„Villa“ in Schloß Neuhaus bleibt unter strengen Vorgaben auch im November geöffnet
Jugendtreff „light“

Paderborn-Schloß Neuhaus(WB). In den 29 Jahren, die sie in der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, hat Martina Kirchhoff schon viel gesehen und eine Menge erlebt. Dass ein Virus ihren beruflichen Alltag einmal so auf den Kopf stellen würde, hätte sich die Diplom-Sozialarbeiterin allerdings nicht träumen lassen. „Wir haben hier viele Jugendliche, die jeden Tag zu uns kommen. Als wir im März von heute auf morgen für zwei Monate schließen mussten, war das schon eine Ansage“, erinnert sich Martina Kirchhoff, die den Jugendtreff „Die Villa“ in Schloß Neuhaus seit sieben Jahren leitet.

Donnerstag, 05.11.2020, 09:59 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 10:02 Uhr
In Zeiten von Corona geht auch der Jugendtreff „Die Villa“ neue Wege. Unter dem Dach des gemütlich hergerichteten Außengeländes können (am Tisch, von links) Leotrim, Jonas und Jan genauso gut miteinander spielen wie drinnen. Damit es nicht zu frostig wird, haben Martina Kirchhoff (hinten, links) und Thomas Hunstig kuschelige Decken für die Jugendlichen bereit gelegt. Foto: Oliver Schwabe

Auch Thomas Hunstig, der als Erzieher seit 20 Jahren in der Villa tätig ist, steckt diese Zeit noch in den Knochen. „Wir hatten während des ersten Lockdowns einen Aushang gemacht, dass wir in dringenden Fällen natürlich telefonisch erreichbar sind. Davon ist aber letztlich kaum Gebrauch gemacht worden.“ Eine gewisse Lethargie, die in dieser Zeit bei den Jugendlichen entstanden sei, habe man inzwischen gemeinsam aber wieder auflösen können.

Als die Politik in der vergangenen Woche den „Lockdown light“ verkündet hatte, war zunächst unklar, ob erneut der Neuhäuser Jugendtreff davon betroffen sein würde. Glücklicherweise ging der Kelch diesmal an den Einrichtungen der Kinder- und Jugendpflege vorüber. „Das Ganze funktioniert hier natürlich nur deshalb, weil sich unsere Kinder und Jugend­lichen hier strikt an die strengen Hygiene-Regeln halten – besser als so mancher Erwachsene“, lobt Martina Kirchhoff „ihre“ Kids, die einwandfrei alle Vorgaben er­füllten.

Maskenpflicht im gesamten Haus

Und die sind seit dieser Woche noch einmal strenger geworden: Es herrscht Maskenpflicht im gesamten Haus sowie im Außengelände, der Kicker ist gesperrt und statt 13 Kindern, die sich bis zuletzt gleichzeitig in den Innenräumen des Jugendtreffs aufhalten durften, sind jetzt nur noch acht erlaubt. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Villa vor Corona Anlaufpunkt für täglich bis zu 100 Kinder und Jugendliche war. „Es ist nicht schön, wenn wir kleine Gruppen jetzt wegschicken müssen, weil unsere Kapazität wegen der Vorgaben einfach schnell erschöpft ist“, so Martina Kirchhoff.

Während die Leiterin diesbezüglich auf bessere Zeiten hofft, geben sich die jungen Besucher der Villa relativ entspannt. „Es ist alles besser, als nur zu Hause zu sitzen“, findet zum Beispiel Leotrim (13), der täglich in den Jugendtreff kommt, um seine Freunde zu treffen, „um zu quatschen und gemeinsam an der Konsole zu spielen oder draußen zu kicken“.

Fußballprojekt auf Eis gelegt

Letzteres ist seit dieser Woche nicht mehr drin: „Leider mussten wir das Fußballprojekt erst mal auf Eis legen“, so Thomas Hunstig. Stattdessen planen die Verantwortlichen jetzt ein Fifa-Turnier an der Playstation. „Wir müssen derzeit eben von Tag zu Tag schauen, was möglich ist – und dann spontan auf die Situation reagieren“, ist Martina Kirchhoff zuversichtlich, dass ihr die Ideen auch unter erschwerten Bedingungen nicht so bald ausgehen. Sie ist froh, dass zumindest das Projektangebot mit dem Künstler Suat im frisch renovierten Werkraum weiterlaufen kann.

Dass die Villa Kindern und Jugendlichen auch in der aktuellen Lage als Anlaufstelle erhalten bleibt, findet Martina Kirchhoff wichtig. Auch, weil jetzt die dunkle Jahreszeit beginnt und eine Alternative zum Draußensein immer wichtiger wird. Gut findet sie, dass sie trotz des erforderlichen Abstands nah dran ist an den Themen, die die Kinder und Jugendlichen in der Villa bewegen: „Zwar haben die meisten noch nicht so ausgeprägte Zukunftsängste wie viele Erwachsene. Aber belastend ist die Corona-Situation für sie definitiv auch.“

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