Werbegemeinschaft Paderborn verzeichnet 50 Prozent weniger Menschen in der City
„Die Kunden bleiben aus“

Paderborn (WB). Geschlossene Gaststätten, geöffnete Geschäfte. Verwaist ist sie nicht, die Paderborner Innenstadt am Tag eins des „Lockdowns light“, aber spürbar leerer als sonst.

Dienstag, 03.11.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 07:40 Uhr
„Nichts los!“ – Franz Bartsch steht vor seinem Geschäft in der Grube. Für ihn würde jetzt das Geschäft mit Krippenfiguren und Holzkunst aus dem Erzgebirge beginnen. Aber: „In drei Stunden habe ich gerade einmal zwölf Euro eingenommen.“ Foto: Jörn Hannemann

Frustriert steht Franz Bartsch vor seinem Geschäft in der Grube und wartet auf Kunden. „Es ist nichts los. In drei Stunden habe ich gerade einmal zwölf Euro eingenommen“, sagt der langjährige Kaufmann, der Räuchermännchen und Holzkunst aus dem Erzgebirge und handgemachte Kerzen verkauft. Von seinem Laden unweit des Domes blickt er die Straße hoch. Auffallend wenig Menschen sind dort in der Mittagszeit unterwegs. „Und falls jemand vorbeikommt, blickt er nur mürrisch auf den Boden. Das sagt doch alles über die momentane Situation aus.“

„Shopping-Laune: Fehlanzeige!“, bedauert Simone Sperbel von der Boutique „Zeitlos“

„Shopping-Laune: Fehlanzeige!“, bedauert Simone Sperbel von der Boutique „Zeitlos“ Foto: Hannemann

Ähnlich sieht es auch Simone Sperbel, die ein paar Meter weiter die Modeboutique „Zeitlos“ betreibt. „Ich hatte heute noch keinen Kunden.“ Die Menschen würden im Moment nur schnell ­kaufen, was sie brauchen, statt in Ruhe zu bummeln. Shopping-Laune: Fehlanzeige! „Schon Samstag war nichts los“, sagt sie.

Geschlosse Lokale heißt auch geschlossene Toiletten

Gerade in der kleinen, aber feinen Einkaufsstraße mit den vielen inhabergeführten Geschäften manifestiere sich ihrer Meinung nach das Problem. „Unsere Kundschaft hat Angst, einkaufen zu gehen und bleibt fern.“ Dass man nicht in Cafés und Gaststätten einkehren könne, dämpfe die Lust, einzu­kaufen. Simone Sperbel: „Gastronomie und Einzelhandel arbeiten zusammen wie ein Zahnwerk. Ist eines gestört, läuft es nicht rund.“ Das Zwangs-Aus für die Lokale schaffe ein weiteres Problem, insbesondere für ältere Menschen. „Viele Toiletten sind dadurch ­geschlossen. Für viele ist das auch ein Grund, die Innenstadt zu ­meiden.“

Laserscanner registriert Besucherrückgang um 50 Prozent in der City

Für Christine Berg, die in der Grube das Naturkosmetikstudio „Kopf bis Fuß“ betreibt, sieht es etwas besser aus: „Ich verkaufe Produkte, die aufgebraucht werden und dann nachgekauft werden. Deshalb ist bei mir die Lage etwas besser. Aber Gesichtsbehandlungen dürfen wir in dieser Zeit auch nicht anbieten.“ Dafür habe sie eine freischaffende Kosmetikerin beschäftigt. „Jetzt müssen wir erstmal abwarten.“

Viele Kunden bleiben offenbar zuhause.

Viele Kunden bleiben offenbar zuhause. Foto: Jörn Hannemann

Der Besucherrückgang ist nicht nur In der Grube zu spüren, sondern auch in der Westernstraße. So zählt der angebrachte Laserscanner am Thalia-Gebäude die Frequenz der Besucherströme ganz genau. „Die Zahl der Besucher in der Fußgängerzone hat stark abgenommen. Wir haben heute 50 Prozent weniger als normal“, berichtet Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, nach einem Blick auf die Zahlen. „Und dass es am Nachmittag noch einen Andrang gibt, damit rechne ich auch nicht.“

Für einen Lichtblick in dieser Zeit sorgt höchstens die Weihnachtsbeleuchtung mit Sternen und Lichtschweifen, die seit Montag in der Innenstadt montiert wird. In vorweihnachtlicher Stimmung sind aber wohl die wenigsten. Der Weihnachtsmarkt ist schließlich auch abgesagt worden.

Die wenigsten sind derzeit wohl in Weihnachtsstimmung, aber vielleicht ist das hier ein „Lichtblick“: Hermann-Joseph Eusterholz (Elektro Hannemann) und Thomas Hense bringen im Schildern neben dem Rathaus schon mal die Weihnachtsbeleuchtung an.

Die wenigsten sind derzeit wohl in Weihnachtsstimmung, aber vielleicht ist das hier ein „Lichtblick“: Hermann-Joseph Eusterholz (Elektro Hannemann) und Thomas Hense bringen im Schildern neben dem Rathaus schon mal die Weihnachtsbeleuchtung an. Foto: Jörn Hannemann

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