Corona: Kreis Paderborn bringt Antrag auf den Weg – Personal gesucht
Bundeswehr soll unterstützen

Paderborn (WB). 52 neue Corona-Fälle gibt es im Kreis Paderborn: Die Kreisverwaltung hat am Dienstag angesichts weiter steigender Infektionszahlen die Bundeswehr offiziell um Unterstützung gebeten. Der Antrag sei nötig geworden, sagte Kreis-Sprecherin Michaela Pitz, weil „die Kontakt-Nachverfolgung immer schwieriger wird“. Dr. Constanze Kuhnert, Leiterin des Kreisgesundheits­amtes, ergänzt: „Das Ausbruchsgeschehen ist diffus, überall flackern einzelne Herde auf.“

Mittwoch, 04.11.2020, 07:28 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 09:32 Uhr
Soldaten der Bundeswehr helfen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten (Symbolbild). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In zwölf Schulen im Kreisgebiet haben sich nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes mittlerweile einzelne Schüler sowie Lehrer mit SARS-CoV-2 infiziert. Ob und wann der Antrag vom Verteidigungsministerium bewilligt wird, ist noch unklar. Die seit Monaten andauernde Krisensituation sei für die Beschäftigten des Gesundheitsamtes sehr belastend, sagte Dezernent Michael Beninde am Montagabend in der Sitzung des Kreistages.

Die aktuellen Corona-Zahlen des Kreisgesundheitsamts

Die Zahl der laborbestätigten Coronavirus-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie ist nach Angaben des Kreises auf 1509 gestiegen (Stand Dienstag, 11 Uhr). Aktuell sind 523 Menschen mit dem Virus infiziert. Betroffen ist weiterhin Paderborn mit jetzt 231 aktiven Fällen, gefolgt von Bad Lippspringe (86), Delbrück (79), Bad Wünnenberg (31), Lichtenau (26), Borchen (20), Hövelhof (17), Salzkotten (13), Büren (12), Altenbeken (8).

Das Landeszentrum für Gesundheit weist für den Zeitraum 27. Oktober bis 2. November eine Sieben-Tages-Inzidenz von 81,2 (Vortag 82,8) aus.

945 Menschen im Kreis haben eine akute COVID-19-Infektion überstanden. 41 Menschen sind in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verstorben. 19 Corona-Patienten werden zurzeit im Krankenhaus behandelt, davon zwei intensivmedizinisch. 1616 Personen (Vortag: 1375) Menschen befinden sich in Quarantäne.

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Dr. Ulrich Polenz, Leiter der Bezirksstelle Paderborn der Kassenärztlichen Vereinigung, teilte mit, dass derzeit kein zentrales Abstrich-Zentrum für den Kreis geplant sei. Aktuell gebe es noch genügend Testkapazitäten in Arztpraxen und Krankenhäusern, erläuterte Michael Beninde. Es seien keine Fälle bekannt, dass Patienten Wartezeiten hätten, sagte Dr. Polenz. Es gebe allerdings auch andere Gründe, die gegen ein Testzentrum sprächen. Weil das im Frühjahr genutzte Gebäude auf dem Gelände der Alanbrooke-Kaserne nicht mehr zur Verfügung stehe, müsste eine neue Immobilie gefunden werden. Und für die bräuchte man zunächst ein Brandschutz- und Hygienekonzept, berichtete der Mediziner.

Außerdem stehe nicht genug Personal für ein Abstrichzentrum zur Verfügung: Derzeit hätten alle Arztpraxen geöffnet und könnten keine Mitarbeiter abstellen.

Personelle Probleme hat auch der Kreis. Nach Auskunft von Michaela Pitz habe man für die Kontaktnachverfolgung inzwischen 31 zusätzliche Mitarbeiter (20 Vollzeit-Beschäftigte) eingestellt – die meisten mit kaufmännischem Hintergrund. „Wir benötigen jetzt allerdings Mitarbeiter mit medizinischen Kenntnissen, die bereit sind, auch freitags und an Wochenenden zu arbeiten“, sagte sie.

Corona: Immer mehr Einrichtungen betroffen

Unterdessen werden in immer mehr Einrichtungen neue Corona-Fälle bekannt. Nachdem jüngst Fälle im Krankenhaus St.-Johannesstift und an vier Paderborner Gymnasien aufgetreten waren, gibt es nun etwa an der Gesamtschule Bad Lippspringe in der Jahrgangsstufe 12 (Q1) einen bestätigten Fall. Die Q1-Schüler erhalten jetzt Distanzunterricht. Auch an der Lutherschule am Abdinghof wurden je ein Schüler der Klasse 1c und der 4c positiv getestet. Die Schüler der beiden Klassen sind bis zum 10. November in Quarantäne, ebenso wie sieben Lehrer und zwei OGS-Betreuer.

Auch an der privaten Realschule Altenbeken gibt es einen Corona-Fall. 100 Schüler seien in Quarantäne. Die Schule bleibe nach Anordnung des Kreisgesundheits­amtes Höxter, weil der betroffene Schüler aus dem Kreis kommt, voraussichtlich bis zum 11. November geschlossen. Nach einem bestätigten Corona-Fall einer Erzieherin bleiben auch im Altenbekener Waldkindergarten Egge-Kids zwei Gruppen geschlossen.

Corona-Fälle gibt es auch im Missionshaus Neuenbeken. Dort wurde nach Angaben der Einrichtung eine Mitarbeiterin der Pflege positiv getestet. Inzwischen ergaben die Tests bei drei weiteren Mitarbeiterinnen sowie bei einer Ordensschwester ein positives Ergebnis. Alle 80 Personen im Missionshaus sind in Quarantäne.

Weitere Informationen

Mit der Feststellung der sogenannten Gefährdungsstufe II und der Allgemeinverfügung des Kreises Paderborn (hier als PDF auf der Kreis-Website) waren am 28. Oktober eine Reihe von weiteren Schutzmaßnahmen in Kraft getreten, die in der Corona-Schutzverordnung von NRW aufgelistet sind. Von Montag, 2. November, an gilt die neue Corona-Schutzverordnung des Landes NRW (Link führt zum PDF auf der Landes-Website).

Das Paderborner Kreisgesundheitsamt ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr sowie samstags von 12 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05251/3083333 erreichbar. www.kreis-paderborn.de/corona.

Hier gibt es eine Übersicht des Kreises zu allen aktuellen Regelungen.

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