Ute Schöttler geht nach 43 Jahren in der Paderborner Buchhandlung Linnemann in Rente
Von der Aushilfe zum Urgestein

Paderborn -

Als Ute Schöttler 1977 eine Zeitungsanzeige schaltete, weil sie eine neue Stelle als Erzieherin suchte, ahnte die Dörenhagenerin, die gerade aus dem Allgäu in die Heimat zurückgekehrt war, noch nicht, dass dies ihr ganzes Berufsleben bestimmen würde.

Mittwoch, 11.11.2020, 02:09 Uhr
Als Aushilfe für drei Wochen hat Ute Schöttler (Mitte) 1977 in der Buchhandlung Linnemann begonnen. Als sie jetzt nach 43 Jahren von Filialleiterin Andrea Meyer und Tanja Linnemann (von rechts) in den Ruhestand verabschiedet wurde, dankten ihr auch Katharina und Antonius Linnemann für ihr außergewöhnliches Engagement. Foto: Maike Stahl

Denn Katharina und Antonius Linnemann, die gerade ihre neue Buchhandlung im Dany-Kaufhaus einrichteten, meldeten sich bei Ute Schöttler und überredeten die damals 22-Jährige, ihnen doch erst einmal bis zur Eröffnung als Aushilfe beim Einräumen unter die Arme zu greifen. „Niemals hätte ich gedacht, dass daraus 43 Jahre werden“, sagte Ute Schöttler am Dienstag, als sie in den Räumen der Buchhandlung im Südring in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Was wären wir nur ohne Sie gewesen“, dankte Antonius Linnemann der 65-Jährigen persönlich noch einmal für ihr außergewöhnliches Engagement. „Frau Schöttlers Schwäche ist, dass sie keine Mittagspause macht“, sagte er. „Auch das Wort Feierabend hätte man in ihrem Fall aus dem Wörterbuch streichen können, ihren Urlaub verbrachte sie am liebsten in der Buchhandlung, und trotzdem fand sie noch Zeit zum Lesen. Diese Frau ist ein Phänomen.“ Linnemann erinnerte an Begebenheiten wie diese: „Einmal haben wir nach 21 Uhr noch beschlossen, nach Wiesbaden zu fahren, um dort Bücher abzuholen. Um 4 Uhr morgens waren wir wieder hier und haben noch die entsprechende Anzeige für den nächsten Tag gebastelt.“

Sie habe sich von Anfang an in der großen Linnemann-Familie wohl gefühlt, sagt Ute Schöttler und räumt ein, dass sie die Buchhandlung und die Kolleginnen sehr vermissen werde. „Es hat damals unglaublich viel Spaß gemacht, die Buchhandlung mit aufzubauen, und es ist immer spannend geblieben.“ Unter anderem war sie für die Organisation der Veranstaltungen zuständig und durfte so im Laufe ihres langen Berufslebens viele Autoren persönlich kennenlernen. „Außergewöhnlich in Erinnerung geblieben ist mir die erste Veranstaltung mit Michael Ende. Mit ihm haben wir noch bis nachts um 4 Uhr im Hotel zusammengesessen. Bei Hardy Krüger weiß ich noch, dass er ganz konkrete Vorstellungen für die Ausleuchtung hatte, die wir technisch nur mit Mühe erfüllen konnten. Da hatte ich immer Angst, dass er aufhört zu lesen, wenn ich die Lichteinstellung zu Beginn nicht hinkriege.“

Alle Autoren hätten ihre Eigenheiten, aber sie habe es immer als Privileg empfunden, sie kennenlernen zu dürfen. „Ich habe auch noch viele persönlich signierte Schätze in meinem Buchregal, die ich jetzt erst einmal in Ruhe lesen werde“, erzählt Ute Schöttler, die auch den Übergang zur Bonifatius GmbH begleitet und mitgestaltet hat. Jetzt will sie „erst einmal so tun, als hätte ich Urlaub“ und sich dann gerne mit einem Teil ihre Zeit sozial engagieren.

 

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