von der Gastwirtschaft Zum Hölzchen in Wewer hält seinen Familienbetrieb mit „to go“-Angeboten am Laufen. Weihnachten soll es Gans geben, Silvester bleibe die Küche aber kalt. Letztlich sei der Außerhaus-Verkauf nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt der Chef, der das Restaurant seit 30 Jahren führt. Er warte nun auf die Novemberhilfen.

Regine Tönsing, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes, zieht ein bitteres Fazit: „Für die Hotels in den Städten ist die Situation besonders dramatisch.“ Und mit Blick auf Weihnachten hofft sie, dass es ziemlich bald eine genaue Definition gibt, was dann erlaubt sein soll, und was nicht. „Es gibt kaum flexiblere Unternehmer als im Bereich Hotellerie und Gastronomie. Doch auch die müssen planen können“, sagt sie. Grundsätzlich bleibe aber nur das Prinzip Hoffnung.

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Die Situation für die Betreiber von Hotels und Restaurants sowie deren Beschäftigten ist in besonderem Maße dramatisch. Das gilt ebenso für Schausteller, Künstler und Soloselbstständige. Daher ist es nachvollziehbar, dass der Unmut jetzt in einer großangelegten Kundgebung münden könnte.

Ob diese in der geplanten Form am 12. Dezember, am dritten Adventssamstag, in Paderborn zustande kommt, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber: Sollte an diesem Tag der Maspernplatz von 11 bis 15.30 Uhr für die Veranstaltung gesperrt werden, trifft das vor allem diejenigen ins Mark, die ebenfalls Existenzprobleme haben: die Paderborner Einzelhändler.

Wo sollen denn die Kunden parken, die der Handel so dringend zum Überleben benötigt? Die Kunden, die einen Besuch in der Innenstadt geplant haben, werden unter diesen Umständen den Einkauf noch einmal überdenken und fernbleiben. Dadurch würde die Aktion das Gegenteil von dem bewirken, was notwendig ist: Solidarität.

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