Industrie- und Handelskammer im Hochstift startet Imagekampagne – mit Kommentar
Heimat shoppen gegen Onlinehandel

Paderborn -

Die Situation des stationären Einzelhandels ist prekär. Der boomende Onlinehandel nimmt den inhabergeführten Läden immer mehr Umsätze weg. Und auch die Filialisten ächzen. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung noch einmal deutlich verstärkt. Daher hat die Industrie- und Handelskammer im Hochstift pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die Image-Kampagne „Heimat shoppen“ gestartet.

Dienstag, 10.11.2020, 11:38 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 11:42 Uhr
Die Aktion „Heimat shoppen“ ist gestartet: (von links) Steffi Herting (Salzkotten), Britta Kuboth (Delbrück), Daniel Freyer (Bad Lippspringe), Foto: Ingo Schmitz

Hinter dem recht antiquierten Begriff steckt eine Initiative, die die Menschen in der Region für den Einkauf vor Ort sensibilisieren soll. Zum Start sind die Werbegemeinschaften und Wirtschaftsförderer aus Paderborn, Delbrück, Hövelhof, Salzkotten, Büren und Bad Lippspringe dabei. 4500 Einzelhändler und Wirte sind aufgerufen, sich zu beteiligen und Flagge zu zeigen.

Der Weihnachtseinkauf finde traditionell in der City statt, berichtet IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke. Das belegen Zahlen aus 2019: Der Onlinehandel betrug demnach 17 Prozent, 83 Prozent fand im Ladengeschäft statt. Wie wichtig gerade jetzt die Umsätze für den heimischen Handel sind, das macht Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Paderborn, an seinen eigenen Beobachtungen deutlich: „Seitdem die Gastronomie geschlossen ist, lässt die Frequenz in der City deutlich nach. Insbesondere der Textilhandel leidet.“ Ein ähnliches Bild herrschte auch am vergangenen Wochenende in Salzkotten, wo ursprünglich der Martinimarkt geplant war. „Wir haben die Aktionen abgesagt, aber die Öffnungszeiten verlängert. Die Resonanz war verhalten. Der vergangene Freitag war okay. Aber am Samstag ist es nur semi-gut gelaufen“, berichtete Steffi Herting von den jüngsten Erfahrungen. Auch in Delbrück wurden Aktionen aus Solidarität zu den Gastronomen abgesagt. „Die Händler versuchen es nun mit Rabatt-Angeboten. Sie haben es aber trotzdem sehr schwer“, gab Britta Kuboth einen Einblick. Michael Kubat (Büren) ergänzte lobend: „Es ist Zeit für Kreativität. Es ist bemerkenswert, was sich Gastronomie und Handel einfallen lassen.“

Mit Blick auf den Onlinehandel stellte Thomas Westhof (Hövelhof) fest: „Unser Appell ist nicht, den Online-Einkauf zu verbieten. Es gibt aber viele gute Gründe, vor Ort einzukaufen.“ Auf diese Gründe ging IHK-Geschäftsführer Behlke näher ein und richtete sich an die Fridays-for-Future-Bewegung. Er appellierte vor allem an die junge Generation, den stationären Einzelhandel zu unterstützen, weil dieser nachhaltiger und ressourcenschonender sei, Amazon und Co. Außerdem biete der Einzelhandel vor Ort Arbeits- und Ausbildungsplätze. Und nicht zuletzt engagierten sich die Händler vor Ort sozial oder unterstützten Vereine und Kultur – direkt durch Sponsoring oder auch indirekt durch Gewerbesteuern. Der Handel stärke zudem die Wirtschaft insgesamt am Standort durch Aufträge an Handwerk und Co.

Für die Kampagne „Heimat shoppen“ sind Multiplikatoren wir Künstler, Vertreter aus Vereinen, Kirche und Gesellschaft gewonnen worden, die in Videobotschaften überzeugend darlegen, warum sie Heimat-shopper sind. Die Videos sollen demnächst „viral“ gehen, betonte Behlke. Er hofft, dass auch viele Händler eine Chance in der Kampagne sehen und sich beteiligen, um das Bewusstsein der Kunden zu schärfen.

Ein Kommentar von Ingo Schmitz

Für den stationären Einzelhandel ist es 5 vor 12: Teure Mieten bei rückläufiger Kundschaft sorgen für eine Abwärtsspirale. „Heimat shoppen“ ist ein Hilferuf an die Kundschaft, bewusst einkaufen zu gehen, statt vom Sofa aus den Warenkorb zu füllen. Der Einzelhandel muss aber nun weiter seine Hausaufgaben machen. Gerade in Corona-Zeiten ist es sinnvoll, online das Warenangebot zu präsentieren, das im Laden vorrätig ist. Dadurch können Einkäufe geplant werden, die eben oft auch Mitnahmeeffekte generieren. Da liegt eine große Chance.

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