Infos des Paderborner Kreisgesundheitsamts – mit Corona durch den Herbst
Ein Überblick, wer wann getestet wird

Paderborn -

Wann immer im Kreis Paderborn ein Corona-Infektionsherd aufflackert, kommt reflexartig die Forderung nach einem Test. „Die Sorgen sind verständlich, aber nicht jeder Test macht sofort Sinn“, sagt die stellvertretende Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Kirsten-Wiebke Jensen.

Samstag, 07.11.2020, 09:55 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 10:14 Uhr
Dr. Kirsten-Wiebke Jensen, stellvertretende Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, erläutert die derzeitige Teststrategie

Im Gegenteil: Werde der Test zu früh oder ohne Anlass gemacht, vermittle er ein falsches Sicherheitsgefühl, Laborkapazitäten würden unnötig belastet. „Auch ein negativer Test ist nur eine Momentaufnahme“, betont Jensen. Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Infektionszahlen „ist die Einhaltung der AHA-Regel, Mindestabstand von 1,5 Meter halten, häufiges Händewaschen, Alltagsmaske nutzen und regelmäßiges Lüften in geschlossenen Räumen sowie die Nutzung der Corona-Warn-App der beste Weg, um gut durch die Pandemie zu kommen“, bekräftigt Jensen.

Gezieltes Testen sei ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung. So können Infektionsketten vom Gesundheitsamt aufgespürt und erfolgreich durchbrochen werden. Doch auch die Laborkapazitäten sind endlich. Das Robert-Koch-Institut hat deshalb bereits eine Überarbeitung der nationalen Teststrategie angekündigt. Wer wird derzeit getestet? Wann sollte man einen Arzt kontaktieren? Personen mit Symptomen einer möglichen Infektion mit dem Virus wie Husten, Fieber, Schnupfen, Störungen des Geruchs- und/oder Geschmacksinns sollten umgehend ihren Hausarzt anrufen, aber keinesfalls ohne telefonische Rücksprache in die Praxis gehen. An den Wochenenden und wenn die Praxen geschlossen sind, ist ein Arzt über den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung unter der 116117 zu erreichen. Der Arzt entscheidet, ob ein Test durchgeführt wird, der für den Patienten dann kostenlos ist.

Internetseiten informieren über Teststellen

Sollte der eigene Hausarzt nicht testen wollen: Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe hat eine Internetseite eingerichtet, auf der man sich die nächstgelegene Arztpraxis in Westfalen-Lippe anzeigen lassen kann, die Patienten auf das Coronavirus testet: www.coronatestpraxis.de .

Eine Liste mit testenden Praxen ist auch der Internetseite des Praxisnetzes, www.praxisnetz-pb.de zu finden. Einen PCR-Test bekommen zudem alle, die Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Da sind zum Beispiel Mitglieder desselben Haushalts oder Personen, die über die Corona-Warn-App als Kontaktpersonen identifiziert wurden. Die App zeigt in diesem Fall einen Risikokontakt an (rot). Den Betroffenen wird erst einmal empfohlen, zu Hause zu bleiben. Liegt das positive Testergebnis vor, wird vom Gesundheitsamt eine 14-tägige Quarantäne ausgesprochen. Arbeitnehmer bekommen eine Bescheinigung ausgestellt, die sie ihrem Arbeitgeber vorlegen können. Wer sich in angeordneter Quarantäne befindet, ohne krank zu sein, hat nach dem Infektionsschutzgesetz Anspruch auf Entschädigung, für Arbeitnehmer bedeutet das Lohnfortzahlung.

PCR-Test

Anspruch auf einen PCR-Test haben zudem Reiserückkehrer aus einem internationalem Risikogebiet und deutschen Risikogebiet mit mehr als 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner (7-Tages-Inzidenz). Auf den Kreisseiten ist unter www.kreis-paderborn.de/corona ein Kontaktformular zu finden, mit denen sich Reiserückkehrer aus dem Ausland beim Gesundheitsamt melden können.

Mit einem PCR-Test getestet werden zudem Personen in Gemeinschaftseinrichtungen und –unterkünften (zum Beispiel Arztpraxen, Schulen, Kitas, Geflüchteten­unterkünfte, Notunterkünfte, Justizvollzugsanstalten) getestet, wenn in der Einrichtung eine mit dem Coronavirus infizierte Person festgestellt wurde. Getestet werden auch Patienten, Bewohner und das Personal in Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus, wenn es zu einem Ausbruch des Virus in der Einrichtung kam. Dies gilt auch für Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Rehabilitation, ambulante Operationen oder ambulante Dialyse sowie für Arzt- und Zahnpraxen und weitere Praxen humanmedizinischer Heilberufe.

Patienten oder Betreute vor Aufnahme oder Wiederaufnahme in ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung, sowie vor ambulanten Operationen oder vor ambulanter Dialyse.

Beschäftigte in Schulen und Kitas können sich bis zum 22. Dezember insgesamt dreimal mittels PCR-Diagnostik testen lassen. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

Für Personal aus Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen gelten zudem eigene Regelungen. Eine wöchentliche Testung ist sogar in den Einrichtungen durch das Personal selber möglich, sofern es an einer Schulung zur Durchführung eines Antigen-Schnelltest teilgenommen hat.

Antigentest

Antigentests bieten die Möglichkeit, mehr zu testen und schneller Infektionen zu erkennen. Deswegen eignen sie sich auch besonders für Besucher, Beschäftigte und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen. Ihr Einsatz soll verhindern, dass sich alte und kranke Menschen mit dem Coronavirus anstecken. Für sie ist die Gefahr von schwerwiegenden Folgen einer Infektion am größten. Antigentests sollen helfen, Besuchsverbote und damit die vollständige Isolation von Bewohnerinnen und Bewohnern zu vermeiden.

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