Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT trauert um seinen langjährigen Redaktionsleiter Karl Pickhardt
Hinterm Horizont geht’s weiter

Paderborn (WB). Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT ohne Karl Pickhardt? Kannte ich nie. Und kann ich mir immer noch nicht so richtig vorstellen. Dieser nimmermüde Rechercheur, dieser im allerbesten Sinne rasende Reporter war schon längst da, als ich zur Unternehmensgruppe WESTFALEN-BLATT kam – mehr als 40 Jahre hat er für unseren Verlag und für sein „Bäumchenblatt“ gearbeitet. Mehr als 20 Jahre war er in der Leitung der Lokalredaktionen im Kreis Paderborn tätig. Bester Botschafter und immer Leistungsträger – stets mehr Vorbild als Vorgesetzter, stets einer, an dem sich die Kollegen ausrichten und so manches Mal auch aufrichten konnten. Am Mittwoch dieser Woche ist Karl Pickhardt im Alter von nur 64 Jahren völlig unerwartet und viel zu früh gestorben.

Samstag, 31.10.2020, 10:28 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 21:35 Uhr
Stets mehr Vorbild als Vorgesetzter: Karl Pickhardt ist im Alter von nur 64 Jahren gestorben. Foto: Besim Mazhiqi

Unsere Wege kreuzten sich nicht sofort, dann aber umso intensiver. Karl Pickhardt war ein Mann der Tat, fest verwurzelt im Paderborner Land, immer streitbar und mit größter rhetorischer Gabe – in Wort wie in Schrift. Der Lokaljournalismus lag ihm im Blut, und er hatte das Herz am richtigen Fleck. Als junger Redaktionsleiter aus dem „fernen“ Bielefeld hatte man da wahrlich nicht immer einen leichten Stand. Keine Frage: Karl Pickhardt hängte seine Fahne nicht nach dem Wind, er wollte gewonnen werden für eine Sache – auch von seinem eigenen Chef. Ich habe dieses Selbstbewusstsein, diese Haltung immer geschätzt, denn sie war mir Herausforderung und Ansporn zugleich.

Freilich habe ich mich schon hin und wieder gefragt, ob er wohl mit anderen auch so hart ins Gericht geht. Legendär nicht nur sein Schlusssatz, wenn ihm eine unserer Besprechungen mal wieder zu lange gedauert hatte: „So, genug geredet, ich muss jetzt noch arbeiten.“ Arbeiten – weiß Gott, das konnte er. Beeindruckend diese Energie – beeindruckend dieser Wille, ohne den Journalismus nicht funktionieren kann, wenn er gut, ja herausragend sein will. Nein, Karl Pickhardt hat sich nie geschont – eine Geschichte roch er 100 Kilometer gegen den Wind, und wenn er mal Witterung aufgenommen hatte, dann war er einfach nicht mehr zu stoppen.

Was uns manchen Zwist mit diesem und jenem einbrachte. Ich werde nie vergessen, als wir einmal zusammen zum Rapport beim Bad Lippspringer Bürgermeister im Rathaus antreten mussten – und dabei ohne große Vorbereitung eine ziemlich gute Figur machten. Nach dem mehr als zweistündigen Gespräch scherzte ich noch auf der Treppe des Rathauses: „Ich glaube, es war ein Unentschieden. Und Unentschieden ist ja bei einem Auswärtsspiel eigentlich immer gut.“ Karl Pickhardt schmunzelte nur. Erleichtert wirkte er dabei und vielleicht auch ein wenig überrascht, dass wir beiden so selbstverständlich an einem Strang gezogen hatten. Es war wohl der Moment, der unsere Zusammenarbeit auf eine besondere Stufe hob. Es bleibt der Moment, der mich immer mit großer Freude und Dankbarkeit, vor allem aber mit tiefem Respekt an Karl Pickhardt zurückdenken lässt.

Schon seit längerer Zeit hatte die Redaktion zuletzt auf Karl Pickhardt verzichten müssen. Um seine eigene Gesundheit war es zwischenzeitlich nicht zum Besten bestellt – vor allem aber hatte er sich auf so bewundernswerte Weise um seine schwer erkrankte Frau Marie gekümmert. Er tat das, wie er wohl alles in seinem Leben tat – mit unbändigem Einsatz. So war es ein schwerer Schlag für Karl Pickhardt, als seine Marie im Januar dieses Jahres starb. Auf der Trauerfeier, als halb Leiberg auf den Beinen war, um Marie Pickhardt die letzte Ehre zu erweisen, wurde das Lied „Hinterm Horizont geht’s weiter“ von Udo Lindenberg gespielt. Die beiden erwachsenen Töchter der Eheleute Pickhardt hielten die Trauerrede auf ihre Mutter. Es war ein beeindruckendes Zeichen von tiefer familiärer Bande – unendlich traurig und zugleich von unbeschreiblicher Größe.

Hinterm Horizont geht’s weiter: Karl Pickhardt wollte wohl nicht mehr darauf warten und hat sich nun auf den Weg zu seiner geliebten Frau gemacht. Wir hätten ihn so gern noch hier bei uns im Leben behalten. Der Himmel kann sich auf einen grandiosen Reporter und einen noch großartigeren Menschen freuen. Verlag und Redaktion des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTS aber sind sehr traurig, wir werden Karl Pickhardt ein ehrendes Andenken bewahren. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seinen Töchtern Anja und Svenja, seiner Mutter Margret und allen Angehörigen.

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